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Lateinamerika: Indigener Widerstand hat lange Tradition

Tag der indigenen Völker am 9. August - Eines haben Indigene Völker auf der ganzen Welt gemeinsam: Die Erfahrung von Unterdrückung und Diskriminierung.

Dieser Wortlaut ist offizieller Bestandteil der UN-Definition des Begriffes „Indigene Völker“. Die Benachteiligung der Indigenen in Lateinamerika, die zur ärmsten Bevölkerungsgruppe zählen, hält an. Hinzu kommt die zunehmende Kriminalisierung indigener Bewegungen, die für ihre grundlegenden Rechte, wie den Erhalt ihres Lebensraumes, kämpfen.

Der Tag der Indigenen Völker am 9. August bietet erneut Anlass, um auf die Probleme indigener Bevölkerungsgruppen aufmerksam zu machen. Was den Indigenen noch immer verwehrt bleibt ist die Anerkennung als „Volk“ im völkerrechtlichen Sinn. Diese Definition würde ihnen grundlegende Rechte einräumen, wie zum Beispiel das Recht auf Selbstbestimmung und die freie Verfügung über Land und Ressourcen. Da die Gebiete, in denen Indigene leben, reich an natürlichen Ressourcen sind, ist die Angst der Regierungen groß, die Rechte an diesen zu verlieren und sie nicht mehr profitorientiert nutzen zu können.Auch die Aymara in Bolivien müssen um ihren Lebensraum kämpfen. © nph bolivien

Lateinamerika: Indigene in der Politik

Obwohl Indigene schon seit den 1980er Jahren in der lateinamerikanischen Politik vertreten sind, hat sich an ihrer Situation wenig zum Positiven geändert. Selbst in Bolivien,  dem Land in dem der erste indigene Präsident Lateinamerikas,  Evo Morales, 2006 gewählt wurde,  sind die Indigenen nach wie vor die am meisten benachteiligte Bevölkerungsgruppe.

Nach einem guten Start in der ersten Amtszeit des bolivianischen Präsidenten von 2006 bis 2010,  in dem viele Vorhaben umgesetzt wurden, die Indigenen zu Gute kamen, hat die Regierung seit 2010 eine Wende gemacht. Tür und Tor wurden ausländischen Unternehmen geöffnet, die sich für die Rohstoffvorkommen im Land interessieren und Abkommen mit Indigenen übergangen, nach denen diese das Recht auf Mitsprache hätten.  Selbst seine engsten Verbündeten haben sich seitdem von Evo Morales abgewendet und verstehen die neue Haltung des Präsidenten nicht.


Evo Morales ist der erste indigene Präsident in Lateinamerika. © Agencia Brasil

Die größten Konflikte zwischen den Regierungen und indigenen Völkern bestehen im Zusammenhang mit der Umwelt und dem Lebensraum, der zunehmend Bauprojekten und Erdölbohrungen zum Opfer fällt.  Das derzeit wohl bekannteste Beispiel ist der Bau des Belo-Monte-Staudamms in Brasilien, von dem rund 40.000 Menschen, vorwiegend Indigene, betroffen sind. Obwohl ihnen laut brasilianischer Verfassung das Recht zusteht, bei Projekten, die ihren Lebensraum betreffen, mitreden zu dürfen, wurden sie in diesem Fall einfach übergangen. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass internationale Konzerne sowohl  das Geld als auch die Macht haben, sogar Verfassungsgesetze zu umgehen.

Internationale Erklärungen ohne große Wirkung

Theoretisch werden zwar wohlmeinende Absichten erklärt und die Kultur der indigenen Bevölkerung anerkannt, doch in der Praxis findet diese Anerkennung meist wenig Beachtung. Ein Beispiel dafür ist die Tatsache, dass in vielen Staaten die Deklaration 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die einzige internationale Norm, die indigenen Völkern Grundrechte garantiert, einfach umgangen wird. Sie wurde 1989 von der Generalversammlung der ILO verabschiedetet und bis heute nur von 22 Staaten unterzeichnet, darunter auch Bolivien und Brasilien.

Eines der Grundrechte aus der Deklaration 169 gewährleistet „die Mitbestimmung über die Nutzung natürlicher Ressourcen“. Dass dies in der Praxis leider wenig beachtet wird, zeigt nicht nur das Beispiel aus Brasilien.

Indigene Bewegungen am Rande der Legalität

Die indigenen Bewegungen gehören in Lateinamerika seit den 1990er Jahren zu den wichtigsten sozialen Bewegungen. Doch der indigene Widerstand hat eine weitaus längere Tradition, ist er immerhin seit der Kolonialisierung vor 500 Jahren ständiger Begleiter des politischen Geschehens in Lateinamerika. Mit Unterstützung von internationalen NGOs organisieren indigene Bewegungen Proteste, Besetzungen, setzen sich für Demokratisierung und gegen neoliberale ökonomische Strukturen ein. Das bringt sie immer öfter in Konflikt mit dem Gesetz, obwohl sie ihr Land und dessen Bodenschätze verteidigen und ihr Recht auf ihren Lebensraum einfordern. Die CIDH (Interamerikanische Kommission für Menschenrechte) spricht in diesen Fällen von einer systematischen Kriminalisierung, Einschüchterung und Stigmatisierung Indigener.

Wissenswertes über Indigene in Lateinamerika:
Es gibt über 400 ethnische Gruppen und Völker und 917 gesprochene indigene Sprachen in Lateinamerika. Besonders hoch ist der prozentuale Anteil indigener Bevölkerung in Bolivien, Guatemala, Peru und Ecuador. Die Mehrheit lebt als Kleinbauern und in extremer Armut. Dies gilt vor allem für die ländliche Bevölkerung. In Bolivien gelten mehr als 50 Prozent der Bevölkerung als arm, zwei Drittel davon sind indigene Völker. In Guatemala leben zwei Drittel der Gesamtbevölkerung unter der Armutsgrenze, davon sind über 90 Prozent Indigene.

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