sr-yvon
Aktuell

Schwester Elizabeth Murray Campbell

Koordinatorin der religiösen Erziehung.

Das Charisma eines Gründers... Ein Bericht von Schwester Elizabeth (Yvonne) Murray Campbell CCVI

 

"Werden Sie kommen und mir helfen?" fragte Padre Bill Wasson, als wir 1974 am Eingang zum Speisesaal standen.

 

Ich hatte damals das Gefühl, meinen liebsten Besitz hinter mir lassen zu müssen, denn ich unterrichtete an der größten Schule meines Ordens in Mexico City.

 

Dann hatte mich meine Mutter angerufen, als ich gerade eine Retraite mit den Kontemplativen Schwestern in Hidalgo abgeschlossen hatte. "Komm und hilf mir", bat sie. Sie war zum dritten Mal als Freiwillige zurückgekehrt und wohnte in einer unmöblierten Wohnung gegenüber der Müllkippe. Padre Wasson hatte sie gerufen, um ihm beim Wiederaufbau seiner Wohnhäuser für die Kinder zu helfen, indem sie seine Rundbriefe schrieb.

 

Und dann kam eins zum anderen. In dem alten VW meiner Mutter machten wir uns auf den Weg zum Wohnheim der Mädchen in Tetecala. An diesem Abend wurden Lupe Manzanares und Efrain Campa von Padre Wasson getraut, und etwa 400 Jungen und Mädchen sollten die Erstkommunion erhalten. Während dieser Feier fühlte ich ganz deutlich Seine Gegenwart und wie Er sagte: "Hier möchte ich dich haben."

 

Padre Wasson bat mich zu ihm ins Haus der Adairs. Dort fragte er mich wieder: "Können Sie kommen und mir helfen?" Während ich durch den Garten ging, schien mich die Statue des heiligen Franziskus festzuhalten. Die Worte meiner Ordensgründerin, Schwester Madeleine Chollet, waren eine Berufung: Du wirst mit den Bedürftigsten arbeiten... so wie wir es am Anfang taten.

 

Jeder Tag war eine neue Herausforderung. Keiner war wie der andere. Meine Mutter erwartete meine Rückkehr aus Miacatlán, wo ich mit meiner Arbeit begann. Ich lernte, fasste mit an, mischte mit, und versuchte, die ständig wachsende Zahl an Kindern so gut es ging zu unterrichten.

 

Meine Kommentare halfen meiner Mutter ebenso wie ihre Erfahrung als Femdsprachenkorrespondentin, den Rundbrief auf den Weg zu bringen.

 

Die Arbeit bestand eigentlich aus dem Ernten und dann dem Nachpflanzenn. Meine eigene Erfahrung und Formung, die ich durch das Unterrichten in vielen verschiedenen Umfeldern gewonnen hatte, reichten nicht aus, um diesen ständig wachsenden Zustrom an Kindern aller Alterstufen gerecht zu werden. Ich musste all meine Kraft dafür aufbieten, und dann wartete auch noch meine Mutter auf meine Unterstützung.

 

Aber dann geschah es: Padre Wasson höchst persönlich erschien sonntags morgens, um seine Rundbriefe zu diktieren. "Ähm, ja.." und ein Kratzen hinter den Ohren. "Ach ich weiß", sagte meine Mutter dann. "Sie meinen dieses und jenes..." Und dann schrieb sie nieder, was Padre Wasson eigentlich hatte sagen wollen.

 

"Du bist eine Antwort auf meine Gebete", hatte meine Mutter gesagt. "Du wirst mit dem Katechetenprogramm beginnen."

 

"Aber wo, und wie?"

 

"Wayne Roesner ist Ihr Sponsor", verkündete Joan Provencio. Nun, die Begegnung mit Wayne war eine interessante geistliche Erfahrung. Wir waren irgendwie auf der gleichen Wellenlänge. Eine gute Vorausplanung sollte sicherstellen, dass das Geld ausreichte. Dann war er immer bereit, uns das zu geben, was wir für die religiöse Erziehung der Kinder zusätzlich brauchten.

 

Zwei schwerwiegende Probleme begleiteten uns auf dem Weg: der Lehrplan und die Lehrkräfte, die nötig waren, um das Programm zur religiösen Erziehung durchzuführen. Während ich noch zwei Jahre meine Lehrerausbildung fortsetzte, erhielt ich viele Anregungen, da der Direktor ein ehemaliger La-Salle-Bruder war. Später verbot das antireligiöse Gesetz die katechetische Glaubenslehre im Lehrplan. So mussten wir die Kinder nachmittags und samstags unterrichten.

 

Der Herr schenkte mir Mitarbeiter. Pater Onesimo Cepeda, der Gemeindepfarrer von Santa Catalina, hatte die Charismatischen Gruppen gegründet und Katecheten ausgebildet, um die Gemeinden zu versorgen. Aus diesen Gruppen kamen drei großartige Ehepaare, um uns zu helfen. Acht Jahre lang fuhren wir zweimal in der Woche und samstags morgens zu den 35 Gruppen mit Kindern aller Altersstufen.

 

1992 wurden die antireligiösen Gesetze aufgehoben. Wir konnten unsere Glaubensunterweisung in den Lehrplan aufnehmen. Der Herausgeber des Katechismus der Gebrüder Marist erteilte uns die Erlaubnis, ihren Katechismus nachzudrucken, und das taten wir vier Jahre lang, bis Wayne Roesner die Kosten für die Anschaffung dieses Katechismus für alle Gruppen übernahm, auch die der Bibeln für die älteren Kinder.

 

In dieser Zeit galt es immer wieder, die verschiedensten Hindernisse zu überwinden. Dazu gehörte auch der Autounfall meiner Mutter, ihre verschiedenen Krankenhausaufenthalte, die Operation und die Notwendigkeit, ihr beständig zur Seite zu stehen. Aber hinter all dem stand Padre Wasson mit seiner treuen Unterstützung und Hilfe, und vor allem seinem DA-SEIN.

 

Die Erteilung der Sakramente machte es erforderlich, dass wir uns auf die Berichte der Sozialarbeiterin über jedes neu hinzugekommene Kind zurückgriffen. Seit 1982 haben wir schriftlich festgehalten, wer die Sakramente der Taufe und der Eucharestie empfangen hat. Die Vorbereitung auf diese sowie die Vorbereitung und der Empfang des Sakramentes der Firmung der Schulabgänger erforderte eine sorgfältige Beachtung der kirchlichen Unterlagen jedes einzelnen. Viele sind aus Europa, Kanada oder den USA zurückgekommen, um sich von unserem Kaplan Pater Phil Cleary trauen zu lassen.

 

Die Grundlage meines Dienstes hing entscheidend ab von dem persönlichen Kontakt zu Padre Bill Wasson. Treu feierte er täglich die Messe, gleichgültig wo er sich gerade befand. Seine Hingabe an ein stilles Leben des Gebetes, Studiums und Schreibens schenkt ihm immer mehr Weisheit und lässt ihn deutlicher sehen, was der Herr in den von ihm gegründeten Einrichtungen gewirkt hat.

 

Die Früchte, die daraus entstehen, dass Kinder als Kleine Brüder und Schwestern aufgenommen werden, kann man deutlich sehen, wenn sich die Familien zu Festen oder Jahrestagen treffen, oder in den vielen Kontakten, durch die neue Familien, Freunde und Spender hinzukommen.

2_nachhaltigkeit_336x280.gif