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Haiti: Ein Vierteljahrhundert im Dienst der Menschen

Finanzierung der Einrichtungen und Programme wird schwieriger

Seit 25 Jahren leistet das Kinderhilfswerk nuestros pequeños hermanos (nph) Entwicklungshilfe in Haiti. Die Organisation hat Kinderdörfer, Schulen, Ausbildungswerkstätten sowie medizinische und therapeutische Einrichtungen aufgebaut, um insbesondere Kindern eine Zukunftsperspektive zu schaffen. Nach dem Erdbeben hat nph die Hilfsleistungen ausgeweitet. Heute kommt das Engagement der 1.600 haitianischen Mitarbeiter mehr als 250.000 Kindern und Erwachsenen zugute. ?Die Finanzierung der Einrichtungen und Projekte wird zunehmend schwieriger, weil die Rücklagen, die wir nach dem Erdbeben bilden konnten, inzwischen aufgebraucht sind?, sagt Sonja Smolka, Länderreferentin Haiti bei nph deutschland. ?Unser deutsches Büro hat in den letzten drei Jahren 8,5 Millionen Euro für nachhaltige Projekte nach Haiti geschickt. Damit wir unsere wichtige Arbeit fortsetzen können, müssen wir nun dringend neue Freunde und Förderer finden sowie weitere Spenden sammeln.?

 

Mutter Teresa bat um Unterstützung für die Menschen in Haiti

 

Begonnen hat nph seine Arbeit in Haiti auf Bitten der Nobelpreisträgerin Mutter Teresa. 1987 eröffnete Padre William Wasson, Gründer von nuestros pequeños hermanos, auf der Inselrepublik ein Kinderdorf. Weil rund 80 Prozent der Menschen in Haiti in Armut lebten, wurde schnell klar, dass die Tätigkeitsfelder ausgebaut werden müssen. So entstanden in der Folge Schulen, Ausbildungswerkstätten, Krankenhäuser und Behindertenzentren. ?Durch unsere 25-jährige Tätigkeit in dem Karibikstaat und den Aufbau professioneller Strukturen, konnten wir Standards im medizinischen, therapeutischen und erzieherischen Bereich setzen, die in Haiti ihresgleichen suchen?, sagt Heiko Seeger, Geschäftsführer nph deutschland. Mittlerweile kommt die Hilfe von nph haiti mehr als einer Viertelmillion notleidenden Menschen zugute.

 

Erdbeben und seine finanziellen Folgen für nph

 

Den Tätigkeitsfeldern entsprechend, haben sich auch die Ausgaben von nph haiti erhöht. 2009 lag das Gesamtbudget bei 8,1 Millionen Euro. Durch das Erdbeben, die nachfolgende Nothilfe und die neuen Einrichtungen und Programme, erhöhte sich 2010 der Finanzbedarf auf 20,5 Millionen Euro. Neu entstanden sind ein zweites Kinderdorf für Mädchen und Jungen, die nach dem Erdbeben ohne Eltern aufgefunden wurden, mehrere Krankenhäuser sowie eine Schule für Kinder aus den Notlagern. Diese neuen Einrichtungen müssen, neben den schon bestehenden, mitfinanziert werden. 2011 konnten die Ausgaben zwar auf 11,2 Millionen Euro gesenkt werden, für 2012 erwartet Pater Richard Frechette, Leiter der Einrichtungen in Haiti, aber einen Finanzbedarf von 15,4 Millionen Euro. ?Da das Erdbeben nun schon zwei Jahre zurückliegt, ist es inzwischen schwieriger geworden, Freunde und Förderer für die Bedürftigen in Haiti zu finden. Bereits jetzt fehlen unseren Projekten monatlich 200.000 Euro?, führt Sonja Smolka aus. Sie ist eben erst aus Haiti zurückgekehrt, wo sie am 29. Januar als deutsche Vertreterin an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen von nph haiti teilgenommen hatte.

 

Wegen der Budgetlücken hat Pater Frechette bereits Ende 2011 einen Notfallplan erstellt. Er sieht Kürzungen in nahezu allen Tätigkeitsfeldern vor. So muss das Kinderkrankenhaus seit Januar 2012 mit monatlich 73.000 Euro weniger auskommen und verfügt nun nur noch über ein Monatsbudget von 181.000 Euro. Deshalb mussten die medizinischen Leistungen, insbesondere in der Chirurgie, bereits eingeschränkt und 28 Mitarbeiter entlassen werden. Um die Situation zu entschärfen, hatten die Mitarbeiter des Kinderkrankenhauses angeboten, im Januar umsonst zu arbeiten und den Rest des Jahres Lohnkürzungen von 20 Prozent in Kauf zu nehmen. ?Dieses Angebot zeigt den guten Willen unserer Mitarbeiter und berührt uns sehr. Da die Löhne in Haiti aber ohnehin gering sind, können wir nicht zulassen, dass sie diese Last auf sich nehmen?, sagt Pater Frechette. Im Kinderdorf in Kenscoff und den Behinderteneinrichtungen wurde das Budget ebenfalls erheblich beschnitten. ?Die unsichere Finanzlage bedrückt die Mitarbeiter und im Kinderdorf spiegelt sie sich im Alltag der Kinder wieder: So müssen wir einige Aktivitäten wie beispielsweise Ausflüge, die für die Kinder immer wichtige Ereignisse sind, 2012 streichen?, sagt Schwester Altagrace Mathias, Leiterin des Kinderdorfs in Kenscoff.

 

?Es ist schlimm, dass eine Organisation wie nph, deren Engagement sich über Jahrzehnte hinweg bewährt hat und deren Hilfsleistungen hunderttausende von Menschen erreichen, wegen fehlender Finanzmittel Hilfsprogramme und Leistungen kürzen oder streichen muss?, sagt Smolka. Ihr Appell: ?Unterstützen Sie nph deutschland, damit wir auch künftig den Menschen in Haiti beistehen können.? Konto 12 000 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00, Stichwort: Haiti.

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