Junge nach Erdbeben
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Haiti: Das Land der verlassenen Kinder

Tausende Kinder wurden nach dem Erdbeben in Haiti vor sechs Jahren zu Waisen. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum so viele Kinder in Haiti allein sind.

Die Erinnerung an das Erdbeben in Haiti vor sechs Jahren verblasst nach und nach. Nur noch zum Jahrestag findet die Katastrophe vereinzelt Aufmerksamkeit in den Medien. Doch wir wollen Haiti nicht vergessen, vor allem nicht Haitis verlassene Kinder. Denn diese gehören zum traurigen Alltag des Landes, das als ärmstes der westlichen Hemisphäre gilt.

 

 

 

 

Ryme* ist eines dieser Kinder. Der Junge verlor bei dem Erdbeben vor sechs Jahren seine Eltern. nph-Mitarbeiter fanden den Zehnjährigen einige Tage nach dem Erdbeben in einer der vielen Zeltstädte von Port-au-Prince. Ryme war schwer traumatisiert und wurde zunächst in unser Schutzcamp für Kinder gebracht. Heute lebt er im nph-Kinderdorf St. Hélène, wo er ein neues Zuhause und eine Familie gefunden hat. Er hatte Glück im Unglück. Viele Erdbebenwaisen sind in den Tagen und Wochen nach dem Erdbeben spurlos verschwunden. Sie waren leichte Beute für Menschenhändler und andere Kriminelle.

 


Ryme mit seiner Patin Rachel, die das Erdbeben in Haiti ebenfalls überlebte. ©Rachel Prusynski

 

Verlassen aus Verzweiflung

 

Naturkatastrophen sind nicht der einzige Grund, warum Kinder in Haiti plötzlich auf sich alleine gestellt sind. Jeden Tag werden Kinder von ihren Eltern verlassen. Verzweiflung, die aus tiefster Armut resultiert, treibt Väter und Mütter dazu, ihre Kinder wegzugeben: eine Mutter, die ihr Kind nach der Geburt vor den Toren unseres Kinderdorfes liegen lässt, eine Tante, die die ihr anvertraute Nichte auf einer Landstraße aussetzt oder ein verzweifelter Witwer, der seine Töchter nicht mehr ernähren kann und sie weggibt. Diese Kinder sind heute in Sicherheit, doch ihre Geschichten stehen als Beispiele für tausende Kinderschicksale.

 


Viele Kinder in Haiti leben auf sich allein gestellt.

 

Viele dieser Kinder leben noch immer auf der Straße, wo sie Gewalt und Hunger schutzlos ausgeliefert sind. Manche finden als Haussklaven, „Restaveks“ genannt, ein Dach über dem Kopf. Dafür schuften sie den ganzen Tag, werden missbraucht und geschlagen.  Zur Schule gehen – davon können sie oft nur träumen.

 

Eine neue Familie

 

Rund 2.500 Kinder wurden von nph direkt nach dem Erdbeben aufgenommen und betreut. Heute haben mehr als 400 Kinder ein dauerhaftes Zuhause im Kinderdorf in Haiti gefunden. Es sind die kleinen Dinge, die diese Kinder glücklich machen: Ein eigenes Bett, eigene Kleidung, genug zu essen, die Möglichkeit zur Schule zu gehen und zu spielen. Vor allem aber brauchen sie viel Liebe und eine Familie, die ihnen in jeder Lebenslage zur Seite steht. Das haben die Kinder bei nph haiti gefunden.

 


Kinder können sich nicht selbst helfen – sie brauchen unseren Schutz.

 

nph in Haiti –Helfen, wo die größte Not ist 

 

nph hilft in Haiti schon seit fast 30 Jahren – also schon lange vor dem Erdbeben. Galt unser Fokus zunächst verlassenen Kindern, haben wir schnell gemerkt, dass in Haiti noch viel mehr getan werden muss. Die Kinder, die oft schwer unterernährt oder krank waren und zuvor noch nie einen Arzt gesehen hatten, brauchten dringend medizinische Versorgung. 

 

Letzte Hoffnung: Das nph-Kinderkrankenhaus St. Damien. © Douglas Ford Rea

 

Seitdem ist viel passiert und heute zählt das nph-Kinderkrankenhaus St. Damien in Tabarre, einem Außenbezirk von Port-au-Prince, zu den besten und modernsten Krankenhäusern des Landes. Es ist sogar das einzige Krankenhaus, das speziell auf Kinder ausgerichtet ist. Von den schwersten Notfall-OPs bis hin zur Säuglingspflege hat St. Damien die ganze Palette an medizinischen Leistungen zu bieten. Es gibt sogar eine Station für verlassene Babys und Kinder, wo sie betreut werden, bis geklärt ist, wo sie in Obhut kommen können.

 


Diese Babys im St. Damien Kinderkrankenhaus wurden von ihren Eltern verlassen.

 

Allein gelassene Kinder können ein glückliches Leben führen – auch in Haiti. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wertvollen Beitrag dazu!

*= Der Name ist zum Schutz des Kindes geändert.

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