Story Wie ich das Erdbeben ueberlebte
Familien

„Wie ich das Erdbeben überlebte."

Die Geschichte von zwei Erdbebenopfern

Am 12. Januar 2010 war ich unter den Trümmern des sechsstöckigen Padre Wasson Zentrums in Pétionville, Haiti, begraben. Ich wurde mit einem gebrochenen Arm und mehreren Schnittwunden aus dem Gebäude gerettet. Meine Freundin Molly Hightower, die als Freiwillige für ein Jahr mit behinderten Kindern für nph haiti arbeitete, hatte nicht so viel Glück.

 


Molly Hightower, die Freundin von Rachel, überlebte das Erdbeben in Haiti nicht. 

 


So endete mein zweiwöchiger Urlaub, bei dem ich meine beste Schulfreundin und die Kinder, die sie liebte, treffen wollte, ziemlich tragisch und unerwartet. Ich habe die letzten Jahre seit dem Erdbeben damit verbracht zu versuchen Mollys Erinnerung durch das Sammeln von Spenden und durch Besuche in Haiti zu bewahren. Ich habe mich auch verliebt - tief und verzweifelt - in das Land, das am 12. Januar 2010 so viel verlor. Außerdem habe ich mein Herz verloren - an einen entzückenden Waisenjungen namens Ryme*.

 

Ryme mit seiner Patin Rachel.
Rachel ist Patin von Ryme, der seine Eltern bei dem Erdbeben verlor. ©Rachel Prusynski

 


Ryme verlor am 12. Januar 2010 im Alter von zehn Jahren seine Familie. Er hatte buchstäblich niemanden. Einige Tage nach dem Erdbeben fanden ihn nph-Mitarbeiter in einer der vielen Zeltstädte von Port-au-Prince. Er war schwer traumatisiert und sie brachten ihn ins nph-Hilfsprogramm „Engel des Lichts“. Sobald sie feststellten, dass Ryme keine Familie mehr hatte, wurde er im nph-Kinderdorf in Kenscoff aufgenommen. Dort lebt er nun in einem grauen Haus mit rosa Verkleidung, mit rund einem Dutzend Jungen in seinem Alter und mit einem Betreuer, der viel lacht und mir versichert, dass Ryme ein gut erzogener junger Mann ist.


Ryme und ich trafen uns zum ersten Mal im Januar 2011, als ich zum ersten Jahrestag des Erdbebens nach Haiti zurückgekehrt war, um an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Nach dem Erdbeben, angetrieben durch meinen eigenen Prozess der Trauer und Wiedergenesung, beschloss ich, eine Patenschaft für ein Kind, welches irgendwie traumatisch von dem Erdbeben betroffen war, übernehmen zu wollen. Ryme erfüllte diese Beschreibung und ich erkannte Spuren seines Leidens in dem schüchternen, schlaksigen Kind, das eigentlich viel zu klein war, um 10 Jahre alt zu sein. Obwohl wir mehrere Tage zusammen verbrachten, an denen wir zu Fuß durch das Gelände liefen und uns die Freude über eine kalte Limonade teilten, sprach Ryme selten und wenn, dann mit einem ängstlichen Flüstern. Die einzige Ausnahme machte er, um mich fragen, wann ich zurückkehren würde.

 


Viele Kinder verloren nach dem Erdbeben alles.

 

Ich schreibe diese Geschichte während meiner vierten Reise nach Haiti, nachdem ich Ryme zum dritten Mal besucht habe. Der selbstbewusste, große und höfliche 12-Jährige hat kaum noch Ähnlichkeiten mit dem traurigen Kind, das ich vor zwei Jahren getroffen hatte. Ryme lernt Englisch und nutzte gleich die Chance, mich in meiner Sprache zu begrüßen. Er erzählte mir von seiner Reise nach Italien im letzten Herbst, wo er Rom besuchte, Andrea Bocelli traf und auf den Fußballplatz des AC Mailand laufen durfte. Beim Öffnen seiner Weihnachtsgeschenke sagte er etwa fünfzehn Mal „Danke“ und bat mich, ihm Fotos und ein Buch in Englisch zu senden, damit er auch weiterhin üben könne. Dieses Mal konnte ich seinen Redefluss kaum stoppen. Er zeigte mir eine Uhr von seiner Patin aus Italien, die er während seiner Reise traf, auch wenn er mir ganz  diplomatisch versicherte, dass ich immer noch seine Lieblingspatin bin. Und natürlich fragte er mich sofort, wann ich zurückkehren würde.

Ich kann nicht behaupten, dass meine Erfahrung als Patin selbstlos ist. Meine körperlichen Wunden, die ich beim Erdbeben davontrug, heilten schnell. Aber das emotionale Trauma, in Schutt gefangen zu sein und meine beste Freundin verloren zu haben, war schwerer abzuschütteln. Mit Ryme in meinem Leben habe ich ein Familienmitglied, das genau weiß, wie sich das Erdbeben angefühlt hat. Es bedeutet auch, dass Ryme jemanden ganz für sich hat - den er nicht mit seinen 400 Brüdern und Schwestern in Kenscoff teilen muss – der auch das Ereignis versteht, welches sein Leben für immer veränderte.

Ich hoffe und träume für Ryme, dass er seine Erdbebenerfahrungen leichter überwinden kann. Ich möchte, dass er erwachsen wird und weiß, dass er sein kann, wer er will und ich möchte, dass er die notwendige Unterstützung und Ermutigung bekommt, um sein Potenzial auszuschöpfen. Besonders nach diesem letzten Besuch ist die Wandlung, die die Freunde und nph-Familie Ryme ermöglicht haben, großartig und erstaunlich. Sie erfüllt alle meine Hoffnungen, die ich für ihn habe. Ich fühle mich gesegnet, ein kleiner Teil in dieser Wandlung zu sein und ich kann es kaum erwarten, ihn auch weiterhin zu unterstützen und ihn zu lieben, während er dabei ist, seine eigenen Hoffnungen und Träume zu verwirklichen.

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Isabella Kalamorz

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