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Heiligabend in unserem Heim in Guatemala

So fröhlich wurde bei uns gefeiert!

Es war bestimmt keine "Stille Nacht". Weihnachten wird bei NPH Guatemala an Heilig Abend gefeiert, und wie! Die Vorfreude beginnt schon in den Tagen vorher und steigert sich dann immer mehr bis zum Nachmittag des 24. Dezembers. In diesem Jahr begann es damit, dass ein Kleiderfabrikant mit Kisten voller Kleidung für alle unsere Jungen und Mädchen zu uns kam. Kurz darauf begann die Weihnachtsmesse, an der alle 375 Kinder, sämtliche Freiwilligen, festen Mitarbeiter und einige Angestellte teilnahmen. Dabei stellte Pater Tulio den Kindern einige Fragen zum Thema Weihnachten. Anstatt sich brav zu melden, schrien die Kinder vor Begeisterung die Antworten einfach wild durcheinander. Unser kleiner, aber engagierter Chor leitete uns beim Singen der Lieder an, unterstützt von einigen pequeños (Heimkindern) mit ihren Instrumenten.

 

Darauf folgte ein besonderes Festessen. Es wurden zwei verschiedene Sorten Tamales (dampfgekochte Maismehlfladen) serviert, rojo und verde (rot und grün), liebevoll zubereitet von unserem Küchenpersonal und aufgetragen von den älteren Jugendlichen. Wir hatten zur Feier des Tages sogar Tischdecken auf den Tischen! Die Musik aus den Lautsprechern und die Unterhaltung von 375 Pequeños bildeten ein gewaltige, aber dennoch festliche Geräuschkulisse. Aber lange blieb man nicht im Speisesaal. Bald schon ging es hinaus auf den Platz, wo die weiteren Ereignisse des Abends stattfinden sollten. Unter tosendem Beifall wurde das große Freudenfeuer entzündet. Dann wurden Sitzbänke um das Feuer herum aufgestellt und ebenso schnell wieder vom Feuer weggerückt, weil es nah dran ziemlich heiß wurde. Aber bei der kühlen Abendbrise hier oben war die Wärme des Feuers in gebührendem Abstand doch ganz angenehm. Bald darauf wurden Würstchen und Marshmallows zum Braten am Feuer herausgebracht. Aber das war gar nicht so einfach! Das Feuer war hoch aufgelodert und brannte so heiß, dass die Kinder kaum nah genug herankamen, um die kurzen Stöcke mit dem Grillgut hineinzuhalten. Und so wanderten vermutlich viele Würstchen an diesem Abend halbgar in die Mägen...

 

Es war faszinierend zu beobachten, wie sich die Kinder untereinander verhielten. Hier und da explodierten vereinzelte Kracher, die heimlich hereingeschmuggelt worden waren. Die älteren Jungen bildeten einen Kreis und machten sich ihren eigenen, etwas rauhen Spaß. Wer sich in die Mitte des Kreises begab oder vielleicht dorthin geschubst wurde, musste zur mitreißenden Musik aus den Lautsprechern tanzen. Je kreativer der Tanz ausfiel, desto mehr Beifall gab es. Man hörte sofort, wenn sich ein Mädchen darauf einließ und mitmachte. Klar, dass die Jungs dann besonders laut grölten, aber manche der Mädchen können auch wirklich prima tanzen.

 

Dann war es Zeit für die kleineren Kinder, ins Bett zu gehen, und so wurde es langsam ruhiger. Das änderte sich aber schlagartig, als es auf zwölf Uhr zuging. In den umliegenden Dörfern begann das Feuerwerk. Da das Heim auf einer Anhöhe liegt, hatten wir fast einen uneingeschränkten Rundblick auf die Umgebung und somit auch auf die Raketen, die zu Ehren von Christi Geburt angezündet wurden. Auch wir hatten einen eigenen, wenn auch bescheidenen, Vorrat an Raketen. Im Überfluss dagegen gab es Umarmungen und gute Wünsche: "Feliz Navidad!" Es war bewegend, diese Zeichen der geschwisterlichen Zuneigung unter den Teenagern zu sehen. So war es wieder einmal Weihnachten geworden, und schließlich verschwanden auch unsere Jugendlichen in ihren Schlafräumen, bis zu einem neuen Tag hier im Heim von NPH Guatemala.

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