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Honduras: Landesweite Unruhen nach Präsidentenwahl

In Honduras wurde am 26. November ein neuer Präsident gewählt. Das überraschende Ergebnis führte zu gewaltbetonten Demonstrationen und lässt die Stimmen über Wahlbetrug nicht verstummen.

Ausnahmezustand und nächtliche Ausgangssperre

Nachdem der Herausforderer Salvador Nasralla mit deutlichem Vorsprung führte, wendete sich plötzlich das Ergebnis zugunsten des bisherigen Amtsinhabers Juan Orlando Hernández. Als Folge des unsicheren Wahlergebnisses gingen und gehen viele Menschen seit Ende November auf die Straße. Brennende Autos und Regierungsgebäude, Straßenbarrikaden und immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften sind an der Tagesordnung.

Stefan Feuerstein, Leiter des Kinderdorfes in Honduras, berichtete, dass es unter den Menschen viel Unsicherheit gibt. Man verlässt das Haus nur, wenn es unbedingt sein muss.


Stefan Feuerstein, Direktor von nph honduras, hier 2017 bei der Zeugnisübergabe im Kinderdorf.

Die Kinder und Angestellten sind in Sicherheit

Das nph-Kinderdorf liegt nur eine Autostunde von der Hauptstadt Tegucigalpa entfernt. Feuerstein bestätigte in einem Telefonat, dass die Kinder und das Personal auf der Ranch Santa Fé in Sicherheit sind. Nur wer etwas außerhalb des Kinderdorfes zu erledigen hat, muss viel Zeit einplanen und damit rechnen, dass es zu gefährlichen Situationen kommen kann. Alltägliche Erledigungen wie zum Beispiel der Besuch einer Bank stellen eine harte und oft gefährliche Geduldsprobe dar. Nur wenige haben geöffnet und der Weg dorthin ist meistens durch Barrikaden versperrt. Jeder Mensch ist in dieser Zeit glücklich, wenn er unversehrt sein Zuhause wieder erreicht.


Das Kinderdorf in Honduras ist von einer Mauer umgeben. Es wird genau geprüft, wer auf die Ranch darf.

Sicherheitschef bestimmt, ob der Bus fährt

Und auch Reinhard Köhler, Vorsitzender von nph international, der mit seiner Familie ebenfalls in Honduras lebt, berichtet von großen Schwierigkeiten auf den Straßen. „Der Sicherheitschef von nph klärt jeden Morgen ab, ob der Kleinbus die Ranch verlässt, um zum Beispiel die Angestellten aus der Buchhaltung zu holen. Sind die Straßen zu gefährlich, bleibt der Bus auf der Ranch, damit niemand gefährdet wird.“


Reinhard Köhler, Direktor von nph international, lebt mit seiner Familie auch in Honduras. Hier sieht man ihn bei einer Feier im Kinderdorf.

Im Norden herrscht der Mob

Aber noch gefährlicher scheint es augenblicklich im Norden des Landes zu sein. In San Pedro Sula, zweitgrößte Stadt Honduras, wirtschaftliches Zentrum des Landes und eine der gefährlichsten Städte der Welt, sind die Ausschreitungen gewaltig.

Köhler: „Es herrscht in San Pedro Sula eine große Ungewissheit. An der Nordküste sind die Proteste noch viel stärker als in der Hauptstadt. Die Menschen erleben anhaltende Straßenblockaden, Plündereien, die Gewalt ist allgegenwertig. Der Würgegriff auf San Pedro Sula wird im ganzen Land zu einem Mangel an Treibstofflieferungen führen. Honduras einziger wichtiger Seehafen Puerto Cortés liegt nur 45 Minuten von der Stadt entfernt.“

Friedliche Demonstrationen am Rande

Feuerstein hatte bei seinem letzten Besuch in der Bank aber auch friedliche Demonstrationen beobachtete: „Es gibt nicht nur gewalttätige Demonstranten. Ich sah auf dem Weg eine Menschengruppe, die singend und auf Töpfe schlagend durch die Straßen zog. Sie wollen ihren Unmut friedlich zeigen. Viele Menschen gehen davon aus, dass die Wahl zugunsten Hernández manipuliert wurde.“

nph tut alles, damit Kinder und Angestellten bei diesen Unruhen auch weiterhin in Sicherheit sind.

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