Noch immer leidet ein Achtel der Weltbevölkerung Hunger.
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UN-Millenniumsziele: Die Uhr tickt immer schneller

Die Frist für die Erreichung der UN-Millenniumsziele ist fast verstrichen. Bis Ende 2015 sollten die acht Entwicklungsziele erreicht werden. Ab 2016 steht Nachhaltigkeit im Fokus.

Unter anderem diese Entwicklungsziele sollten bis 2015 erreicht sein: die Halbierung von extremer Armut und Hunger, die Senkung der Kindersterblichkeit und die Grundschulausbildung für alle Mädchen und Jungen.

 

Wie sieht es heute, 15 Jahre nach Verabschiedung der Millenniumsziele aus? Was wurde erreicht und wie geht es nach 2015 weiter? Ein großes Stichwort ist Nachhaltigkeit.


2015 ist ein Schlüsseljahr in der internationalen Entwicklungspolitik. Denn bis zum Ende dieses Jahres sollten die acht UN-Millenniumsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDG) erreicht worden sein. Die UNO sieht Teilerfolge.

 

Aus ihrem Bericht von 2013 geht hervor, dass bei der Halbierung der in extremer Armut lebenden Menschen und dem Anteil der Bevölkerung ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser Fortschritte erzielt wurden. Der Anteil der Slumbewohner in den Städten sei zurückgegangen und der Kampf gegen Malaria und Tuberkulose von Erfolgen gekrönt. Auch im Gesundheitsbereich und bei der Grundschulausbildung wurden Verbesserungen erzielt.

Doch noch immer leidet ein Achtel der Weltbevölkerung Hunger. Nach wie vor sterben viele Frauen bei der Geburt, obwohl es Mittel gäbe, sie zu retten.

 

Mehr als 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu verbesserten Sanitäreinrichtungen und eine Milliarde müssen ihre Notdurft nach wie vor im Freien verrichten – ein großes Gesundheits- und Umweltrisiko.

 

Mit anhaltendem Waldverlust und Artenschwund und weiter rückläufigen Fischbeständen schmilzt die Ressourcenbasis unserer Erde dahin, und auch die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits spürbar.

 

Alle acht UN-Millenniumsziele auf einen Blick



1. Bekämpfung von extremer Armut und Hunger

Die Zahl der Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben, sollte bis 2015 halbiert werden. Das Ziel der Armutsminderung wurde zwar erreicht: Zwischen 1990 und 2010 sank der Anteil der Menschen, die mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen von 47 auf 22 Prozent. Doch noch immer leidet ein Achtel der Weltbevölkerung Hunger und 1,2 Milliarden Menschen leben in extremer Armut.

 

Die Armut wurde reduziert, trotzdem leben noch viel zu viele Menschen unter elenden Umständen
Die Armut wurde reduziert, trotzdem leben noch viel zu viele Menschen unter elenden Umständen. (c) nph

 

 

2. Grundschulbildung für alle

Alle Kinder sollten bis 2015 zumindest eine Grundschulausbildung erhalten. Doch die Erreichung dieses Zieles ging nur langsam voran. Noch immer gehen 130 Millionen Kinder nicht zur Schule. Armut ist ein Hauptfaktor dafür, doch auch Geschlecht und Wohnort spielen eine Rolle.

 


Alle Mädchen und Jungen sollten zumindest die Grundschule besuchen können.
Alle Mädchen und Jungen sollten zumindest die Grundschule besuchen können. (c) nph



3. Gleichberechtigung

70 Prozent der 130 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen. Zwei Drittel der 960 Millionen Menschen auf der Welt, die nicht lesen und schreiben können, sind Frauen. Ein weiteres Ziel ist es, die Benachteiligung von Mädchen und Frauen zu beseitigen und ihnen einen besseren Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Diese geschlechtsbedingte Ungleichheit besteht leider weiterhin.


Frauen haben nach wie vor erschwerten Zugang zu Bildung.
Frauen haben nach wie vor erschwerten Zugang zu Bildung. (c) nph

 

 

4. Senkung der Kindersterblichkeit

Alle drei Sekunden (!) stirbt ein Kind, meistens an vermeidbaren Krankheiten. Die Sterberate von Kindern unter fünf Jahren sollte um zwei Drittel gesenkt werden. Nur zehn von 67 Ländern mit hoher Kindersterblichkeit haben dieses UN-Ziel erreicht. Die Hauptursachen der Kindersterblichkeit sind vermeidbar: Unterernährung, Durchfallerkrankungen, Lungenentzündung und Malaria.

 

Alle drei Sekunden stirbt ein Kind aus vermeidbaren Gründen.
Alle drei Sekunden stirbt ein Kind aus vermeidbaren Gründen. (c) nph

 

 

5. Senkung der Müttersterblichkeit

Jährlich sterben 536.000 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Die Müttersterblichkeitsrate ist zwar in den letzten beiden Jahrzehnten um 47 Prozent zurückgegangen, doch noch immer sterben viel zu viele Mütter an vermeidbaren Komplikationen während der Geburt. Die meisten von ihnen – 99 Prozent – in Entwicklungsländern.

 

99 Prozent der Sterbefälle von Müttern bei der Geburt geschehen in Entwicklungsländern.
99 Prozent der Sterbefälle von Müttern bei der Geburt geschehen in Entwicklungsländern. (c) nph

 

 

6. Krankheitsbekämpfung

Die Ausbreitung von HIV/Aids sollte aufgehalten, Krankheiten wie Malaria, die hauptsächlich Arme betreffen, ausgerottet werden. Doch noch immer stecken sich weltweit täglich 7000 Menschen mit HIV an. Im Kampf gegen Malaria und Tuberkulose wurden jedoch Erfolge erzielt.

 


Die Bekämpfung von Krankheiten ist ein wichtiges Millenniumsziel.
Die Bekämpfung von Krankheiten ist ein wichtiges Milleniumsziel. (c) nph

 



7. Ökologische Nachhaltigkeit

Die Vernichtung der natürlichen Ressourcen sollte eingedämmt und der Verlust der Artenvielfalt verringert werden. Außerdem sollte bis 2015 der Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, halbiert und die Lebensbedingungen von Slumbewohnern verbessert werden.

 

Teilerfolge können sich sehen lassen: Die Lebensbedingungen von 200 Millionen Slumbewohnern wurden verbessert und mehr Menschen wurde Zugang zu verbesserten Wasserquellen und Sanitäreinrichtungen verschafft. Dennoch ist die Zielvorgabe nicht erreicht worden.

 


Nur durch Nachhaltigkeit kann Armut dauerhaft beseitigt werden.
Nur durch Nachhaltigkeit kann Armut dauerhaft beseitigt werden. (c) nph

 

 

8. Globale Entwicklungspartnerschaft

Die reichen Länder sind noch weit vom UN-Ziel entfernt, 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Entwicklungshilfe beizusteuern. Derzeit sind es nur 0,31 Prozent. Ausnahmen sind Schweden und Großbritannien.

 

Die globale Finanzkrise und Turbulenzen in der Eurozone belasten die öffentliche Entwicklungshilfe. Die Entwicklungsländer hingegen müssen den Kampf gegen die Korruption aufnehmen, Demokratie stärken und in Infrastruktur und Armutsbekämpfung investieren.

 

 

Ab 2016: Nachhaltigkeit im Fokus


Die UN-Millenniumsziele sollen ab 2016 von nachhaltigen Entwicklungszielen abgelöst bzw. ergänzt werden. Kam bei den bisherigen Zielen die ökologische Nachhaltigkeit zu kurz, so soll diese nun in jedem Ziel berücksichtigt werden.

 

Zum Beispiel soll nicht nur der Hunger bekämpft werden – dies soll vor allem durch nachhaltige, kleinbäuerliche Landwirtschaft geschehen.

 

Auch wenn die konkrete Formulierung der Ziele noch in Arbeit ist, steht fest, dass Ziel Nummer Eins wieder der Kampf gegen die extreme Armut und den Hunger sein wird.

 

Die nachhaltige Trinkwasserversorgung bleibt nach 2015 ein wichtiges Anliegen.
Die nachhaltige Trinkwasserversorgung bleibt nach 2015 ein wichtiges Anliegen. (c) nph

 


Ohne ökologische Nachhaltigkeit kommen die Bestrebungen für eine bessere und gerechtere Welt jedoch nicht weit. Die Probleme auf einen Blick:

  • Die globalen Treibhausemissionen steigen immer schneller an. Seit 1990 haben sich die Werte um fast 50 Prozent erhöht.
  • Fast ein Drittel der Fischbestände der Meere sind überfischt.
  • Viele Tierarten sind trotz Zunahme der Schutzgebiete vom Aussterben bedroht.
  • Die Entwaldung ist alarmierend: In Südamerika zum Beispiel sind zwischen 2005 und 2010 jährlich rund 3,6 Millionen Hektar Wald verlorengegangen. Am härtesten trifft dies arme Landbewohner, denen die Wälder als Lebensressource dienen. Die Entwaldung ist eine ernste Bedrohung für die ökologische Nachhaltigkeit und den Kampf gegen Armut und Hunger.
  • Die Trinkwasserversorgung hat zwar zugenommen, doch sie bleibt weiterhin ein wichtiges Anliegen. 768 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • Mehr als eine Milliarde Menschen leben ohne sanitäre Einrichtungen und verrichten ihre Notdurft im Freien. Diese Praxis ist mit hohen Gesundheits- und Umweltrisiken verbunden.


Es bleibt also viel zu tun – auch nach 2015. Die Vereinten Nationen, NGOs und alle Staaten sind dazu aufgerufen, im Kampf für eine bessere und gerechtere Welt, zusammenzuarbeiten.

 

Was nph betrifft, so haben wir schon lange erkannt, dass nur nachhaltige Entwicklung eine tatsächliche Verbesserung der Lebensumstände von armen Menschen bewirken kann – Hilfe zur Selbsthilfe lautet die Devise. Bei unserer täglichen Arbeit in Lateinamerika bemühen wir uns stets, diesem Ansatz gerecht zu werden.

Nachhaltig helfen können auch Sie: Mit einer Spende für unsere nph-Projekte.

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