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Aktuell

Zeitweise Evakuierung unseres Heimes in Nicaragua

Nach der Evakuierung wegen eines Erdbebens und eines befürchteten Vulkanausbruchs kehren die Kinder von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN Nicaragua auf die Insel Ometepe zurück.

Liebe Freunde und Unterstützer,

 

wir grüßen Sie von der Insel Ometepe. Viele von Ihnen sind sehr besorgt um uns und möchten gern wisssen, was hier passiert. Am vergangenen Mittwoch, dem 3. August, waren hier verschiedene Erdbeben zu spüren, von kleinerem bis größerem Ausmaß. Die stärkste Erschütterung gab es um 6.03 Uhr morgens; sie betrug 5,6 auf der Richter-Skala. Damit war sie vergleichbar mit dem Erdbeben, das 1972 Managua zerstörte. Wie nach einem Beben von solcher Stärke zu erwarten ist, folgten weitere kleinere Nachbeben. Man sagt uns, dass es über 437 Erdstöße gegeben hat; Gott sei Dank haben wir die meisten nicht zu spüren bekommen.

 

Die seismische Aktivität verbunden mit der erhöhten vulkanischen Aktivität des Conception machte uns allen, die wir in Casa Santiago und Casa San Marcos leben und arbeiten, große Sorgen. In den ersten Berichten von Regierungsseite wurde behauptet, dass es eine Verbindung zwischen den seismischen und den vulkanischen Aktivitäten gebe und dass ein großer Vulkanausbruch möglich sei. Diese Berichte veranlassten uns, alle Kinder aus unseren Heimen auf der Insel Ometepe zu evakuieren. Das riesige Unterfangen eines Umzugs von 300 Kinder samt Betreuern wurde möglich gemacht durch die Mithilfe von zwei bekannten Personen des politischen Lebens, die die Arbeit von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN unterstützen.

 

Wir begannen etwa um 18.00 Uhr mit der Evakuierung und fuhren unsere Kinder mit dem Bus zum Hafen Mayogalpa. Von dort aus sollten sie mit speziell eingesetzten Fähren nach Casa San Jorge über den großen See von Nicaragua gebracht werden. Um 23.00 Uhr hatten wir schließlich alle von der Insel transportiert und sorgten nun dafür, dass alle in der Gegend um San Jorge untergebracht wurden.

In späteren Berichten erfuhren wir dann, dass die seismischen und vulkanischen Aktivitäten doch nicht miteinander in Verbindung stünden, und nach mehreren Treffen mit Vertretern der Regierung wurde entschieden, dass es sicher sei, in unsere Heime zurückzukehren. Am 4. August fuhren wir wieder zurück; um Mitternacht lagen wir schon alle wieder in unseren eigenen Betten.

 

Das war natürlich eine traumatische Erfahrung für alle, Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Wir beobachten die Situation weiterhin sehr genau und studieren permanent die Berichte von INETER (Instituto Nicaraguense de Estudios Territoriales), der staatlichen Einrichtung, die für die Beobachtung solcher Aktivitäten zuständig ist. Wir sind dankbar für Ihre Gebete, und wir möchten Sie versichern, dass die Sicherheit der Kinder für uns an oberster Stelle steht. Unsere Lebensrealität ist es, auf einer Insel in der Nähe eines aktiven Vulkans zu wohnen. Deshalb sehen wir es als eine Notwendigkeit, bei Gefahr auf eine Evakuierung vorbereitet zu sein. Wir überarbeiten nun alle unsere Katastrophenpläne, um sicherzustellen, dass wir wieder eine erfolgreiche Evakuierung durchführen können, falls dies notwendig sein sollte.

 

Bei der Evakuierung mussten wir viel zusätzliches Kochgeschirr mitnehmen, um alle ausreichend versorgen zu können. Wir sehen nun, dass es gut wäre, für unser Heim in San Jorge eine solche Küchenausstattung anzuschaffen. Bei der Durchsicht unserer Evakuierungspläne sind wir auf verschiedene Problembereiche gestoßen, bei denen uns unsere Spender helfen könnten.

 

Da wir für Übernachtungsmöglichkeiten sorgen mussten, nahmen wir alle Matratzen mit. Dabei entstand ein Problem, an das wir nicht gedacht hatten: Da die Matratzen nicht mit den Namen der Kinder versehen waren, gab es ein großes Durcheinander. Einige der Matratzen gingen auch während des Transportes verloren. Das Matratzen-Durcheinander führte auch zu einem Wiederauftreten des Läuseproblems, das wir durch regelmäßige Kontrolle und Behandlung in den Griff bekommen hatten, weil einige Kinder auf kontaminierten Matratzen geschlafen hatten. Bei genauerem Hinsehen stellten wir fest, dass viele unserer Matratzen alt und abgenutzt sind. Wegen der Kopfläuse und dem schlechten Zustand der Matratzen müssten sie eigentlich alle ersetzt werden. Das ist besonders dringend, da uns sonst eine Läuse-Epidemie droht.

 

Es gibt 350 Matratzen für die Kinder in Casa Santiago, plus weiterer Matratzen in der Klinik und dem Wohnhaus der Freiwilligen. Da jede Vinyl-bezogene Matratze 40.00 US-Dollar kostet, ist das eine beträchtliche Ausgabe. Für die Evakuierung enstanden uns Kosten von 1500 Dollar für den Transport und die Unterbringung der Kinder und Mitarbeiter. Für jeden Beitrag zu diesen entstandenen Kosten oder für den Kauf einer Matratze für ein Kind wären wir sehr dankbar.

 

Wir danken jedem von Ihnen, der sich nach unserem Ergehen erkundigt hat und für uns gebetet hat. Bitte beten Sie weiter für uns!

 

Vielen Dank, und Gott segne Sie!

 

Als Hintergrundinformation: Unsere beiden Heime in Nicaragua, Casa Santiago und Casa San Marcos, befinden sich auf der Insel Ometepe an den Ausläufern des Vulkans Concepcion. Die Insel Ometepe liegt im Cocibolca-See, dem größten See in Nicaragua. Sie ist die größte Insel der Welt in einem Süßwassersee. Sie ist 276 Quadratmeter groß und hat ungefähr 35 000 Einwohner. Die Insel besteht hauptsächlich aus zwei Vulkanen; die Vulkane Concepcion und Maderas und die sie verbindende Landbrücke bilden Ometepe. Concepcion ist ein aktiver Vulkan und hat einen der "perfektesten" Kegel in Zentralamerika. Bis zum letzten Jahrhundert bestand Ometepe eigentlich aus zwei Inseln, die von einem schmalen Kanal getrennt waren, bis ein Ausbruch des Concepcion im Jahr 1804 die Lücke schloss und die beiden Teile verband - jetzt ist Ometepe eine einzige Insel.

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