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Haiti: Zerbrechlich, aber dennoch stark

Vier Jahre nach dem Erbeben in Haiti zeigen sich zaghafte Verbesserungen. Haiti – die „Perle der Antillen“ glänzt schon lange nicht mehr. Heute ist es einer der ärmsten Staaten der westlichen Hemisphäre.

Naturkatastrophen werfen das Land immer wieder zurück. Am schlimmsten war das Erdbeben im Januar 2010, von dem sich Haiti langsam zu erholen beginnt.

Das Erbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 zählt zu den verheerendsten in der Geschichte. Mehr als 220.000 Menschen verloren ihr Leben, 2,1 Millionen wurden obdachlos. Noch heute leben 300.000 Menschen in Zeltstädten, noch weit mehr Menschen sind in provisorischen Unterkünften untergebracht. Haiti lag lange in Trümmern, doch die Scherben verschwinden langsam und neue Hoffnung erfüllt das Land.

 

Haiti galt schon vor dem Erdbeben als fragiler Staat. Diese Zerbrechlichkeit ist über viele Jahre entstanden: Aufgrund jahrhundertelange Ausbeutung durch die Kolonialherren, Ausrottung der indigenen Bevölkerung,  die fast vollständige Rodung der Wälder, Diktatur und Korruption. Heute ist Haiti der ärmste Staat der westlichen Hemisphäre. Die einstige „Perle der Antillen“ hat längst ihren Glanz verloren. Das Erdbeben vom Januar 2010 brachte das Fass zum Überlaufen. Doch die Haitianer sind stark geblieben. Trotz dieser vielen Rückschläge und der Misere, in der sie sich befinden, haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Sie kämpfen weiter für eine bessere Zukunft.

 

Mit kleinen Schritten vorwärts

Aufgrund der Umstände, in denen Haiti sich befindet, muss man auch die kleinen Fortschritte als große Erfolge bezeichnen. So wurden die Trümmer des Erdbebens mittlerweile schon fast komplett beseitigt. Man sieht nur noch vereinzelt Erdbebenschäden. Es werden Straßen gebaut, zahlreiche davon wurden mit Solarleuchten ausgestattet, was die Sicherheit erhöht. Von rund 2,1 Millionen Menschen, die obdachlos geworden sind, leben heute offiziell noch 300.000 Menschen in Zeltstädten. Auch wenn es provisorische Unterkünfte sind, in denen die meisten Menschen jetzt leben, kann man dies als Erfolg bezeichnen.

Auch das Auswärtige Amt verkündet, dass sich die Wirtschaft Haitis trotz der anhaltenden Schwierigkeiten allmählich erholt. Doch der Wiederaufbau wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

 

Entwicklungshilfe dauert viele Jahre

Schätzungen zufolge waren seit dem Erdbeben rund 15.000 Hilfsorganisationen im Einsatz. Doch die meisten NGOs haben Haiti nach dem Erdbeben schnell wieder verlassen, ohne die initiierten Projekte in lokale Hände zu übergeben und das nachhaltige Bestehen dieser zu sichern. Nur wenige Organisationen waren schon vor dem Erdbeben im Land aktiv und konnten sicherstellen, dass ihre Hilfe noch lange danach wirkt.

nph hilft in Haiti bereits seit 27 Jahren. © nph haiti

Zu diesen Organisationen gehört nph. Seit 27 Jahren arbeitet nph in Haiti und ist zu einer lokalen Institution geworden. Das Kinderdorf in Kenscoff bietet mehr als 400 Kindern ein Zuhause und wurde 1987 gegründet. Dann kam das Kinderkrankenhaus St. Damien – das einzige Kinderkrankenhaus in Haiti und das einzige mit einer Krebsstation für Kinder. Heute betreibt nph in Haiti weitere Gesundheitszentren, auch in den Slums von Port-au-Prince, 28 Straßenschulen – einige davon in entlegenen Provinzen – und ein zweites Kinderdorf, das im Rahmen des Erdbeben-Notprogrammes „Engel des Lichts“ entstanden ist.

Um Entwicklungshilfe zu leisten, muss man langfristig im Land bleiben. Mit seinen Kinderdörfern, Krankenhäusern und Schulen, sowie einheimischen Mitarbeitern verfolgt nph diesen Grundsatz. Mit unserer Arbeit schaffen wir 1.500 Arbeitsplätze im Land. Jeder Arbeitsplatz bedeutet, dass eine ganze Familie ernährt werden kann.

In den nph-Berufsschulen werden die Jugendlichen zu qualifizierten Fachkräften ausgebildet, die Haiti dringend braucht. Wir fördern Universitätsstudenten und tragen so dazu bei, dass junge Menschen in Zukunft hoffentlich in der Lage sein werden, ihr Land ein Stück weit voranzubringen.

 

Der gefährlichste Slum der Welt

Haiti ist nicht nur arm, sondern auch gefährlich. Cité Soleil in Port-au-Prince gehört zu den größten und gefährlichsten Slums auf der Welt. 200.000 bis 400.000 Menschen leben auf fünf Quadratkilometern in tiefster Armut. Es gibt kein Abwassersystem, kaum Elektrizität, keine Arbeit. Die Menschen suchen auf riesigen Müllhalden nach Nahrung und Verwertbarem. Bewaffnete Banden kontrollieren die Gegend, Gewalt steht an der Tagesordnung.

Cité Soleil, zu deutsch "Sonnenstadt" - einer der gefährlichsten Slums weltweit. © nph haiti

Was Haiti fehlt sind die notwendigen Strukturen und Institutionen, um eine Infrastruktur aufzubauen, eine Gesundheitsversorgung der Menschen sicherzustellen, Schulbildung für Kinder und Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten. Die kleinen Fortschritte, die Haiti schon erzielt hat, geben aber Hoffnung, dass die Perle der Antillen eines Tages wieder glänzen wird.

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