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Aktuell

Hilfsorganisation kämpft gegen Ausbreitung der Cholera

Krankenhäuser in Port-au-Prince bereiten sich auf das Schlimmste vor

Während in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince erste Todesopfer zu beklagen sind, kämpfen Ärzte und Helfer in Saint Marc weiterhin gegen eine Ausbreitung der Cholera. ?Die Lage ist verheerend. Die Menschen liegen auf dem Boden, nass vom Regen und zum Teil in ihren eigenen Fäkalien. Viele Patienten kommen schon so geschwächt, dass jede Hilfe zu spät kommt?, beschreibt Cassagnol Destiné, Mitarbeiter des Kinderhilfswerks ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? die Lage. Destiné hält sich derzeit in Haiti auf, um seine Kollegen vor Ort zu unterstützen. Zusammen mit Pater Richard Frechette, dem nationalen Leiter der Hilfsorganisation, ist der Haitianer darum bemüht, durch Lieferung von sauberem Wasser und medizinische Hilfe ein weiteres Ausbreiten der Cholera zu verhindern. Die medizinischen Einrichtungen von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? in Port-au-Prince haben im Kinderdorf der Organisation in der Dominikanischen Republik Medikamente und Elektrolytlösungen geordert, um sich auf einen möglichen Katastrophenfall vorzubereiten.

 

Mehr als 200 Todesopfer hat die Cholera bereits gefordert, rund 3000 Menschen sind infiziert. Die lebensbedrohliche Krankheit ist vor einigen Tagen in der Region Artibonite ausgebrochen. Im St. Nicholas Hospital in Saint Marc treffen, laut Cassagnol Destinè, stündlich neue schwer kranke Patienten ein. Mitarbeiter von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? unterstützen die Kollegen im Krankenhaus in dort. Mit dabei ist Pater Richard Frechette, ein Priester und Arzt, der seit mehr als 20 Jahren Entwicklungsarbeit in Haiti leistet. Zusammen mit seinem Team hat er Feldbetten, sauberes Wasser und Medikamente nach Saint Marc gebracht, um Menschenleben zu retten. ?Wenn wir als Helfer zu den Patienten kommen, müssen die nicht in andere Regionen wandern. Hier wollen wir den Hebel ansetzen, um eine weitere Ausbreitung der Cholera zu verhindern?, sagt Cassagnol Destiné. Neben dem Krankenhaus in Saint Marc hat Pater Frechette eine Unterkunft für die Kranken eingerichtet, die keine weitere Infusionsbehandlung benötigen, sondern medikamentös und mit Elektrolytlösungen weiterbehandelt werden können.

 

Die medizinischen Einrichtungen von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern?, darunter das Kinderkrankenhaus ?St. Damien? und das Feldhospital für erwachsene Patienten, bereiten sich, wie alle übrigen Krankenhäuser in Port-au-Prince, auf den Katastrophenfall vor. Seit Tagen werden Infusionslösungen, Antibiotika und elektrolythaltige Getränke angeschafft, um gezielt und vor allem schnell helfen zu können. Denn der Cholera Typ 01 ist besonders gefährlich. Er kann innerhalb von wenigen Stunden zum Tod führen. Besonders gefährdet sind Kinder und ältere Menschen, die aufgrund heftigen Durchfalls und Erbrechens sehr schnell durch die innere Austrocknung des Körpers sterben können.

 

Wegen der Gefährlichkeit der Infektionskrankheit, sind sowohl die haitianischen Behörden, die inzwischen den Notstand ausgerufen haben, wie auch Hilfsorganisationen vor Ort darum bemüht, ein Ausbreiten auf die Zeltstädte zu verhindern. Denn dort leben seit dem Erdbeben rund 1,5 Millionen Menschen unter äußerst beengten und katastrophalen hygienischen Bedingungen. ?Sollten hier die ersten Krankheitsfälle auftreten, kann sich die Cholera in Windeseile ausbreiten und zu einer wahren Katastrophe führen?, sagt Heiko Seeger, Geschäftsführer des deutschen Büros von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? in Karlsruhe.

 

Um der Seuchengefahr vorzubeugen, hat ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? schon vor Monaten damit begonnen sanitäre Anlagen in einigen Zeltstädten einzurichten. Das Hilfswerk versorgt die Menschen in Zeltlagern mit sauberem Wasser und Nahrungsmitteln. ?Durch diese Hilfe ist es im Großraum Port-au-Prince bislang gelungen die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen zu verhindern?, ist Heiko Seeger überzeugt.

 

Beim Erdbeben am 12. Januar 2010 wurden in Port-au-Prince und der Umgebung mehr als 220.000 Menschen getötet. Rund 1,5 Millionen Menschen leben seither auf engstem Raum in provisorischen Zeltstädten und sind auf die Unterstützung durch Hilfsorganisationen angewiesen.

 

Durch die dramatische Entwicklung in Haiti, benötigen die Menschen und insbesondere die Kinder weitere Hilfe. Deshalb bittet ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? um Spenden auf das Konto 12000, BLZ 660 205 00 bei der Sozialbank Karlsruhe. Stichwort: Haiti.

 

Seit 1988 engagieren sich die Mitarbeiter von ?Unsere kleinen Brüder und Schwestern? hin Haiti. Im Kinderdorf der Organisation leben rund 420 Kinder und Jugendliche, 250 weitere leben bei Familienangehörigen, werden aber von dem Kinderhilfswerk unterstützt. Das Kinderkrankenhaus ?St. Damien? und das Physiotherapie- und Rehabilitationszentrum ?Kay St. Germaine? gehören zu den modernsten Einrichtungen in ganz Haiti. Da ein Grundpfeiler für ein eigenständiges Leben eine gute Ausbildung und Lehre ist, hat die Organisation auch eigene Schulen und Ausbildungswerkstätten aufgebaut.

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