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Seit 30 Jahren hilft nph Not leidenden und kranken Kindern in Haiti

Pater Richard, Leiter von nph haiti, erzählt in einem sehr persönlichen Gespräch, wie es zur Gründung von nph haiti kam und welchen Herausforderungen er sich stellen musste.

Vor 30 Jahren ging Pater Richard nach Haiti, ein Land, in dem Gewalt den Alltag bestimmte, wo Armut allgegenwärtig war. Er fand kranke Kinder vor, die von der Gesellschaft ausgestoßen waren. Sie brauchten Hilfe und er stellte sich dieser Aufgabe.

 

Wie kam es, dass Sie vor 30 Jahren nach Haiti geschickt wurden, um dort ein nph-Kinderdorf aufzubauen?

Ich war nach Mexiko gereist und traf zufällig Padre Wasson. Er war über 60 Jahre alt, für mich damals ein alter Mann. Und trotz langer harter Arbeit, seine Begeisterung für nph war wie am ersten Tag.

Ich bewunderte sein Durchhaltevermögen, seine unverbrauchte Ausstrahlung. Er war frisch, enthusiastisch und in ihm brannte ein Feuer, das nichts zu ersticken vermochte. Padre Wasson wollte nph von Mexiko aus auf andere Länder ausweiten. Dafür brauchte er Hilfe und bat mich darum.

Er war sehr überzeugend: seine Persönlichkeit, sein Wesen, sein Erfolg, sein Enthusiasmus, sein Glaube und die Herausforderung, etwas so Faszinierendes zu tun.

 

Seit 30 Jahren lebt Pater Richard in Haiti und kümmert sich dort um die vielen hilfsbedürftigen Kinder und Familien.

 

Was war 1987 das größte Problem, dem Sie sich stellen mussten?

Es ist schwierig, das einzugrenzen. Ich hatte meine Heimat verlassen und befand mich an einem Ort, der mir fremd war. Ich sprach die Landessprache nicht, kannte niemanden und das Land war ständig in Aufruhr. Die Regierung wurde wieder und wieder gestürzt. Es gab zahlreiche Revolutionen, die Menschen waren unglaublich arm und die Gewalt auf den Straßen unfassbar.

Meine Jugend und das Entsetzen über die brutale Realität - mein Heimatort in den USA ist sehr behütet - stellten für mich riesige Herausforderungen dar. Ich sah diese Not und gab meinem Land die Schuld. Ich sah die armen Menschen und warf meiner Familie ihren hohen Lebensstandard vor.

Wenn Sie jung sind, geben Sie anderen die Schuld. Wichtiger ist es jedoch zu verstehen. Man muss sich bewusst sein, dass einem seine Wurzeln das Leben schenken. Man kann sich nicht einfach von ihnen trennen.

Die wichtigste Veränderung für mich war, die Menschen nicht zu verdammen, die alles haben. Menschen, die sauberes Wasser und Autos besitzen, die sich abends schlafen legen, ohne Angst zu haben, in der Nacht erdolcht zu werden.

Es ist nicht sinnvoll, Menschen ihres Lebensstandards wegen zu beschuldigen. Vielmehr sollte gemeinsam auf das Ziel hingearbeitet werden, dass alle diesen Lebensstandard erreichen.

Vielleicht klingt es nicht nach etwas Besonderem, aber diese Geisteshaltung verändert die  Arbeit, das Denken, das Leben und wie man mit anderen Menschen kommuniziert. Für mein Leben war es eine riesige Herausforderung.

Heute denke ich: Das Bankett des Lebens ist für jedermann da. Man sollte Menschen nicht kritisieren, nur weil sie einen höheren Lebensstandard haben. Vielmehr sollte man Menschen dazu bewegen, zusammenzuarbeiten, um jedem ein reich gedecktes Bankett zu ermöglichen.

 

Besondes die kleinen Patienten liegen Pater Richard seit Beginn seiner Arbeit in Haiti besonders am Herzen.

 

Haben die Haitianer Sie und Ihre Arbeit von Anfang an akzeptiert?

Wir waren von Anfang an darum bemüht, eine haitianische Führung aufzubauen und Haitianer in alle Bereiche einzugliedern: Buchhaltung, Bau, Kinderbetreuung, einfach alles. Dieser Ansatz des Miteinanders rief bei den Menschen Skepsis hervor.

Noch heute sind die Menschen überrascht, wenn sie mich das erste Mal treffen. Sie glauben nicht, dass ich Vorstand der Organisation in Haiti bin, weil sie mich dabei beobachtet haben, wie ich Container ablade, Kranke auf der Straße auflese oder Tote trage.

Es ist für die Menschen schwer verständlich, dass bei uns die Abteilung, in der Sie arbeiten, nicht zwangsläufig ihre Arbeit bestimmt. Das heißt: Wenn jemand als Buchhalter arbeitet, muss er sich auch um Kranke kümmern und seine Hände „schmutzig“ machen. Wenn Hilfe benötigt wird, sind alle da.

Für die Haitianer war es sehr schwierig zu akzeptieren, dass unser Arbeitsmodell keinerlei Privilegien bietet. Unsere Stellen sind nicht klar definiert und unser Modell weist keine klaren Grenzen auf. Das war es, was die Menschen zunächst mit Skepsis betrachteten.

 

Die Haitiner sind oft erstaunt, wenn sie den Vorstand von nph haiti dabei sehen, wie er gemeinsam mit ihnen z.B. LKW´s entlädt.

 

Sie haben das erste und einzige Kinderkrankenhaus in Haiti gegründet. Wie hat sich die medizinische Versorgung seit 1987 verändert?

Wenn man es genau nimmt, habe ich das Krankenhaus nicht gegründet. Unser Ziel war damals, auf die Aids-Epidemie zu reagieren. Zu der Zeit hatte Aids keinen Namen, es gab keine Medizin; es war eine tödliche Krankheit, die sich rasend schnell ausbreitete. Die Schwestern von Mutter Theresa und andere stellten die Krankheit bei vielen Erwachsenen fest und wir bei Kindern.

Also baute ich eine Organisation für diese ausgestoßenen, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Kinder auf. Ich stellte haitianische Krankenschwestern und Kinderärzte ein, von denen einige, wie zum Beispiel Dr. Jacqueline Gautier, noch heute bei uns arbeiten. Ich selbst gab dem Ganzen eine Struktur.

Mit der Zeit entwickelte sich aus dem Hospiz eine schnell wachsende medizinische Versorgungseinrichtung. In unserem Krankenhaus werden zum Beispiel die Behandlungen von allen an Aids erkrankten Kindern aus Haiti verwaltet. Wir waren Vorreiter bei der hiesigen HIV-Behandlung. Aus Laienhelfern wurden nicht nur Experten, sondern führende Fachkräfte auf dem Gebiet.

Genau wie bei Aids gingen wir in den Bereichen Chirurgie, Schwangerschaft, Frühgeborenen-Medizin oder Intensivbehandlung vor. Wir suchten uns Partner, die bereits vorhandenes Wissen und die für eine Umsetzung notwendigen Ressourcen mitbrachten. Haitianische Fachkräfte, umgeben von Kollegen aus aller Welt, die ihr Wissen und ihre Ressourcen weitergeben, haben das alles möglich gemacht.

 

Vielen Mütter kommen mit ihren Kindern in das Kinderkrankenhaus von nph in Haiti. Hier erhalten sie die notwendige mediziniche Versorgung.

 

Neben dem Krankenhaus St. Damien und dem Kinderdorf St. Hélène engagiert sich nph haiti in weiteren Projekten. Warum bieten Sie zusätzliche Programme an?
 
Die Programme entstanden aus den Nöten der Menschen und des Landes. Es ist wichtig zu betonen, dass wir kein Wohlfahrtssystem aufbauen, sondern die Menschen mit kleinen Hilfestellungen, insbesondere Krankenhäusern und Schulen, unterstützen wollen.

Daneben schaffen wir mit unseren Bauernhöfen, einschließlich der Tierzucht, und anderen Aktivitäten Arbeitsplätze. Bei allem achten wir auf Nachhaltigkeit.

Nach 30 Jahren bin ich sehr dankbar, dass wir so viel bewirken konnten und große Spuren im Land hinterlassen haben – besonders in den Bereichen Bildung und medizinische Versorgung.

 

 

Viele Kinder lernen in den Schulen von nph haiti rechnen und schreiben.

 

Welche Vision haben Sie für Haiti?

Meine Vision für Haiti ist wie meine Vision für die Vereinigten Staaten, für Italien, für Deutschland und die ganze Welt.

Meine Vision ist Gottes Vision für die Welt: Eine Menschenfamilie, die die Gaben Gottes, die Erde, die Umwelt, das Wasser und die Luft respektvoll behandelt. Eine Menschenfamilie, die nicht um des Überlebens Willen oder aus Angst Kriege anfängt, sich gegenseitig aufgrund von Vorurteilen ausschließt, alles für sich selbst beansprucht und für ihr Überleben daran festhält.

Vielmehr ist es eine Familie, deren Mitglieder das Wunder des Teilens verstehen und akzeptieren, dass das Bankett des Lebens für jeden da ist. Eine Familie, die hart dafür arbeitet und Opfer bringt, dass diese Vision Wirklichkeit wird.

Es ist die Vision, die nach meinem Verständnis auch Gott durch seine Schriften lehrt. Gottes Vision ist auch mein Wunsch, nicht nur für die Menschen Haitis, sondern für die Menschen weltweit.

 

Pater Richard hat eine klare Vison: die Menschen sollen friedvoll und verantwortlich miteinander und Gottes Schöpfung umgehen.

 

Was berührt Sie in diesen turbulenten Zeiten am meisten?

 

In turbulenten Zeiten wie diesen beziehe ich mich auf die bereits erwähnte Passage aus dem Buch der Weisheit und glaube, dass sich das unsichtbare Licht zeigt, egal, wie aussichtslos die Situation scheint.
 
Inmitten einer Menschenmasse trug nach dem Erdbeben eine Frau, die wegen der Wunden an ihren Beinen kaum selbst laufen kann, ihr schwerverletztes Kind. In dieser Heldentat zeigt sich dieses leise, unsichtbare Licht.

Es waren nicht die Kameras der Welt auf sie gerichtet und es war nicht um der Kameras Willen, weshalb die Menschen mehr vollbrachten, als sie es sonst tun würden.

Anonyme Menschen, denen die Medienaufmerksamkeit unwichtig ist, zeigen uns, was wahre Größe und Menschlichkeit ausmacht. In ihnen scheint das unsichtbare Licht, weil sie menschlich handeln und aufgrund der Umstände eine Aufgabe zu erfüllen haben.

Diese Aufgabe ist da, sie ist anspruchsvoll, doch das Licht offenbart sich, sodass die Welt es sehen kann.

Doch die Welt ist blind. Sie kennt nur Schlagzeilen und sieht das Licht nicht. Aber man kann es immer sehen. Es versteckt sich nicht, nicht in Zeiten der Dunkelheit und des Aufruhrs. Niemals ist es mir passiert, dass man das Licht nicht hätte erkennen können. Es ist immer da.

Das ist die große Hoffnung der Menschenfamilie und die Motivation weiterzumachen, egal, wie schwierig es sein mag und wie dunkel die Welt erscheint: Das Licht ist immer da und leuchtet uns entgegen, wenn wir darauf achten

 

Seit 30 Jahren setzt sich Pater Richard für Kinder und deren Familien in Haiti sein. Er wird bleiben und weitermachen. Und er hofft auf Ihre Unterstützung.

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