Kinderleben1
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Keine Kinder in ehemaligem Krankenhaus umgekommen

Bislang zwei Leichen aus Trümmern geborgen

Port-au-Prince/Karlsruhe. Entgegen der gestern verbreiteten Meldung sind im ehemaligen Kinderkrankenhaus von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern?, dem ?Padre Wasson Zentrum? in Pétionville keine 300 Kinder zu Tode gekommen. ?Bereits kurz nach dem Erdbeben konnten wir eine amerikanische Freiwillige lebend bergen. Ihr Bruder und eine weitere Amerikanerin sind in den Trümmern leider ums Leben gekommen. ?Da um 15:30 Uhr in diesem Gebäude Behandlungsschluss ist, können wir davon ausgehen, dass zum Zeitpunkt des Erdbebens keine Kinder mehr im Gebäude waren. Momentan haben wir aber noch nicht zu allen der 100 Kinder, die im Padre Wasson Zentrum von unseren Mitarbeitern therapiert wurden, Kontakt. Deshalb wissen wir nicht, wie viele dieser Kinder das Erdbeben tatsächlich überlebt haben?, sagt Heiko Seeger, Geschäftsführer von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.? Karlsruhe.

 

Seit Ende 2006 wurde das ehemalige Krankenhaus der Organisation als ambulantes Therapiezentrum für körperlich und geistig behinderte Kinder aus dem Großraum Port-au-Prince genutzt. Im Therapieprogramm wurden mehr als 100 Kinder und Jugendliche behandelt. Täglich wurden 20 von ihnen therapiert. Die Behandlungen endeten immer um 15.30 Uhr. Dann verließen die Kinder zusammen mit ihren Eltern das Gebäude. ?Da das Erdbeben um 16:53 Uhr haitianischer Zeit stattfand, können wir mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass noch Kinder im Gebäude waren?, sagt Seeger. Zu den Todesopfern kam es, weil sich im ?Padre Wasson Zentrum? auch die Unterkünfte der Freiwilligen befanden. Erin und Ryan Klos sowie Molly Hightower befanden sich zum Zeitpunkt des Erdbebens im Gebäude. Erin konnte nach rund mehrstündiger Suche lebend geborgen werden, für ihren Bruder Ryan und Molly kam jede Hilfe zu spät. Laut einer Mitarbeiterin vor Ort begannen Helfer gestern mit der Beseitigung der Trümmer.

 

 

Das im Dezember 2006 eröffnete neue Krankenhaus ?St. Damien? von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? versorgte bereits kurz nach dem Erdbeben die ersten Opfer. Tausende von Menschen wurden bislang von den Ärzten und Krankenschwestern behandelt. Das medizinische Personal umfasst derzeit rund 80 Mitarbeiter, darunter neun deutsche Helfer, die nach dem Erdbeben von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? nach Haiti entsandt wurden.

 

Neben der medizinischen Hilfe für die Erdbebenopfer leiteten die mehr als 400 Mitarbeiter der Organisation in Haiti auch schnell Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung ein. Ein Tanklastwagen bringt täglich sauberes Wasser zu den Menschen in den Slums. In der Bäckerei des Hilfswerks im beruflichen Ausbildungszentrum ?Francisville? (Tabarre) backen die Auszubildenden täglich 5.000 Brötchen, die an die hungrigen Menschen in Port-au-Prince verteilt werden. 26 Mitarbeiter der Organisation suchen inzwischen nach alleingelassenen Kindern und nehmen sie zunächst in den Einrichtungen von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? auf. Werden von den Sozialarbeitern des Kinderhilfswerks Verwandte aufgefunden, werden die Kinder wieder in deren Obhut übergeben. Diejenigen Kinder, die ihre Eltern bei dem Erdbeben verloren haben, werden im Kinderdorf der Organisation aufgenommen. Das Team um Alfonso Leon kümmert sich inzwischen auch in den mehr als 600 entstandenen Zeltstädten um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Sie erhalten Spielangebote, eine Mahlzeit und sauberes Wasser.

 

?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? hat bereits 75 Jugendliche, die im Kinderdorf aufgewachsen sind, zwischenzeitlich aber bei Verwandten lebten, wieder im Heim aufgenommen. Mehr als 30 behinderte Kinder, die verlassen in den Trümmern zusammengestürzter Gebäude gefunden wurden, werden inzwischen im Rehabilitations- und Physiotherapiezentrum ?Kay St. Germaine? behandelt. Dieses Zentrum wird in der näheren Zukunft eine wichtige Rolle für die therapeutische Betreuung vieler traumatisierter Kinder spielen, insbesondere auch für die vielen Kinder und jungen Menschen, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten.

 

Ein Krisenstab um den nationalen Direktor von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern?, Pater Richard Frechette, arbeitet derzeit an Lösungsansätzen, wie der Not der Bevölkerung kurz-, mittel- und langfristig entgegen gewirkt werden kann. Insbesondere arbeitet das Team mit Hochdruck daran, wie die schon vor dem Erdbeben zahlreich vorhandenen Hilfsangebote der Organisation noch weiter ausgebaut werden können.

 

?Der Wiederaufbau in Haiti ist für die internationale Staatengemeinschaft eine gewaltige Herausforderung und wird sehr lange dauern. Unsere Organisation ist seit mehr als 20 Jahren in Haiti tätig. Die Haitianer erkennen unsere Arbeit an und schätzen unsere Organisation. Sie wissen, dass wir auch künftig im Land bleiben und für sie da sein werden?, sagt Heiko Seeger.

 

?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? bittet die Bevölkerung weiter um Hilfe. Spenden sind möglich auf das Konto Nr. 12 000 bei der Sozialbank Karlsruhe, BLZ 660 205 00 oder nutzen Sie das Online-Spendenformular unseres Spenden-Shops MyGoodShop.org und machen Sie eine

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