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Tag der Toten ? Pizza auf dem Friedhof

Fr. Rick feiert eine Messe zu Ehren der vergessenen Toten

Am Allerseelentag, der am 2. November nach dem Allerheiligenfest gefeiert wird, wird der Verstorbenen gedacht, insbesondere wird für die Verstorbenen des vergangenen Jahres gebetet. Nicht unähnlich dieser Tradition bringen Anhänger des haitianischen Voodoo Opfer und halten religiöse Zeremonien an diesem Tag ab, um ihre verstorbenen Ahnen zufrieden zu stellen.

 

Am ersten und zweiten Novembertag kann man beobachten, wie Menschen durch die Straßen von Port au Prince auf die Friedhöfe ziehen, ihre Gesichter mit weißer Kreide oder Farbe bemalt, die das fahle Gesicht des Todes darstellen. Sie zünden Kerzen am Grabstein an, um den Toten im Jenseits Licht zu geben und bieten ihnen Rum, Kaffee und Essen als Nahrung an.

 

Durch die Ehrung der Geister, in Haiti auch Gede genannt (sprich: GE-Day), wird den Lebenden hier auf Erden Schutz und Segen zuteil. An diesem Tag oder auch während anderer religiöser Rituale, können die Lwa (ein Sammelbegriff für Geister) den Körper eines lebenden Menschen bewohnen, um eine Nachricht an einen geliebten Menschen zu überbringen oder mit dieser Person zu kommunizieren. Die Zeremonien sind ein wirklich bemerkenswertes Erlebnis, voller bunter, lebendiger Farben, rhythmischer Tänze und alter Symbole.

 

Für eine Kultur, in der die Ehrung der Toten und der Einfluss der Geister so tief verankert ist, ist es besonders tragisch, dass sich ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung eine ordentliche Bestattung ihrer Lieben nicht leisten kann. So ist wegen der extremen Armut im Land das Leichenschauhaus in Port-au-Prince voller namenloser Toter. Als Fr. Rick auf den entwürdigenden Umgang mit den Toten aufmerksam wurde, begann er, diese Toten auf einem Friedhof zu begraben, der weit weg ist vom Chaos der Stadt und einen Blick auf die karibische See bietet. Jeden Donnerstag hält er bei den Begräbnissen eine Messe für diese vergessenen Toten.

 

Am 2. November, letzten Montag, besuchte Fr. Rick in der katholischen Tradition des Allerseelentages das Stadtleichenschauhaus in Port-au-Prince um zu beten und den Segen für die unglücklichen Seelen in den zwei Kühlräumen zu erbitten. Anschließend zelebrierte er mit Fr. Aupont eine Messe auf dem erwähnten Friedhof, an der einige Pequeños, Mitarbeiter, Volontäre und Besucher von anderen nichtstaatlichen Organisationen teilnahmen. Nach dem Gottesdienst spielte eine traditionelle haitianische Begräbnisband und jeder Anwesende legte eine Blume auf eines der Gräber, die mit einem einfachen hölzernen oder metallenen Kreuz gekennzeichnet sind.

 

Im Gegensatz zum Grauen des Leichenschauhauses war dies ein friedlicher und erhebender Moment. Ich denke, die Zeremonie ist eine Reflexion meiner Arbeit und meiner Erfahrung in Haiti. Inmitten dieser extremen Armut und des Todes zu leben, ist emotional belastend. Aber diese Momente der Schönheit inspirieren mich und geben mir neue Kraft. Oft sind diese Momente eine direkte Folge unserer Arbeit. Zum Beispiel, wenn ein Kind unterernährt war und nun gesund ist und seine ersten Schritte macht, oder wenn ein verwaistes Kind die Matura macht und eine Universität besucht.

 

Zufällig startete am Allerseelentag der Probebetrieb der Bäckerei unseres Projektes Francisville (siehe Artikel: Fresh Bread in Francisville). Als schließlich alle Gräber mit Blumen geschmückt waren, gab es ein Picknick mit frischer Pizza und Brot. Ein Picknick auf einem Friedhof ist sicher unkonventionell, aber in Haiti lernt man, über solche Ereignisse nicht überrascht zu sein. Wir konnten den anderen nichtstaatlichen Organisationen unsere Produkte vorstellen und falls wir irgendeine Lektion von unseren toten Vorfahren lernen sollen, wäre es sicher die, einfach das Lebens zu genießen - wann und wo auch immer es möglich ist.

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