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Milow als Straßenmusiker am Brandenburger Tor

Sänger unterstützt Kampagne ?Schulen für Haiti?

?Ist das wirklich Milow?, fragte sich am Dienstag so mancher Passant am Brandenburger Tor in Berlin. Für dieses ungläubige Staunen sorgten Alissa Jung und Janin Reinhardt. Die beiden Schauspielerinnen tauchten ganz unvermittelt am Wahrzeichen von Berlin auf, mit dem Sänger und Songwriter Milow im Gepäck. Der international bekannte Künstler gab am Brandenburger Tor ein Konzert zugunsten der Kampagne ?Schulen für Haiti?. Bei dem nicht angekündigten ?Flashmob?, der von Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Schule Berlin Mitte begleitet wurde, sammelten die Schulkinder Spendengelder für Kinder, die in den Straßenschulen ?St. Nicolas? und ?Mixte de la Grace? unterrichtet werden. Die Berliner und Berlinbesucher zeigten sich sehr großzügig. In nur einer halben Stunde kamen 340 Euro zusammen. Mit dem Ergebnis des Konzerts waren sowohl die beiden Schauspielerinnen als auch Milow äußerst zufrieden. ?Für mich ist es ja nur ein kleiner Aufwand, aber toll was man damit erreichen kann!?, sagte der bescheidene Sänger. Träger der Straßenschulen in Haiti ist das Kinderhilfswerk ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern?, das seit 1988 Entwicklungshilfe in Haiti leistet.

 

?Wir sind sehr glücklich darüber mit Milow einen international anerkannten Künstler für unser Projekt gefunden zu haben, der mit genau so viel Herzblut dabei ist, wie wir?, sagen Alissa Jung und Janin Reinhardt, die Initiatorinnen der Kampagne. ?Milow wird, voraussichtlich im September, ein exklusives Konzert an einer Schule geben, die uns in diesem Jahr unterstützt. Noch ist alles offen und bis Juni können sich deutsche Schüler noch mit kreativen Aktionen auf unserer Homepage bewerben.?

 

Alissa Jung und Janin Reinhardt haben ?Schulen für Haiti? im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Nach einem Besuch in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre wollten Alissa Jung und Janin Reinhardt ihre Bekanntheit nutzen und sich für Bildungschancen für haitianische Kinder einsetzen.

 

Mehr als 50 Prozent der Menschen in Haiti müssen mit 75 Cent am Tag auskommen. Die hohen Preise für Lebensmittel und sauberes Wasser führen dazu, dass fast die Hälfte der Haitianer Hunger leidet. Insbesondere bei Kindern führt dies zu chronischer Mangelernährung. Konzentrationsschwäche, fehlende körperliche Belastbarkeit und Apathie sind die Folgen.

Doch Armut beeinträchtigt nicht nur das körperliche Wohlbefinden. Sie ist auch ein Hemmschuh im Bildungssektor. Die Schulgebühren, die im Vergleich zum Einkommen sehr hoch sind, führen dazu, dass nur jedes zweite Kind zur Schule gehen kann. Die Kinder, die eine Schule besuchen dürfen, haben Glück: Über Bildung erhalten sie die Chance dem Kreislauf aus mangelnder Bildung und Armut zu entfliehen. Den anderen Kindern bleibt eine vielversprechende Zukunft verwehrt. Oft gleiten sie in die Kriminalität ab, um ihr eigenes Überleben und das ihrer Angehörigen zu sichern. Um Prävention zu betreiben und auch Kindern aus ärmeren Familien eine Chance im Leben zu geben, richtete ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? Straßenschulen in den Armenvierteln der Hauptstadt Port-au-Prince ein. Vor dem verheerenden Erdbeben vom Januar 2010 unterhielt das Kinderhilfswerks 18 dieser Schulen, mit mehr als 5.300 Schülerinnen und Schülern. Nach dem Beben wurden weitere Schulen aufgebaut. Heute gibt es 26 Straßenschulen, in denen rund 6.500 Schüler lernen.

 

Schauspielerinnen übernehmen Verantwortung für zwei Straßenschulen

Für zwei dieser Schulen, ?St. Nicolas? (früher ?Fond Peje?) und ?Mixte de la Grace? haben Alissa Jung und Janin Reinhardt die Verantwortung übernommen. Die Schauspielerinnen hatten bei einem Besuch in Haiti die Not der Kinder in den Slums kennen gelernt. Für beide war es ein Herzensanliegen, sich für diese Kinder zu engagieren. So riefen sie im September 2008 die Kampagne ?Schulen für Haiti? ins Leben. ?Für die Kinder öffnet der Unterricht eine Tür zu einem strukturierten Alltag und gibt ihnen die Chance aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen?, sagt Alissa Jung. Ziel ist es, deutsche Schülerinnen und Schüler auf die Not der haitianischen Kinder aufmerksam zu machen und sie zur Solidarität mit ihren Altersgenossen aufzurufen. Seit dem Start von ?Schulen für Haiti?, haben sich Schüler aus mehr als 200 deutschen Schulen an der Kampagne beteiligt. Mit Basaren, der Aufführung von Theaterstücken und Schulkonzerten sammelten sie rund 150.000 Euro. Für den jährlichen Unterhalt einer Straßenschule sind 30.000 Euro notwendig. Darin enthalten sind die Lehrergehälter, Unterrichtsmaterialien, Tische, Bänke sowie ? ganz wichtig ? die Verpflegung der Kinder. Oft erhalten sie in den Straßenschulen die einzige Mahlzeit am Tag.

 

Die Folgen des Erdbebens meistern

Beim Erdbeben im Januar 2010 wurde die Hälfte der Straßenschulen von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? zerstört oder beschädigt. ?Fond Peje? stürzte komplett ein, ?Mixte de la Grace? wurde nur leicht beschädigt. Glück im Unglück war: Zum Zeitpunkt des Erdbebens, um 16:53 Uhr haitianischer Zeit, fand kein Schulunterricht statt. Bereits im April 2010 konnte der Unterricht in den Straßenschulen wieder aufgenommen werden. Er findet bis heute in den Gebäuden statt, die dem Erdbeben stand gehalten haben oder in provisorischen Zelten. Die Schülerinnen und Schüler aus ?Fond Peje? werden seit dem Beben in der nahe gelegene Straßenschule ?St. Anne? mit unterrichtet. Alissa Jung und Janin Reinhardt setzen sich dafür ein, dass alle Straßenschulen möglichst schnell wieder aufgebaut werden können. ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? hat bereits neun Grundstücke erworben, die Verhandlungen für andere Grundstücke dauern noch an. Dass der Erwerb von Grundstücken so zeitintensiv ist, erläutert Janin Reinhardt: ?Leider ist es durch die Zerstörung des Katasteramts sehr schwierig die Besitzverhältnisse zu klären. Deshalb dauert es so lange, bis die Grundstücke endlich bebaut werden können.?

 

Da alle 26 Straßenschulen neu aufgebaut werden sollen, haben Ingenieure und Architekten aus Italien ein Konzept für den Neubau erstellt. Die Gebäude können alle auf die gleiche Weise errichtet werden und müssen nur geringfügig an die Gegebenheiten der unterschiedlichen Grundstücke angepasst werden. Das beschleunigt den Bauprozess enorm. Bis zur Fertigstellung einer Schule vergehen so nur rund 30 Tage. Einige Elemente der Fertighäuser werden in Italien gefertigt, andere Bauteile im Ausbildungszentrum von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern?. Unter der Leitung von Experten werden die Straßenschulen erdbeben- und wirbelsturmsicher aufgebaut. Die Montage übernehmen lokale Arbeitskräfte. Auf einigen Grundstücken haben die Bautätigkeiten bereits begonnen.

 

Alissa Jung und Janin Reinhardt hoffen, dass auch ihre beiden Schulen schnell aufgebaut werden. Beide sind vom Konzept des Kinderhilfswerks überzeugt: ?Das Tolle daran ist, dass die Jugendlichen nach ihrem Schulabschluss nicht auf sich gestellt sind, sondern in der Ausbildungswerkstätte ?Francisville? die Möglichkeit erhalten, einen Beruf zu erlernen, durch den sie sich ein eigenständiges Leben aufbauen können. Sie wirken direkt am Aufbau ihres Landes mit und lernen ein Handwerk, das auch zukünftig in Haiti von Bedeutung sein wird. Auf diese Weise gehen Wiederaufbau und Nachhaltigkeit Hand in Hand?, meinen Jung und Reinhardt.

 

Für den Bau aller Schulen, darunter auch ?St. Nicolas? und ?Mixte de la Grace? werden weitere Spendengelder benötigt. Eine Schule kostet einschließlich des Kaufs des Grundstücks rund 250.000 Euro. Neben neun Unterrichtsräumen sollen in den Gebäuden eine Küche, ein Speisesaal und ein Büro entstehen.

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