Familien in Lateinamerika bauen Gemüse, Obst und Früchte oft für den eigenen Bedarf mit an.
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Nachhaltige Landwirtschaft in Lateinamerika

Klimaveränderungen, Bevölkerungswachstum und Umweltstress führen bei lateinamerikanischen Kleinbauern zu einem Umdenken.

Die Vereinten Nationen hielten in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung Ziele fest, die eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene sichern soll. In ökologischer Sicht stellt die Klimaveränderung speziell mit dem Phänomen El Niño in Lateinamerika eine große Herausforderung dar. Endlose Dürren sowie starke Überschwemmungen führen zu Ernteverlusten, die anschließende Hungerkatastrophen bewirken können. Zunehmende Verknappung fruchtbaren Landes bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum sowie verstärktem Umweltstress kann zudem Konflikte zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen verschärfen.

Irreparable Umweltschäden durch Brandrodung

Brandrodung gilt in weiten Teilen Lateinamerikas nach wie vor als legitimes Mittel, um Neuland für Landwirtschaft und Viehzucht zu gewinnen. Auch in dem Wissen, dass diese Methode alles Leben einschließlich der natürlichen Düngemittel vernichtet und die Bodenfruchtbarkeit stark einschränkt, wird damit fortgefahren. Schon nach kurzer Zeit ist das so gewonnene Land mit seiner dünnen Humusschicht unfruchtbar, und die Bauern nehmen sich das nächste Stück Land vor.

Monokulturen vertreiben kleinbäuerliche Landwirtschaft

Neben der Vernichtung wichtiger Landstriche durch Brandrodung stellen große Agrarhandelskonzerne eine Bedrohung der Diversität und der natürlichen Landerhaltung dar. Der Anbau von Soja hat seit den 1970er Jahren extrem zugenommen. Leidtragende sind die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die Menschen vor Ort und die Umwelt. Der Anbau von Soja rentiert sich nur, wenn er großflächig praktiziert wird. Die genmanipulierten Samen, Pestizide und Technik sind sehr kostenintensiv, zudem werden Bauern für die Bewirtschaftung überflüssig. Eine einzelne Person kann 500 Hektar bewirtschaften. Ehemals ansässige Bauern flüchten in die Armenviertel der Großstädte.

Ökologisches Bewusstsein schaffen

Um den starken Auswirkungen von Monokulturen und Klimaveränderungen etwas entgegen zu setzen, wird Selbstversorgung im Einklang mit der Natur propagiert. Die Bauern erhalten Schulungen, um sich den klimatischen Veränderungen anzupassen. Damit kann eine langfristige Ertragssicherheit durch den Schutz der Ressourcen, den Anbau von Mischkulturen, Biodiversität und ökologischem Gleichgewicht gewährleistet werden. Wiederentdeckte traditionelle Anbauweisen führen zu gesünderen Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzenten.

Natur bewahren für kommende Generationen

In Guatemala, wo steigende Temperaturen und immer länger andauernde Trockenperioden den Klimawechsel ankünden, praktizieren Kleinbauern, inspiriert von traditionellen Mayakenntnissen, seit Jahren eine umweltbewusste Landwirtschaft. Nicht nur die Fruchtfolge, die die Böden regenerieren lässt, auch Entwässerungskanäle mit aufgefangenem Regenwasser, wurden dem Wissen aus präkolumbianischen Zeit entliehen. Die Familien verbrauchen den Großteil ihres Anbaus selbst, Überschüsse verkaufen sie auf lokalen Märkten.

Diese Bauern empfinden es als Würde, gesunde Lebensmittel unabhängig von Großbanken und Agrarriesen mit den eigenen Händen zu produzieren. In ganz Lateinamerika beträgt die von Bio-Bauern bewirtschaftete Agrarfläche bereits 19 Prozent, Tendenz steigend.

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