„Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten auf all deinen Wegen“ (Psalm 91,11)
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Weihnachtsbotschaft von Pater Richard aus Haiti

Pater Richard Frechette, Leiter der Einrichtungen von nph in Haiti, sendet uns auch dieses Jahr wieder eine Weihnachtsbotschaft. Die Geschichte handelt von Flucht, Schwangerschaft und viel erlebten Leid.

„Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten auf all deinen Wegen“ (Psalm 91,11)

während ich Ihnen diesen Weihnachtsgruß schreibe, befinden sich geschätzte 65 Millionen Menschen auf der Flucht, sind staatenlos oder wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Rund die Hälfte davon sind Frauen - Millionen von ihnen schwanger oder Mütter von Babys oder Kleinkindern.


Pater Richard Frechette, Leiter nph haiti

Dass Maria als schwangere junge Frau ihre Heimat verlassen musste, um unter großer Mühsal den Geburtsort ihres Mannes aufzusuchen, ist ein zentrales Thema der Weihnachtsgeschichte. Ein weiteres Kernthema ist, dass sie unmittelbar nach der Geburt ihres geliebten Kindes in einem Bett aus Stroh nach Ägypten fliehen und dort jahrelang als Flüchtling ausharren musste, damit ihr Sohn nicht von einem eifersüchtigen König in Jerusalem, der Stadt des Friedens, getötet würde.

Weihnachten berührt uns nicht nur wegen der mit Kerzen erleuchteten Bäume und der schönen Lieder. Weihnachten berührt uns auch deshalb, weil die schwierigen und schmerzvollen Erfahrungen der Heiligen Familie dem tragischen Schicksal von Millionen von Frauen und Kindern heute, 2.017 Jahre später, so ähnlich sind.

Als ich kürzlich auf dem Weg zu einer der Kliniken der Schwestern von Mutter Teresa war, wo ich die Sterbenden salben und die Kranken behandeln wollte, fiel mir eine schwer kranke Frau auf der Straße auf - sie war jung, schwanger und in äußerster Not.

Sie war selbst ganz hilflos, während zwei junge Menschen versuchten sie hochzuheben, um sie in ein Tap-Tap, ein einfaches Sammeltaxi, zu legen. Ich wunderte mich, dass sie das Krankenhaus verließen, statt hineinzugehen. Als ich fragte, was geschehen war, erfuhr ich, dass es dort keine freien Betten gab. Sie erzählten mir außerdem, dass sie bereits bei einem anderen Krankenhaus abgewiesen worden seien und dass es keinerlei Garantie gäbe, dass die junge Frau beim nächsten aufgenommen würde.

Gott sei Dank gibt es die Entbindungsstation in unserer nph-Kinderklinik St. Damien, dachte ich. Die junge Frau war nahezu bewusstlos und würde weitere Irrfahrten durch die Stadt auf der Suche nach einem „Platz in der Herberge“ nicht überleben. Sie musste schnellstmöglich nach St. Damien. Um keine Zeit damit zu verlieren, einen unserer Krankenwagen zu rufen, bezahlte ich die Fahrt mit dem Tap-Tap.

Andre, der als kleiner Junge ins nph-Kinderdorf in Haiti kam und dort aufwuchs (heute ist er 25 Jahre alt), hilft mir bei der Arbeit. Ich bat ihn, in die Rolle des Engels Gabriel zu schlüpfen und dem Fahrer den schnellsten Weg zum Krankenhaus zu zeigen. Ich selbst setzte meinen Weg fort zu den Kranken auf der anderen Seite der Stadt.

Mein Auto ist ein Geländewagen mit Allradantrieb. Es hat keine Fensterscheiben und ist wahnsinnig laut. Der Lärm und die Hitze von draußen dringen ungehindert ins Fahrzeuginnere. So hörte ich nicht, dass mein Handy klingelte. Wieder und wieder. Umso mehr erschrak ich, als ich bei meinen Patienten ankam. 13 verpasste Anrufe von Andre verhießen nichts Gutes

Das Tap-Tap hatte eine Panne gehabt.

Ich raste zum Ort des Geschehens, eine gut 30-minütige Autofahrt entfernt. Gleichzeitig versuchte ich, einen Krankenwagen von St. Damien hinzuschicken. Doch alle waren im Einsatz. Ich überlegte fieberhaft, wie ich die bewusstlose Frau transportieren könnte. Kurz darauf sah ich ein leeres Tap-Tap. Ich bot dem Fahrer gutes Geld, wenn er mir folgen und einen lebenswichtigen Krankentransport übernehmen würde.

Die Umlagerung musste mitten auf der Straße stattfinden. Die werdende Mutter war nahezu leblos, als wir sie vorsichtig von einem Fahrzeug ins andere trugen. Erzengel Andre ist noch neu in meinem Team. Er schwitzte Blut und Wasser, war jedoch ein wunderbarer, mitfühlender Helfer.

Als ich zurück bei meinen Patienten war, erhielt ich einen Anruf aus dem St. Damien-Krankenhaus, wo Andre inzwischen mit der Schwangeren angekommen war: Die Mutter war 17 Jahre alt und lag im Koma. Die Angehörigen, die sie begleiteten, waren noch jünger. Die einzige Rettung für die junge Frau war die Entbindung des Babys, und zwar per Kaiserschnitt, weil es sich um eine Frühgeburt handelte. Die Frage war, ob ich die Mutter oder den Vater kannte? Die Mädchen sagten, sie kämen aus der Provinz. Wer sollte die Einwilligung zu dem Eingriff geben? Alle Beteiligten waren minderjährig und die Patientin lag im Koma.

Auf dem Ultraschallbild konnte man das Herz des Babys schlagen sehen, doch ansonsten bewegte es sich nicht. Aufgrund der kurzen Schwangerschaftsdauer war das Überleben des Babys unwahrscheinlich. Doch ohne Kaiserschnitt würden beide, Mutter und Kind, sterben.

Wer sollte die Einwilligung zu dem Eingriff geben? Nur ich als verantwortlicher Arzt kam infrage. Ich stimmte zu und nahm meinen Rosenkranz aus der Tasche. Das erste freudenreiche Geheimnis, die Verkündigung durch den Engel Gabriel - bitte lass uns jetzt nicht im Stich!

Das Baby überlebte. Ein winziges Mädchen, das vom Brutkasten aus neugierig in die Welt blickte. Die Mutter erwachte etwa vier Stunden später aus dem Koma. Unsere warmherzigen Mitarbeiterinnen, die selbst Kinder haben, zeigten ihr, wie sie ihr Baby stillen konnte.

Die Weihnachtsgeschichte ist alt und doch immer wieder neu: Der Segen, der in Form von Kindern über uns kommt; der Heldenmut der Mütter; die Erzengel Gabriel und Andre, die nie weit entfernt sind und genau im richtigen Moment rettend eingreifen.

Lassen Sie uns an diesem Weihnachtsfest - wenn wir einmal mehr das Wunder von Müttern und Kindern feiern - geloben, ihnen in all ihrem Leid und all ihrer Freude beizustehen.

Wenn wir für das Rechte und Wahre eintreten, segnet Gott unseren Weg. Wenn wir Zufluchtsorte für schwangere Mütter in Not schaffen, wie das Krankenhaus St. Damien, und Zufluchtsorte für Kinder, wie unsere Kinderdörfer in neun Ländern, ist uns Gottes Segen sicher.

Ich danke Ihnen für Ihre treue Unterstützung, die all das möglich macht, und wünsche Ihnen eine segensreiche Weihnachtszeit und ein gesegnetes neues Jahr,

Pater Richard Frechette, CP
Leiter nph haiti

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