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Aktuell

In Ciudad Juarez gehört Gewalt zum Alltag der Kinder

Mexikanische Kinder werden zu Waisen

„Ich habe viel Gewalt gesehen und auch Schießereien in den Straßen miterlebt“, sagt Aron. Der heute 12-Jährige lebt im Kinderdorf von nuestros pequeños hermanos (nph) in Mexiko. Zuvor war er fünf Jahre in einem staatlichen Heim untergebracht. „Bei nph gefällt es mir sehr viel besser“, erzählt der lebhafte Junge mit leuchtenden Augen. Dort lebt er in einem sicheren Umfeld, kann zur Schule gehen und hat neue Freunde gefunden. Aron stammt aus Ciudad Juarez, einer Stadt im Norden Mexikos, die nahe an der US-amerikanischen Grenze liegt.

Rund 1,3 Millionen Einwohner leben in Ciudad Juarez, das über vier Brücken mit dem texanischen El Paso verbunden ist. Doch während El Paso eine wohlhabende und eher beschauliche Stadt ist, tobt in Ciudad Juarez seit Jahren ein Drogenkrieg. Die Stadt am Grenzfluss Río Bravo ist das Zentrum des Rauschgiftschmuggels in Richtung der Vereinigten Staaten. Sie gilt als eine der gefährlichsten Städte der Welt: 2010 wurden dort mehr als 3.000 Menschen ermordet. Bis heute hat sich, weder in Ciudad Juarez, noch im Land, die Situation wesentlich verbessert. Seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Enrique Peña im Dezember 2012, fielen mehr als 17.000 Menschen dem Drogenkrieg zum Opfer. Die rivalisierenden Drogenkartelle bekämpfen sich mit äußerster Gewalt und nehmen dabei auf Unbeteiligte keinerlei Rücksichten. So zählen auch immer wieder Kinder oder deren Eltern zu den Mordopfern. Zwar gelingt es der Regierung immer wieder führende Köpfe der Drogenkartelle festzunehmen. Doch für jeden Inhaftierten steht sofort ein Ersatz innerhalb der Drogenmafia bereit, der die lukrativen Geschäfte weiterführt. Deshalb ist ein Ende der Gewalt vorerst nicht in Sicht.

Durch die Drogenkriminalität, insbesondere in Ciudad Juarez, werden immer mehr Kinder zu Waisen. Oft geschieht es auch, dass Eltern ihre Kinder zurücklassen, wenn sie illegal in die Vereinigten Staaten reisen, um dort nach besseren Lebensbedingungen zu suchen. Auf diese für die Kinder dramatische Situation hat nph mexiko mit dem Ciudad Juarez-Programm reagiert. „Wir können rund 100 Mädchen und Jungen aus diesem gewalttätigen Umfeld herausnehmen und ihnen in unseren Kinderdörfern in Monterrey und Miacatlán eine sichere und kindgerechte Umgebung und eine neue Familie geben“, sagt Grisel Orozco, Mitarbeiterin von nph deutschland, Karlsruhe. „Im Rahmen dieses Programmes hat unser Kinderhilfswerk allein im letzten Jahr 20 Kinder neu aufgenommen“, sagt Orozco, die selbst aus Mexiko stammt. Aron war eines dieser Kinder. Schon im Kindesalter war er Zuschauer der täglichen Gewalt in Ciudad Juarez. Zusammen mit seinem Cousin bettelte er in den Straßen der Stadt und wurde von den Behörden aufgegriffen. Nachdem klar war, dass die Eltern sich nicht ausreichend um ihren Sohn kümmern können, wurde ihnen das Sorgerecht entzogen und Aron kam in ein staatliches Heim. Dort fühlte er sich jedoch sehr unwohl. Inzwischen hat der Junge bei nph mexiko eine neue Bleibe und eine neue Familie gefunden. Auf einen Schlag bekam er 450 Geschwister im nph-Kinderdorf. Die Traumata seiner frühen Kindheit hat Aron zwar noch nicht ganz verarbeitet. Aber er entwickelt sich zu einem typischen Jungen: Er spielt gerne Fußball, ist Mitglied im Karateclub und sein Lieblingsschulfach ist die Mathematik. Auch an seiner Zukunft feilt Aron bereits heute: In der Sekundarstufe möchte er sich mit dem Thema industrielles Design beschäftigen und später an der Universität Medizin studieren. „Als Arzt kann ich anderen Menschen helfen“, beschreibt der 12-Jährige seine Motivation für die Studienwahl.

Kinder wie Aron brauchen Hilfe. Spenden sind willkommen unter Konto 8747003 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00.


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