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Aktuell

Wo der Schlamm weggeschafft ist, kann der Wiederaufbau beginnen

Die Bewohner von Gonaives schaffen den Schlamm aus ihren Häusern und versuchen einen Neuanfang.

Als ich am 16. Oktober von Rom nach Haiti zurückkehrte, waren der Flughafen und die Straßen menschenleer. Im Flughafen waren außer mir nur noch fünf weitere Personen. Ich war über die Dominikanische Republik eingereist, zusammen mit zwei Kindern, die in Italien lebensrettende Operationen erhalten hatten. Diese Kinder konnten keine US Visas erhalten, und deshalb war diese Route notwendig. Der Flughafen und die Straßen waren leer, weil es wieder zu Gewalttätigkeiten gekommen war, wie Sie sicher in den Zeitungen gelesen haben.

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Gonaives. Eine lange, beschwerliche Fahrt. Anders als beim letzten Mal konnten wir die überflutete Straße in die Stadt hinein nicht benutzen. Das Wasser steht nun höher, aber die Regierung hat eine neue (unbefestigte) Straße anlegen lassen, auf der man Gonaives erreichen kann.

 

Ich war erstaunt, wieviel Schlamm seit meinem letzten Besuch vor drei Wochen mit bloßer Muskelkraft von den Straßen entfernt worden war. Die Menschen hatten hart dran gearbeitet, sich buchstäblich aus dem Schlamm herauszugraben. Mit Schubkarren transportieren sie ihn hinaus auf die Straßen, von wo aus er mit Lastwagen abtransportiert wird. Auch die Missionarinnen der Barmherzigkeit haben ihr Grundstück nach Kräften freigeräumt. Der ehemalige Garten ist zwar immer noch unter einer Schlammdecke begraben, aber die Wege sind wieder begehbar.

 

Die Hilfe der UN-Truppen ist deutlich spürbar; die Straßen sind ruhig und auch die Lebensmittelversorgung funktioniert.

 

Wir unterstützen weiterhin den Neubau von Unterkünften in Thiote, dem Schauplatz der Flutkatastrophe vom vergangenen Mai. Fast fünfzehn Häuser sind bald fertig. Wir wollen noch 10 weitere bauen, aber da alle Baumaterialien aus Port-au-Prince kommen, wo es seit dem 30. September wieder gewalttätige Unruhen gibt, verzörgert sich die Arbeit an diesen Häusern. Wenn wir diese Unterkünfte fertig gestellt haben, sind die 80.000 Dollar aufgebraucht, die uns für die Menschen dieser Region zur Verfügung standen (60.000 Dollar für Baumaßnahmen und 20.000 Dollar für Hilfsgüter).

 

Die Überschwemmung in Gonaives verlief anders als die in Thiote. Dort bahnten sich die Wassermassen einen Weg und rissen alles mit sich. In Gonaives war die ganze Stadt überschwemmt, aber nur einige Häuser wurden weggespült. So haben viele der 200.000 betroffenen Einwohner noch ihre Häuser, die aber erst mit viel Arbeit wieder bewohnbar gemacht werden müssen, und alles Inventar darin ist zerstört. Man schätzt, dass ungefähr 1900 Menschen ihr Leben verloren, und bei weiteren 900 als vermisst gemeldeten Personen geht man ebenfalls davon aus, dass sie tot sind.

 

Da es für eine kleine Hilfsorganisation wie die unsere schwierig ist, bei einer Katastrophe solchen Ausmaßes wirkungsvolle Hilfe zu leisten, wollen wir uns wie in Thiote darauf beschränken, einer beschränkten Anzahl von Familien zu helfen. So möchten wir in Gonaives einerseits unsere Hilflieferungen noch eine Weile fortsetzen, dann aber etwa 100 ausgewählten Familien bei einem Neuanfang helfen. Sie sollen einen bestimmten Geldbetrag für Neuanschaffungen wie Betten, Kleidung, Geschirr etc. erhalten sowie etwas Geld, um ein Geschäft aufbauen zu helfen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen können.

 

Bitte beten Sie dafür, dass diese Bemühungen schnell dazu beitragen, die schlimmen Lebensbedingungen zu verbessern, die die Flutkatastrophe verusacht hat, und beten Sie auch für den Frieden und ein menschliches Miteinander in Haiti und dem Rest der Welt.

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