Leiter_Farm_nph_Dr._Julio_Morales.JPG
Aktuell

Mexikanisches nph-Kinderdorf setzt auf Nachhaltigkeit

Warum das Leben im Einklang mit der Natur für uns Menschen so wichtig ist und welche Wunder ein Botanischer Garten für traumatisierte Kinder bewirken kann, erzählt der Leiter der nph-Farm Dr. Julio Morales im Interview.

Doktor Julio Morales, Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes im mexikanischen Kinderdorf Casa San Salvador in Miacatlán, betreibt nachhaltige Landwirtschaft. Warum das Leben im Einklang mit der Natur für uns Menschen so wichtig ist und welche Wunder ein Botanischer Garten für traumatisierte Kinder bewirken kann, erzählt er im Interview.

Vor vier Jahren kam Morales zu nph. Nach dem Studium zum Tierarzt schloss der heute 55-Jährige einen Master in Ländlicher Entwicklung ab. Viele Jahre arbeitete er im bio-medizinischen Institut und als Professor an der Universidad National in Mexiko-Stadt.

Farmleiter Dr. Julio Morales ist der biologische Anbau von Pflanzen im Einklang mit der Natur sehr wichtig. Seit über 4 Jahren erhöht er mit dieser Philosophie die Erträge der Farm von nph mexico.

nph: Als Verantwortlicher der Kinderdorf-Farm betreiben Sie eine nachhaltige Landwirtschaft. Was verstehen Sie darunter?

Dr. Julio Morales: Die Einbeziehung aller Elemente. Mensch, Tier und Pflanze existieren nebeneinander in einem dynamischen Gleichgewicht. Gerade wenn nur wenige Ressourcen zur Verfügung stehen, muss der Mensch ein Bewusstsein für seine Umwelt entwickeln, damit nichts verschwendet wird. Das Ökosystem darf nicht geschädigt werden.

Die Kinder lernen bei uns, wie sie angemessen im Einklang mit der Natur leben. Gibt man ihnen zum Beispiel Mais, ohne ihnen zu zeigen, wie er produziert, gepflegt und die Anbau-Erde anschließend wieder nutzbar gemacht wird, werden sie keine Beziehung zur Natur aufbauen. Sie würden als Erwachsene, wenn sie Mais anpflanzen wollen, als erstes den Wald abholzen. Während der Wachstumsphase kämen auch noch Chemikalien zum Einsatz, um den Ertrag zu steigern. Dadurch würde nicht nur der Wald, sondern auch die umliegende Natur zerstört.

Wir brauchen aber bewusste Menschen, die die Umwelt nicht zerstören. Wir brauchen Kinder, die Väter, Bauern oder Arbeiter werden und verstehen, dass man den Wald nicht abholzt, um kurzfristig gute Erträge zu erhalten. Deshalb zeigen wir den Kindern die Nachhaltigkeit, die ein Gleichgewicht ist, an dem alle teilnehmen.

Manche Kinder haben noch nie ein Kaninchen gestreichelt. Auf der Farm bei nph lernen sie die Fürsorge für die Tiere und gleichzeitig den respektvollen Umgang mit ihnen.

nph: Die Kinder helfen in der Landwirtschaft und bei den Tieren? Verändert sich im Verhalten der Kinder etwas, wenn sie sich viel in der Natur bewegen?

Dr. Julio Morales: Alle Kinder helfen täglich eine Stunde. Die ihnen zugewiesenen Aufgaben sind altersentsprechend. Wenn wir säen, jäten sie Unkraut, damit der Mais gut wächst. Bei der Ernte sammeln sie Maiskolben auf. Aus dem Mais werden Tortillas (Maisfladen) gemacht. In den USA wird zu Boden gefallener Mais verbrannt. Wir zeigen den Kindern, dass alles verwendet wird. Dadurch verändern sie ihre Einstellung zum Essen, sie wertschätzen es mehr.

Gleichzeitig lernen sie, Respekt vor den Tieren zu haben und sie als Lebewesen anzunehmen. Es gibt Kinder, die noch nie ein Kaninchen gestreichelt haben. Andere wissen nicht, dass ein Huhn Eier legt. Das sind alles sehr wichtige Erfahrungen für sie.

nph: In einem Land wie Mexiko ist Wasser ein kostbares und rares Gut. Trotzdem betreiben Sie eine Fischzucht. Verträgt sich das mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit?

Dr. Julio Morales: Die Fischzucht ist mein wichtigstes Projekt. Fische enthalten viele Proteine, die gerade für mangelernährte Kinder wichtig sind. Proteine stellen den Grundbaustein aller menschlichen Zellen dar.

In mehreren Fischteichen produziert die Farm ausreichende Mengen von proteinhaltigen Fischen, die für die Ernährung der Kinder sehr wichtig sind. Gleichzeitg wird das Wasser zur Bewässerung der Pflanzen verwendet.

Was die Wasserknappheit betrifft, habe ich eine Strategie zur effektivsten Nutzung entwickelt. Wir verwenden dasselbe Wasser mehrfach. Das Wasser für die Felder kommt aus drei Quellen. Eine ist das gefilterte Abwasser, die zweite die Laguna del Rodeo und die dritte ist das Fischwasser. Die Laguna del Rodeo wird mit Regenwasser gespeist und versorgt die ganze Gegend mit Wasser. Zusätzlich existiert noch ein Brunnen. Dieses Wasser benutzen wir in den Häusern und ein Teil fließt in die Fischbecken. Die Fischbecken werden außerdem durch Regenwasser gespeist. In der Trockenzeit dient das Wasser aus den Fischteichen auch zum Löschen der Felder, falls sie in Brand geraten. Bei uns versickert kein Wasser unnütz, das wäre Wasserverschwendung.

nph: Neben der normalen Landwirtschaft und Viehzucht haben Sie einen Therapiegarten angelegt. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Dr. Julio Morales: Wir alle brauchen Momente der Erholung, etwas, um uns abzulenken. Das Fernsehen ist dafür nicht so geeignet. In einem Botanischen Garten hingegen gibt es viele verschiedene Pflanzen. Im Zusammenhang mit unserer Erinnerung sind der Geschmacks- und Geruchssinn am wichtigsten. Das Hören und Sehen täuscht einen schnell. Im Botanischen Garten spiele ich mit dem Geschmacks- und Geruchssinn der Kinder, damit sie eine positive Erinnerungsmöglichkeit erhalten.

Die Kinder kommen mit traurigen Erfahrungen zu nph. Sie hatten oft niemanden, der sie umarmte, sie tröstete. Wir müssen hier nach einer Möglichkeit suchen, wie sie jemanden oder etwas lieben können. Die Natur ist dazu bestens geeignet. Der Botanische Garten ist eine Therapie, da Erinnerungen auf einem anderen Sinneskanal festgelegt werden. Die Sinnesdimensionen wechseln. Es riecht nicht mehr nach Angst, nach Schmerz, nach Missbrauch, nach dem Alkohol des Vaters oder den Zigarren der Mutter. Es riecht nicht mehr nach schlechten Erfahrungen, sondern nach Blumen, nach Erde, nach Freiheit. Es riecht nach Wachstum.

Leonarda hat im Therapiegarten ihre schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit überwunden und ihren Spaß am Gärtnern entdeckt.

Mit seinem neuesten Projekt möchte Dr. Julio Morales etwas für die Gesundheit der Kinder tun. Er plant den biologischen Anbau von Zitrusfrüchten und einen Bewässerungsteich mit Fischzucht zu kombinieren. Er freut sich über Ihre direkte Unterstützung.

3_bildung_336x280.gif

Biologischer Anbau von Zitrusfrüchten

Selbst angebaute Zitrusfrüchte liefern Vitamin C für eine gesunde Entwicklung

Leonarda entdeckt das Gärtnern

Ein Slum-Mädchen entflieht dem Hunger und lernt im nph-Kinderdorf die Natur lieben