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Trauerfeier für Padre Wasson

Von Pater Rick Frechette CP

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als junger Priester Padre William Wasson zum ersten Mal begegnete. Mit sanfter und ernster Stimme und zugleich voller Enthusiasmus erzählte er von den vielen Waisenkinder in seinem Heim in Mexiko. Während er mit mir sprach, geschah in mir etwas, was schwer zu beschreiben ist und was ich so noch nicht erlebt hatte. Unsichtbare Stricke legten sich um mich und begannen mich zu fesseln, "Stricke der Hingabe", und dann spürte ich, wie ich in eine Richtung gezogen wurde, in die ich nicht vorgehabt hatte zu gehen, ja in die zu gehen ich mich sträubte.

 

Padre Wasson ließ nicht locker. Er erklärte mir, dass ich, wenn ich bei Pequeños Hermanos mitarbeiten wolle, auf große Schwierigkeiten vorbereitet sein müsse. Es würden unzählige Probleme auf mich zukommen. Aber er versprach auch: Wenn ich nur am Glauben festhielte, hart arbeitete und betete, würde ich genauso viele Lösungen finden. Wie interessant und herausfordernd das klang. Und ich dachte mir: "Was ein netter und weiser Mann."

 

Ich ahnte damals aber noch nicht, dass Padre Wasson selbst es war, der mich kopfüber in all diese Probleme stürzte! Das war so seine Art. Wenn er den Eindruck hatte, dass jemand reif für eine neue Herausforderung war, dann lockte er ihn in tiefes Wasser. Wenn einem dann das Wasser über dem Scheitel stand, musste man einfach nach besten Kräften versuchen zu schwimmen, hart zu arbeiten, viel zu beten, an seinen Träumen festzuhalten, genau zu analysieren und sich von Gott und anderen Menschen abhängig zu machen. Und am Schluss stand man da und hatte neue Sprachen gelernt, viele fremde Kulturen und Menschen kennen gelernt, Fähigkeiten erworben, von denen man nie gedacht hatte, sie einmal brauchen zu müssen - kurz gesagt, man stellte fest, dass man reicher und stärker an Verstand, Herz und Seele geworden war.

 

In der Katholischen Messe zu Ehren eines Heiligen heißt es im Vorwort voller Zuversicht: "In jeder Generation lässt Gott Männer und Frauen heranwachsen, die herausragend sind in ihrer Heiligkeit." Lassen Sie uns das gleich klarstellen. Wir sprechen hier nicht über künstliche Figuren aus Plastik. Wenn uns die Bibel, die der beste Spiegel der Menschheit ist, etwas deutlich macht, dann das, dass Gott mit uns so arbeitet, wie wir sind, mit allen Fehlern, ja er macht unsere Menschlichkeit zum Eckstein seiner Arbeit unter uns. Gott benutzt uns so wie wir sind, weil Gott farbige und menschliche Geschichten mag. Und wenn wir es wollen, wenn wir es zulassen, dass Gott unsere Seele beeinflussen kann, dann werden unsere Geschichten zu Gottes Geschichten. Das Leben von Padre Wasson ist zu einer weiteren farbigen und wundersamen Geschichte Gottes geworden, und es hat erstaunliche und bleibende Frucht getragen.

 

Das geschieht übrigens nur, wenn wir es zulassen, dass Gott sein Leben mit dem unserem verbindet. Wir müssen damit einverstanden sein. Und wir haben die Freiheit, es nicht zu sein! Die Gnade schafft Veränderung, aber nur, wenn wir ja sagen. Hier ein Beispiel dafür, wie die Gnade Veränderung schafft. Padre Wasson stammt aus diesem Land, aus dieser Stadt Phoenix. Der Phönix ist ein mythologischer Vogel, der in Flammen und Asche erstirbt und nach drei Tagen wieder aufersteht. Es liegt auf der Hand, warum der Phönix für die frühen Christen zum Symbol für die Auferstehung Christi wurde. Als Padre Wasson noch ein Kind war, war Phoenix nicht viel mehr als ein Viehumschlagplatz im heißen Wüstensand. Die Wüste ist kein Ort, an dem Leben leicht gedeihen kann. Aber über die Jahre hinweg hat sich Phoenix zu einer großen, pulsierenden Stadt entwickelt. Wenn man aus Phoenix kommt, steckt einem die Auferstehung in den Knochen.

 

Aber wenn man glaubt, hat das noch weitere Konsequenzen, so wie bei Padre Wasson. Lassen Sie uns darüber nachdenken.

 

Wenn wir geboren werden, haben wir eine menschliche Bestimmung. Wir werden leben, arbeiten, eine Familie gründen, nach Glück streben. Wenn wir getauft werden, erhalten wir einen Auftrag. Wir nennen das eine Berufung. Unser Auftrag ist es, unserer menschlichen Bestimmung auf die bestmögliche Art nachzukommen und dabei gleichzeitig die Stadt Gottes zu bauen. Padre Wasson wurde hier in dieser Kirche St. Mary in seinen Auftrag hinein getauft. Viele Jahre lang versah er hier an diesem Hochaltar den Dienst als Messknabe. Denken sie 75 Jahre zurück und stellen sie sich den kleinen Billy Wasson vor, wie er hier stand und dem Priester große und schwere Bücher in lateinischer Sprache zum Lesen hinhielt. Von dieser Zeit an bis zu seinem Tod vor einer Woche war die Messe für ihn stets etwas Kostbares.

 

Er ging hier zur Schule, direkt hinter dieser Kirche, und dort vernahm er seinen Ruf in das Priesteramt. Und was war sein persönlicher Auftrag?

 

Er sollte der Phönix sein, das Zeichen und der Anstoß der Auferstehung für Kinder auf der ganzen Welt, deren Leben zu Asche geworden war, deren Körper und Herzen ausgedörrt waren wie der Wüstensand - durch Armut, Schicksalsschläge, Krankheit und Krieg.

 

Das war sein Auftrag, und er brannte sich tief in sein Herz ein und gab ihm ein lebenslanges und eindeutiges Ziel, einen klaren Fokus. Diese Mission war von einer solchen Dringlichkeit, dass sie es Padre Wasson fast unmöglich machte, sich auszuruhen.

 

Aber lassen Sie es uns nicht vergessen, Padre Wassons Weise, diesen Auftrag zu erfüllen, war die eines Priesters. "Priester" zu sein bedeutet, "Opfer für das Volk darzubringen." Aber der beste Priester ist derjenige, dessen Leben selbst ein Opfer für das Volk IST. Padre Wasson opferte sich selbst, als Priester und als Mensch, für die Arbeit von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN, so wie es Gott ihm aufgetragen hatte. Dafür gab er sich selbst hin, bis zum Schluss. Er arbeitete unermüdlich, wenn er gesund war und wenn er krank war, wenn er glücklich war und wenn er niedergeschlagen war, er machte weiter nach seinem langen Kampf gegen den Krebs, nach dem Verlust seiner Milz, nachdem er sich erst die eine und dann die andere Hüfte gebrochen hatte, und auch dann noch, als Alter und Krankheit schwer wie Blei an ihm hafteten. Und worin bestand diese Arbeit? So wie die Stadt Phoenix neues Leben erhielt durch den Bau vieler Kanäle, die ihr lebensspendendes Wasser brachten, so bestand das Lebenswerk Padre Wassons darin, Kanäle zu bauen von vielen Ländern aus hin zu den Kinder von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN, und Kanäle zu bauen zwischen den Kindern untereinander und zu den Mitarbeitern von NPH. Diese Kanäle transportierten jedoch kein Wasser, sie brachten Liebe. Nicht billige und sentimentale Liebe, sondern die "agape"-Liebe des Evangeliums, die so stark wie Stahl ist, und die man nur durch ein Opfer erkaufen kann. Das ist das Wasser des wahren und ewigen Lebens. 53 Jahre lang hat Padre Wasson, gemeinsam mit vielen Freunden und Mitarbeitern, riesige Netzwerke von Kanälen gebaut, die armen und verwaisten Kindern eine Chance im Leben geben. Es stimmt zwar, dass diese Kanäle auch Geld, professionelle Hilfe und freiwillige Mitarbeiter bringen, aber selbst das ist, wenn es nicht von der Liebe des Evangeliums getragen wird, nur ein Geschepper leerer Glocken, wie es Paulus ausdrückt, das nichts zum Bau der Stadt Gottes beiträgt.

 

So bringen wir heute diese Messe dar, ein einfaches und zeitloses Gebet, ein Opfer für unseren Bruder Padre William Wasson, durch den Gott Außergewöhnliches getan hat. Und wir wünschen ihm den Franziskanischen Segen, den er immer auf den Lippen hatte: Paz y Bien (Frieden und Wohlergehen) in Ewigkeit.

 

Und zu uns selbst sage ich nur, dass es seinen guten Grund hat, warum ich versucht habe, die Glaubensdimension in Padre Wassons Leben und Werk aufzuzeigen. Es ist sein lebendiger Glaube, der UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN zu einem dynamischen Werk gemacht hat, das immer Gottes Segen erfahren hat. Möge Gott uns in unserer Trauer trösten, unseren Glauben vertiefen und uns mit dieser gleichen Agape-Liebe erfüllen, dieser Bereitschaft zum Opfer, damit Gott durch uns Großes tun kann, und möge NPH weiter wachsen und gedeihen zum Wohle der Kinder, die immer noch verloren in der Asche wandern.

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