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Aktuell

Unser Besuchstag in neuer Umgebung

Eine wichtige Tradition wird auch in der derzeitigen Übergangssituation fortgesetzt

Die meisten Kinder wachten früher auf als gewöhnlich und warteten gespannt auf die Ankunft ihrer Familienangehörigen, denn es war unser Besuchstag, und der Empfang und die weiteren Veranstaltungen des Tages sollten im Freien stattfinden. Vor Tagesanbruch regnete es leicht, aber was für ein Glück hatten wir, dass die Sonne am Sonntagmorgen hervorkam!

 

Unsere Abteilung für Sozialarbeit, die diese wichtige Veranstaltung für die Verwandten unserer Kinder geplant hatte, konnte feststellen, dass sich an diesem Besuchstag noch mehr Angehörige auf den Weg nach San Jorge machten als in den Vorjahren. Sie kamen, um mit den Kindern zusammen zu sein, mit ihnen zu lachen und sich an den verschiedenen Aktivitäten zu beteiligen. So waren überall glückliche Gesichter im strahlenden Sonnenschein zu sehen, ob beim Zuschauen bei den Folkloretänzen oder beim Genießen eines Eises.

 

Die Kinder, die keinen Besuch erhielten, spielten zusammen und hatten so ebenfalls ihren Spaß. Alle Betreuer und Betreuerinnen waren ja da und konnten sich jedem widmen, der sich vielleicht ein bisschen einsam fühlte.

 

Es war eine anstrengende Woche für Kinder und Mitarbeiter gewesen, aber allmählich haben sich alle an den Alltag in der provisorischen Unterkunft gewöhnt. Es ist kälter als sonst um diese Jahreszeit; unsere Kinder müssen auf blanken Matratzen schlafen, aber sie beklagen sich nicht. Sie stehen früh morgens auf, um ihre Matratzen wegzuräumen, denn danach verwandeln sich ihre Schlafräume wieder in einen Speisesaal oder eine Kapelle, und dann erst können sie mit dem Waschen und der Erledigung ihren täglichen Pflichten beginnen.

 

Die Kinder sind zur Zeit an vier verschiedenen Orten untergebracht. Da sie sonst daran gewöhnt sind, mit all ihren Brüdern und Schwestern nah beisammen zu leben, nennen sie sich nun "Nuestros Pequenos Separados", Unsere getrennten Brüder und Schwestern. Wir versuchen, gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren, damit sie so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen können, und dazu gehören auch gegenseitige Besuche in den verschiedenen Unterkünften.

 

Die Jungen, die in dem kleinen Kloster untergebracht sind, überraschten wir mit einem Ausflugstag an den Strand von San Juan del Sur. Sie genossen die Wellen und durften in einem hübschen Restaurant zu Mittag essen, da gerade Ferienzeit ist.

 

Die Jungen von San Marcos arbeiten gern in einer Werkstatt für Kunsthandwerk, in der sie Schmuck aus Naturmaterialien herstellen. Ihr Lehrer hat für sie eine provisorische Werkstatt eingerichtet, und sie sind froh, dass sie sich nützlich machen und etwas lernen können.

 

Der Vulkan Concepcion ist in den letzten Tagen ruhig geblieben; keine Asche, kein Staub, keine Erschütterungen. Ich frage mich, ob er uns nur alle von der Insel weg haben wollte.

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