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Aktuell

Martina Wasmayr

(Österreich) - Krankenschwester

Ich heiße Martina und bin 23 Jahre alt. Ich bin Krankenschwester, komme aus Österreich und bin die erste Freiwillige bei NPH Peru. Ich kam im Juni im Heim im Lunahuana an. Die ersten zwei Monate vergingen ohne Probleme; ich sah die Krankenakten der Kinder durch und nachmittags half ich ihnen bei ihren Hausaufgaben in Englisch und Mathematik.

 

Vor einer Woche, als wir gerade beim Abendessen die Suppe austeilten, begann die Erde plötzlich zu beben. Zehn Sekunden später ging das Licht aus und die Kinder begannen zu weinen. Wir konnten nichts sehen, aber wir rannten aus dem Speisesaal heraus, denn draußen waren wir sicherer. Wir hielten uns an den Händen, fingen an zu beten, und so waren wir stark und überlebten das Erdbeben.

 

Zum Glück war niemand verletzt, aber unser Leben hatte sich schlagartig verändert. Zwei Tage lang waren wir ohne Strom. Die erste Nacht war sehr schwierig, da wir nur eine Taschenlampe und keine Kerzen hatten. Wir trugen unsere Matratzen in den Speisesaal, weil wir dort sicher vor wilden Tieren waren, aber auch schnell herauslaufen konnten, falls ein weiteres Erdbeben kam.

 

Wir schlafen immer noch im Speisesaal und im Haus gibt es noch kein fließendes Wasser. Wir haben uns einen Wassertank geliehen, den wir aufs Auto packen und so Wasser aus dem nächsten Dorf holen können. Dieses Wasser benutzen wir zum Geschirr spülen, zum Duschen und für die Toilettenspülung. Es ist schon seltsam, sich mit ein paar Eimern zu waschen, aber wir müssen sparsam mit dem Wasser umgehen. Wenn das Wetter es erlaubt, benutzen wir auch den Fluss, der 5 Minuten von unserem Haus entfernt ist, zum Waschen unserer Kleidung und zum Baden. Aber jetzt ist Winter in Peru...

 

Den Kindern geht es gut, denn sie brauchen nicht zur Schule zu gehen, und so genießen sie ihre freie Zeit und helfen uns, wo immer das nötig ist.

 

Für mich war das alles eine sehr beeindruckende Erfahrung. Ich bin erstaunt, wie der Glauben die Kinder gestärkt hat und wie sie sich an die anderen Lebensumstände angepasst haben. Ich weiß nun, was es heißt, ohne eine ständig verfügbare Wasserversorgung auskommen zu müssen und mit der Angst zu leben, dass die Erde jeder Zeit wieder anfangen kann zu beben. Durch solche Erlebnisse lernt man, was im Leben wirklich wichtig ist.

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