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NPH Guatemala ist unbeschadet geblieben!

Hurrikan Stan richtete in Guatemala großen Schaden an, aber unsere Kinder blieben glücklicherweise verschont.

Guatemala machte in der vergangenen Woche eine schwere Zeit durch, aber glücklicherweise blieb unser Waisenhaus vollkommen verschont. Unseren Kindern geht es gut und sie bereiten sich auf die Prüfungsarbeiten zum Schuljahresende vor, die in dieser Woche beginnen. Wir sind sehr dankbar, dass unsere Kinder nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sind und dass sie weiter zur Schule gehen können. Wir hoffen das Beste für alle Menschen, die ihr Heim verloren haben oder in anderer Weise leiden mussten.

 

Ein freiwilliger Mitarbeiter berichtet:

 

Mittwoch, 5. Oktober:

Am Mittwoch wurde uns zum ersten Mal klar, dass Guatemala schlimme Dinge bevorstehen. Seit vier Tagen hatte es in Strömen geregnet.

8.00 Uhr bei NPH: Einer unserer Freiwilligen hat um 10.00 Uhr einen Termin in Guatemala City. Unser Kleinbus soll ihn zur Bushaltestelle in Parramos (unserem Nachbardorf) bringen, aber der kleine Bach zwischen unserem Gelände und dem Dorf ist so angeschwollen, dass ihn unser Auto nicht durchqueren kann. Es gibt nur eine schmale Fußgängerbrücke hinüber.

9.00 Uhr: In ganz Guatemala fällt heute die Schule aus, auf Anordnung von Präsident Berger. Das Fernsehen ist unsere einzige Informationsquelle, und wir verfolgen gespannt jede neue Nachricht.

10.00 Uhr: Wir können den Bach nicht mehr überqueren, auch nicht zu Fuß. Unser Heim ist von der Außenwelt abgeschnitten, denn auf der anderen Seite ist ebenfalls ein unpassierbarer Fluss. Viele Leute beobachten mit Sorge, wie sich der kleine Bach in einen reißenden Fluss verwandelt, mit einem Wasserfall direkt neben unserem Gelände. Dabei regnet es unablässig. Ein kleiner Abflusstunnel, den wir im vergangenen Monat gebaut hatten, ist bereits vollkommen zerstört. Viele unserer Angestellten können wegen des Regens und der Überschwemmungen nicht zur Arbeit kommen. Wir sehen sie auf der anderen Seite stehen.

In den folgenden Stunden: Manchmal kann man den Fluss über die kleine Fußgängerbrücke überqueren. In Parramos sagt man mir, dass die Busverbindung zu der nächsten Großstadt Chimaltenango unterbrochen ist. Aber der Bus nach Antigua, eine kleinere, bei Touristen beliebten Stadt etwa 30 Minuten von uns entfernt, fahre noch. Die Zeitungen berichten von der Lage in Mexiko, El Salvador und Guatemala. Sie schreiben, dass wegen des Hurrikan Stan noch mit zwei weiteren Regentagen zu rechnen sei. Es regnet weiter in Strömen - zweimal an diesem Tag fällt für einige Zeit der Strom aus.

19.00 Uhr: Unser Freiwilliger kommt aus Guatemala City zurück und berichtet von verschiedenen überfluteten Straßen auf dem Weg, von zerstörten Häusern und Menschen auf der Straße. Die ganze Nacht über regnet es ununterbrochen.

 

 

Donnerstag: Der Himmel reißt ein wenig auf und es hört fast auf zu regnen, aber die Situation in den meisten Gebieten Guatemalas ist noch angespannt. Immer noch bleiben die Schulen geschlossen. Die Schüler lernen für die Prüfungsarbeiten der nächsten Woche und machen sich Sorgen über die Lage in Guatemala. In der Zwischenzeit fahren auch keine Busse mehr nach Antigua. Ein Dorf an der Straße dorthin ist überflutet und die neu gebaute Schule zerstört. Abends beginnt es wieder zu regnen, aber nicht mehr ganz so stark.

 

Freitag: Der Regen hat aufgehört. Die Autos können wieder den Bach überqueren. Aber immer noch gibt es keine Schule. Unseren Kindern geht es gut und sie sind zuversichtlich.

 

Am Sonntag erfahren wir endlich etwas über die Gesamtlage aus der Zeitung, die zwei Tage lang nicht erschienen ist. Guatemala war das am meisten betroffene Land in Zentralamerika. Laut den Zeitungsberichten seien bisher 652 Tote zu beklagen, 384 Menschen noch vermisst und insgesamt 3,5 Millionen in irgend einer Weise von den Schäden betroffen. Einige der am meisten zerstörten Gebiete waren schon vorher besonders arm. Die Dörfer rund um den See Attitlan erlitten die schlimmsten Schäden. In den meisten Teilen Guatemalas normalisiert sich die Lage allmählich, aber einige Straßen sind noch unpassierbar. Nach Schätzung des Vizepräsidenten Stein wird es über ein Jahr dauern, bis Häuser und Straßen wieder aufgebaut sind.

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