Guatemala Hungersnot1
Aktuell

Verein hilft hungernden Familien in Guatemala

Hungersnot spitzt sich zu

Guatemala / Karlsruhe ? In den vergangenen Monaten sind mehr als 450 Menschen in Guatemala verhungert, verkündete Präsident Álvaro Colomim September. In dem lateinamerikanische Land ist, laut UN-Angaben, jedes zweite Kind bis fünf Jahren unterernährt. Das Kinderhilfswerk ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern e. V.?, das in Guatemala ein Kinderdorf und Schulen unterhält, hilft der Not leidenden Bevölkerung. Mit insgesamt zehn Tonnen Lebensmitteln, wie Reis, Bohnen, Maismehl, Milch und Eier, setzt sich die Organisation für die hungernden Kinder außerhalb des Kinderdorfs ein und versorgt 60 Familien im Dorf Las Emranadas im Regierungsbezirk Jutiapa. Ein Mitarbeiter des Vereins konnte sich in den vergangenen Wochen selbst von der schwierigen Situation in Guatemala überzeugen.

 

Vor mehr als einem Monat wollte die guatemaltekische Regierung den Hungersnotstand ausrufen, was allerdings vom Parlament abgelehnt wurde. Zur Zeit leiden 54.000 Familien im Norden und Nordosten Guatemalas an Hunger. 49 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind chronisch unterernährt, davon betroffen sind fast ausschließlich Nachkommen der Maja-Völker. Anfang September musste Präsident Colom einräumen, dass mindestens 462 Menschen, darunter 54 Kinder, bereits verhungert sind.

 

Zum strukturellen Problem des Landes kamen noch Klimakatastrophen hinzu, die im Nordosten des Landes eine Dürre auslösten und dadurch die Bohnen- und Maisernte ? die Hauptnahrung der Menschen - vernichteten. Auch die sozialen Unterschiede innerhalb der Bevölkerung sind Grund für die Hungersnot. Die Hälfte des Gesamteinkommens erhalten die reichsten 5,6 Prozent der Haushalte, während die restlichen 94,4 Prozent sich die andere Hälfte teilen muss.

 

?Teilen gehört zur Philosophie von Padre Wasson, unserem Gründer, und ist fester Bestandteil unserer Erziehung?, sagt Markus Streit, Mitarbeiter des Karlsruhe Kinderhilfswerks, nach seinem Aufenthalt in Guatemala. ?So verzichten unsere Jugendlichen in Honduras freiwillig ein Mal pro Woche auf eine Mahlzeit, um den Kindern auf dem Müllberg in Tegucigalpa Essen bringen zu können. Unser Verein möchte den armen Menschen in Guatemala in ihrer schwierigen Lebenssituation beistehen. Der Betrag von 8.700 Euro reicht aus, damit wir zehn Tonnen Lebensmittel für die hungernden Menschen kaufen und in die Provinz Jutiapa transportieren können. Derzeit kosten in Guatemala ein Sack Reis, der zehn Kilogramm wiegt, knapp sechs Euro und ein Liter Milch mehr als zwei Euro."

 

Die Helferinnen und Helfer des Welternährungsprogramms verteilten bereits 20 Tonnen Lebensmittel an die Hungernden. Aus eigener Erfahrung teilt Streit mit: ?Die verteilten Lebensmittel reichen oft nicht so lange, wie Regierungsvertreter dies annehmen, da die Frauen, die sich mit ihren hungernden Kindern in den Krankenhäusern melden, oft eine vielköpfige Familie ernähren müssen.? Aus diesem Grund wird der Teufelskreislauf des Hungers nicht geschlossen und jede weitere Spende ist lebensnotwendig für die Leidenden.

 

Spenden sind möglich auf das Konto 12.000, BLZ 660 205 00, Sozialbank Karlsruhe. Stichwort: Presse; Hilfeleistung Guatemala.

3_bildung_336x280.gif