Aktuell

Wir kommen mit Lastwagen voller Lebensmittel, Medikamente und Kleidung

Buchstäblich alle Überlebenden des Ortes kamen, um uns zu begrüßen.

Liebe Freunde,

 

gestern, am 2. Juni, konnten wir endlich mit drei Lastwagen voller Lebensmittel, Medikamente und Kleidung nach Fond Verette durchkommen. Wir brachten auch Zahnbürsten, Seife, Bettlaken und Handtücher mit, da die Menschen mit ihren Häusern alles verloren hatten. Es ist nicht übertrieben, aber sämtliche Überlebenden des Ortes kamen herbei, um uns zu begrüßen und liefen vor unserem Konvoi her oder folgten uns, bis wir die kleine Krankenstation erreichten. (Wir werden heute oder morgen noch Bilder davon schicken.)

 

Es war ein außergewöhnlicher Anblick, aber er barg auch viele Herausforderungen in sich: Wie sollte man angesichts einer Menge von verweifelten Menschen die Kontrolle behalten? Es war unmöglich, unter solchen Umständen die Hilfsgüter öffentlich zu verteilen. Schon das Entladen der Lastwagen konnte zu einem Tumult führen.

 

Wir waren zu zehnt (ein kleines medizinisches Team, drei Schwestern von Mutter Theresa und die ehemaligen Pequeños, die bei unseren verschiedenen Einsätzen mitarbeiten). Die Schwestern standen auf der Kühlerhaube des Lastwagens und bemühten sich bewundernswert, die Menge zu beruhigen.

 

Der Fluss hatte sich ausgetobt. Wir mussten fast die ganze Strecke nach Fond Verette durch das Flussbett fahren, und es ist wieder fast trocken. Aber an den Seiten erheben sich wahre Canyons aus dem Erdreich, den Gärten, den Häusern und Friedhöfen, die der Fluss mit sich gerissen hat. Aus diesen Bergen floss der Tod. Große entwurzelte Bäume, demolierte Autos, umgestürzte Gräber liegen im Flussbett verstreut. Und an den Rändern überall Menschen, die um Hilfe bitten.

 

Ich versuche immer noch, einen Hubschraubertransport durch die Militärs zu organisieren, um einen Ort weiter oben zu ereichen. Er heißt Mapou, nach einer tropischen Baumart. Dieser Ort kann auf dem Landweg nicht erreicht werden.

 

Am Abend bevor wir nach Fond Verette aufbrachen, versagten bei einem großen Lastwagen die Bremsen und er fuhr in den Markt von Pétionville hinein. Es gab viele Tote und Verletzte. Unter den Verletzten war auch unsere geliebte Jesula, eine liebe ältere Dame, die seit Jahren unsere Büros und die Unterkunft der Freiwilligen sauber hält. Dank unserer Verbindungen konnten wir ihr eine lebensrettende Operation ermöglichen. Dabei musste ihr rechtes Bein amputiert werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir ihr eine Prothese über die Dominikanische Republik besorgen können. Dort ist die medizinische Versorgung besser als hier in Haiti.

 

Vielen Dank für Ihre Anteilnahme am Schicksal der Menschen hier und für Ihre Gebete.

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