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Aktuell

Kinderdorf in Not

Gesetzliche Vorgaben wirken sich auf Waisen aus

Honduras zählt zu den ärmsten Ländern in Lateinamerika. Rund zwei Drittel der Bevölkerung ist arm. Ganze Familien leben in schäbigen Hütten und viele Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder satt bekommen. Um die Armut der Bevölkerung zu bekämpfen, hat die honduranische Regierung im Jahr 2011 die Mindestlöhne um 57 Prozent erhöht und im Januar 2012 um weitere 12 Prozent. Das führte in vielen Unternehmen zu Entlassungen und zur Ausweitung der ohnehin hohen Arbeitslosenquote. Auch beim Kinderhilfswerk nph honduras ist das Budget durch die gesetzlichen Vorgaben in eine Schieflage geraten: 20 Mitarbeiter mussten bereits entlassen werden und die Einsparungen wirken sich auch auf die Kinder aus. 

 

Eine feste Stelle mit einem planbaren Gehalt ist der Traum vieler honduranischen Mütter und Väter. nuestros pequeños hermanos (nph) ? das Deutschlandbüro des internationalen Kinderhilfswerks ist in Karlsruhe ? sorgt sich nicht nur um Waisen und misshandelte Kinder. Es ist in den Gastländern auch ein Arbeitgeber. Bei nph honduras leben 558 Mädchen und Jungen wie in einer großen Familie. Die Kinder werden von so genannten tias (Tanten) und tios (Onkeln) betreut, die ihnen Liebe und Geborgenheit schenken. Sie dürfen zur Schule gehen und erhalten eine Berufsausbildung. So stellt nph sicher, dass die Kinder später ein eigenverantwortliches und selbständiges Leben führen können, fernab von Not und Armut.

 

Innerhalb nur eines Jahres hat die honduranische Regierung die Mindestlöhne um 69 Prozent erhöht. Die Folge: Viele Arbeitgeber konnten ihren Angestellten die höheren Löhne nicht bezahlen. Entlassungen waren die Folgen. nph honduras konnte, dank vieler Freunde und Förderer in Europa und den USA, im letzten Jahr die gesetzlichen Auflagen erfüllen. ?Die weitere Erhöhung der Mindestlöhne im Januar und dramatisch steigende Kosten für Lebensmittel, Kleidung oder Unterrichtsmaterialien haben dazu beigetragen, dass unser ohnehin schon enges Budget aus den Fugen geraten ist. Viele Flaggschiff- und Kernprogramme sind in Gefahr?, sagt Stefan Feuerstein, nationaler Leiter der Einrichtungen in Honduras. Der Deutsch-Amerikaner arbeitet seit 2003 im Kinderdorf und die Mädchen und Jungen sind für ihn wie eigene Kinder. Aufgrund der klammen Budgetsituation musste das Kinderhilfswerk bereits Mitarbeiter entlassen, um Kosten zu sparen. Die staatliche Zertifizierung der beruflichen Ausbildungskurse musste eingestellt werden, weil die Kosten nicht mehr aufgebracht werden können. Das verschlechtert zwar nicht die Ausbildung der Mädchen und Jungen. Die Anerkennung aber bleibt aus und für sie wird es schwieriger werden, einen Arbeitsplatz zu finden. Auch auf den Speiseplan im Kinderdorf wirkt sich die aktuelle Budgetsituation aus: Fleisch kommt nur noch selten auf den Tisch und Freizeitaktivitäten, die den Kindern immer viel Spaß machen, können nicht mehr finanziert werden. ?Die Kinder sind natürlich enttäuscht, wenn sportliche Aktivitäten oder die Tanzklasse ausfallen müssen?, sagt Stefan Feuerstein. Auch Programme, wie die Kindertagesstätte, in der Töchter und Söhne alleinstehender berufstätiger Mütter betreut werden, stehen auf der Kippe. ?Die Anhebung der Mindestlöhne um so viele Prozentpunkte war für uns nicht absehbar. Nun sind die Kinder die Leidtragenden und das schmerzt mich sehr?, sagt der Nationaldirektor.

 

nuestros pequeños hermanos schenkt seit 1954 verwaisten und verlassenen Kindern in Lateinamerika ein Zuhause. ein Zuhause. Zurzeit leben insgesamt etwa 3.500 Kinder in elf Kinderdörfern. Die Kinder leben dort wie in einer großen christlichen Familie, gehen zur Schule und können einen Beruf erlernen. Seit der Gründung des ersten Kinderdorfes sind schon rund 16.700 Kinder bei nph aufgewachsen und haben erfahren, was bedingungslose Annahme und Liebe, Teilen, Mitarbeit und Verantwortung bedeutet. Außerdem leistet die Organisation in ihren Projektländern humanitäre Hilfe für weit mehr als eine Viertelmillion Not leidende Menschen.

 

nph finanziert sich vorwiegend durch private Spenden. Deshalb sucht die Organisation nach neuen Freunden und Förderern, die mithelfen, sich um Not leidende und benachteiligte Kinder in Lateinamerika zu kümmern. Weitere Informationen auf www.hilfe-fuer-waisenkinder.de oder www.MyGoodShop.org. Spenden sind herzliche willkommen auf Konto 12 000 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00, Stichwort: Honduras.

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