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Nadine Gulyas

(Österreich) - Physiotherapie

Im Alter von achtzehn Jahren beschloss ich, ins Ausland zu gehen und als Kindermädchen zu arbeiten. Ich fand eine sehr nette Familie in Spanien und verbrachte ein sehr spannendes und wichtiges Jahr meines Lebens mit ihnen. Ich verliebte mich in die spanische Sprache und die Herausforderung, die der Beginn eines "neuen Lebens" in einer anderen Kultur und mit einer anderen Sprache mit sich bringt. Nach Abschluss meines Studiums suchte ich eine neue Herausforderung und fand NPH, wo ich als Physiotherapeutin arbeiten konnte.

 

Es war nicht leicht, von meiner Familie und meinen Freunden Abschied zu nehmen, aber die Neugier, eine völlig andere Kultur kennen zu lernen, war einfach zu groß. Obwohl es schon mehr als eineinhalb Jahre her ist, erinnere ich mich noch genau an meinen ersten Tag im Kinderdorf, so, als wäre es gestern gewesen. Die Kinder begrüßten uns - die neuen Freiwilligen - mit einer Aufführung eines traditionellen Volkstanzes aus Nicaragua und nach der Tanzvorführung warteten alle in einer Reihe, um jede/n von uns zu umarmen. Was für ein herzliches und schönes Willkommen!

 

Ich fing an, als Physiotherapeutin mit den Kindern in der Schule zu arbeiten. Die meisten meiner PatientInnen hatten verstauchte Knöchel, Knochenbrüche und andere Verletzungen, oft waren Fußballspiele oder Stürze die Gründe. Nach der Schule verbrachte ich meine Zeit mit einer Gruppe der kleineren Mädchen. Ich aß mit ihnen zu Abend und zeigte ihnen einige Ballettübungen, um ihre körperlichen Fähigkeiten zu steigern. Oder ich habe mit ihnen prachtvolle ?Häuser? für lustige, wurmartige Tiere im Garten gebastelt.

 

Neben meiner Arbeit mit den Kindern von NPH haben drei andere freiwillige Therapeutinnen aus Österreich und ich ein neues Projekt ins Leben gerufen. Der Plan, dieses Projekt zu starten, kam vom Direktor von NPH und einem freiwilligen Physiotherapeuten. Auf der ganzen Insel Ometepe gab es nur ein Therapiezentrum mit nur einem Physiotherapeuten, so haben wir beschlossen, unser eigenes Therapie-Zentrum für behinderte Kinder auf der Insel zu starten.

 

Wir begannen, ein altes Haus auf dem Grundstück von NPH zu reparieren. Nun hat es ein neues Dach, die Wände wurden gestrichen und wir kauften die ersten Therapie-Materialien. Wir haben mit sechs Kindern begonnen, die auf die andere Seite der Insel fahren mussten, um die nötigen Therapien zu erhalten, aber bald wurden Leute auf uns aufmerksam und die Zahl der PatientInnen stieg wöchentlich.

 

Im Dezember 2010 zog NPH aufs Festland, ins Casa Padre Wasson. Da wir das Projekt nicht aufgeben wollten, beschlossen die Ergotherapeutin Verena Hackl und ich, noch ein weiteres Jahr bei NPH zu bleiben. Wir übersiedelten unser Projekt ins Krankenhaus Moyogalpa. Seit Dezember letzten Jahres haben Verena und ich mehr als 20 behinderte Kinder der Insel Ometepe in Therapie und unterstützen die Familien in ihrem täglichen Leben und bekommen dafür Obst und traditionelle Gerichte. Es ist eine wunderbare, erfüllende und befriedigende Arbeit, die es mir ermöglichte, meine Ideen und Träume zu verwirklichen. In den letzten 20 Monaten habe ich so viel von den einfachen Menschen der Insel gelernt und habe versucht zu helfen, wann immer sie eine Hand benötigt haben. Während meiner Zeit in Nicaragua habe ich mich auch irgendwie zu einer Ernährungsberaterin und Schwangerschaftsspezialistin entwickelt. Da die Leute der Insel wenig über gesunde Ernährung wissen, aber mehr wissen wollen, begann ich mit regelmäßigen Gespräche über eine ausgewogene Ernährung und halte pränatale Kurse für schwangere Frauen und Jugendliche.

 

Wenn ich an die 20 Monate zurückblicke, die ich Teil der Familie von NPH Nicaragua war, sehe ich sie als eine Zeit, in der ich mich entwickeln konnte, meine Persönlichkeit gefestigt wurde und in der ich meine persönlichen Grenzen kennen lernte.

Es war ein einmaliges Erlebnis.

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