Aktuell

Versorgung auf dem Landweg steht

Über die Dominikanische Republik erreichen Hilfslieferungen die Erdbebenopfer

Nach wie vor kommt die Hilfe für die Erdbebenopfer in Haiti nur schleppend voran. Haitis Regierung bat inzwischen die USA, die Hilfslieferungen zu koordinieren. In den Krankenhäusern fehlt es am Notwendigsten: Antibiotika, Verbandsmaterialien und Medikamente gehen zur Neige. Auch in ?St. Damien?, dem Kinderkrankenhaus des Karlsruher Hilfswerks ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.? in Tabarre, spitzt sich die Situation zu. Derzeit behandeln die Ärzte und Schwestern mehr als 550 Patienten, rund 130 davon sind Kinder. Stündlich kommen weitere Verletzte dazu. ?Jeder hier in der Klinik ist übermüdet. Aber wir können es bislang ganz gut bewältigen. Allerdings warten rund 30 Menschen auf Amputationen, die wir momentan nicht durchführen können?, sagt Robin Schwartz, Mitarbeiterin des Kinderhilfswerks vor Ort. ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? hat nun damit begonnen Hilfsgüter über das Kinderdorf in der Dominikanischen Republik nach Haiti zu senden. ?In der Dominikanischen Republik sind Nahrungsmittel, sauberes Wasser und medizinische Güter in ausreichender Menge vorhanden und können ohne bürokratische Hindernisse direkt zu den Erdbebenopfern gelangen. Der erste Lastwagen ist heute angekommen?, sagt Heiko Seeger, Geschäftsführer des Karlsruher Förderbüros. Heute Abend trifft der Berliner Arzt Peter Tinnemann in Haiti ein und wird mithelfen, die Hilfsmaßnahmen von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? in Haiti zu koordinieren.

 

Auch am vierten Tag nach der Katastrophe muss die Mehrheit der Haitianer ohne Essen und sauberes Wasser auskommen. Die Menschen übernachten im Freien neben Trümmern und Leichen. Hilfsgüter befinden sich zwar im Land, es gibt aber niemanden, der ihre Auslieferung koordiniert. Erst morgen, so berichten einige Medien, sollen erste Auslieferungen erfolgen. ?Die Koordinierung kann noch einige Tage dauern, deshalb möchten wir die Versorgung von der Dominikanischen Republik aus aufrechterhalten?, sagt Heiko Seeger. Gestern hatte Seeger erstmals die Möglichkeit, direkten telefonischen Kontakt mit einer amerikanischen Mitarbeiterin vor Ort aufzunehmen und sich ein umfassenderes Bild von der dramatischen Situation zu machen. So berichtete Robin Schwartz, dass die seit dem Einsturz des ehemaligen Krankenhauses vermisste 22-jährige Molly Hightower nur noch tot aus den Trümmern des Gebäudes geborgen werden konnte. Auch Mitarbeiter des Kinderkrankenhauses ?St. Damien? sind unter den Opfern. ?Wir haben mindestens 20 Todesopfer zu beklagen?, berichtete Robin Schwartz gestern im Telefonat mit Seeger. Im Krankenhaus arbeiten momentan 20 Ärzte, die meisten davon sind Haitianer. Heute werden in der Klinik weitere fünf bis zehn Ärzte erwartet, die die Mitarbeiter vor Ort unterstützen.

 

Trotz all dieser dramatischen Nachrichten gibt es auch gute Nachrichten zu berichten. Das Kinderdorf von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.? in Guatemala, wird aus seinen Reserven 30.000 US-Dollar nach Haiti senden. Das soll ein Zeichen der Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern in Haiti sein. Auch die Kinder in den übrigen sieben Kinderdörfern von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? organisieren bereits Hilfe für Haiti.

 

Der am Freitagmorgen aus Deutschland gestartete Arzt Peter Tinnemann wird voraussichtlich am Samstag Abend im Kinderkrankenhaus in ?St. Damien? eintreffen. Der Berliner ist Arzt am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité und war bereits 1996 im Einsatz für das Hilfswerk.

 

Spenden werden erbeten auf das Konto Nr. 12 000 bei der Sozialbank Karlsruhe, BLZ 660 205 00, Stichwort "Erdbeben Haiti" oder nutzen Sie das Online-Spendenformular unseres Spenden-Shops MyGoodShop.org und machen Sie eine

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