Haiti - Nachhaltige Stromproduktion fuer das nph-Kinderkrankenhaus durch Solarstrom
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Professionelle Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der Solarenergie

nph deutschland e. V. veranstaltete erste Solarkonferenz in Haiti

Am 18. August fand erstmals eine von nph deutschland und der Schwesterorganisation St. Luc initiierte Solarkonferenz, in Tabarre, einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince, statt.
Konferenzteilnehmer waren Regierungsvertreter wie beispielsweise der deutsche Botschafter, Manfred Auster, in Haiti sowie Nicolais Allien, aus dem Ministerium für Öffentliche Bauvorhaben, Verkehr und Kommunikation, in der haitianischen Regierung  und René Jean-Jurneau, ehemaliger Energieminister in Haiti und jetziger Direktor des Haitianischen Energie-Instituts nahmen im Beisein von Firmenvertretern aus Haiti, Deutschland (Qinous, SolarGy) und den USA, an dieser ersten Solarkonferenz teil.

Strom für medizinische Versorgung

In Haiti gibt es kein funktionierendes Gesundheitssystem und die medizinische Grundversorgung ist für weitere Teile der Bevölkerung nicht gesichert. 
nph haiti und die Schwesterorganisation Fondation St. Luc betreiben vor allem medizinische und pädagogische Einrichtungen in Tabarre für die Armutsbevölkerung. Diese Einrichtungen, insbesondere die beiden Krankenhäuser und das Berufsbildungs- und Produktionszentrum, haben einen sehr hohen Strombedarf und sind auf eine stabile und kontinuierliche Stromversorgung angewiesen.

Vor diesem Hintergrund hat sich nph haiti und die Fondation St. Luc bereits schon im Jahr 2012 entschieden, die Stromversorgung weitestgehend durch Solarenergie sicherzustellen. Willi Ernst von der BIOHAUS-Stiftung, als bekannter und anerkannter „Solarexperte“ in der Solarbranche, engagiert sich seit Beginn des Projektes 2012 für nph in Haiti.

Denn da es in Haiti kein flächendeckendes und zuverlässiges Stromnetz gibt, kommt es zu regelmäßigen, teils mehrstündigen Stromausfällen. Dies kann gerade in einem Krankenhaus mit Operationssälen etc. zu lebensbedrohlichen Situationen für Patienten führen.
Die Stromerzeugung für die Einrichtungen erfolgt deshalb durch eigene Diesel-Generatoren. Diese verbrauchen bis zu 500.000 l Diesel jährlich. Abgesehen von den Emissionen mussten bisher jährlich ca. 600.000 - 700.000 Dollar für den Kraftstoff aufgebracht werden.

Haiti als „Sonnenland“ bietet optimale Voraussetzungen für Solar-energie. Doch das dafür nötige technische Know-how und die Ressourcen sind nur bedingt im Land vorhanden. Da es bislang keine Solarindustrie gibt, ist Wissenstransfer aus dem Ausland notwendig.

Wirkungsbereich der installierten Solaranlagen

Aufgrund der günstigen meteorologischen Verhältnisse erzeugen die installierten Photovoltaik-Anlagen zeitweise mehr Strom, als phasenweise verbraucht wird. Alle Verbrauchseinheiten am Standort Tabarre wurden deshalb zu einem sog. „Smart-Solar-Grid“ zusammengefasst. Die Steuerung bewirkt, dass immer erst Strom von der Solaranlage verbraucht wird und die Überproduktion an Strom in den Batteriespeicher geht. Bei zu geringer Sonneneinstrahlung sowie in der  Nacht wird auf den Batteriespeicher zugegriffen. Die Generatoren springen erst dann, wenn der Speicher als Quelle ausgeschöpft ist.

Führung bei der Eröffnung des neuen Solar-Grid im Batteriespeicher bei nph haiiti.

Mit der Anschaffung dieses Batteriespeichers, lässt sich der Anteil von Solarstrom am Gesamtverbrauch auf über 50 % erhöhen. Außerdem verringert die Kombination aus dem stabilen und sicheren Betrieb der Solaranlage und des Batteriespeichers den zusätzlichen Betrieb des Dieselgenerators. Dadurch konnte der Dieselverbrauch pro Jahr um 40 – 50 % sowie die CO²-Emissionen jährlich um rund 2.000t reduziert werden.

Die erzielten Einsparungen von 300.000 US-Dollar ermöglichen eine Ausweitung der medizinischen und pädagogischen Programme, die wiederum Arbeitsplätze (z. B. Krankenschwestern, Lehrer etc.) schaffen und einen wesentlichen Beitrag zur Armutsminderung leisten. Die medizinische Grundversorgung kann künftig für rund 85.000 Kinder, Frauen und Männer sichergestellt werden. Darüber hinaus wird die Bildungsqualität für 4.500 Kinder und Jugendliche verbessert.
Durch den weitreichenden Umstieg auf erneuerbare Energien wurde ein wichtiger Beitrag zur klimafreundlichen Entwicklung des Landes geleistet.

Entwicklungszusammenarbeit mit Zukunftsperspektiven

Dieses Projekt schafft vielfältige Perspektiven. So konnte eine zukunftsweisende, innovative Technologie im Energiesektor den Bedingungen des Standorts angepasst werden. Dabei fand ein wertvoller Wissenstransfer durch die Schaffung eines Ausbildungsgangs zum Elektro- und Solartechniker an der Berufsschule der Schwesterorganisation St. Luc statt. In der Folge wurde von Absolventen der Berufsschule eine Schulfirma gegründet, die nun landesweit Solaranlagen installiert und so zum Auf- und Ausbau der Solarbranche in Haiti beiträgt. Daraus entwickelten sich wiederum vielfältige Kooperationen zahlreicher Akteure im Bereich der Solartechnik in Haiti, Deutschland, Spanien und den Niederlanden. Das „Solar Smart Grid Tabarre“ gilt als Modellprojekt gelungener Entwicklungszusammenarbeit und wurde bereits Ende 2016 mit dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet.

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