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Gedanken zum Schulabschluss

Pater Phil teilt uns mit, was ihm anläßlich der Schulabschlussfeier durch den Kopf ging.

Am Freitag, den 1. Juli 2005 wurde in Casa San Salvador in Miacatlan der Schulabschluss gefeiert. Inmitten der Menschmenge fing unsere Kamera das Gesicht von Pater Phil ein. Sicher musste er sehr stolz auf seine Kinder sein. Welche Gedanken mochten ihm wohl durch den Kopf gegangen sein? Ein paar Tage später stellten wir ihm einige Fragen:

Was dachten Sie, als sie an der Schulabschlussfeier teilnahmen? Welche Gedanken kamen Ihnen, als die Kinder bei der Feier mit solcher Ernsthaftigkeit tanzten? Was sagte Ihr Herz als Vater, Chef, Bruder, Direktor?

 

"Das erste, was ich dachte, als ich die Kinder bei der Abschlussfeier sah, war, dass ich alt werde! Denn als ich sie so anschaute, sah ich viele, die ich schon als Babys auf dem Arm gehabt hatte. Und natürlich war ich sehr stolz, dass diese "Babys" nun herangewachsen waren und ihren ersten großen Schritt ins Leben hinein machten.

 

Als ich die Jugendlichen ihren Ehrenwalzer tanzen sah, war ich besonders gerührt über die Kinder von der Müllhalde, die jetzt ihren Schulabschluss feierten. Als ich zum ersten Mal zur Müllkippe kam, waren so viele von ihnen schmutzig, in Lumpen gekleidet, mit orangefarbenem Haar und Flecken auf der Haut, beides Anzeichen für Unterernährung. Jetzt sind sie wohlgenährt und gut angezogen und dürfen etwas erleben, wovon ihre Eltern nur träumen konnten: ihren Schulabschluss feiern.

 

Nur ein Kind ließ mich ein paar Tränen verdrücken (hoffentlich unbemerkt, da ich mich sehr bemühte, sie zu verbergen). Vor vielen Jahren, als er noch ein kleiner Junge war, verteilte ich in der Nacht vor dem Dreikönigsfest für jedes Kind Geschenke, so wie es bei uns Tradition ist. Viele Kinder hatten lustige Briefchen geschrieben und an ihre Betten geheftet, in denen sie die Heiligen Könige um ein ganz bestimmtes Geschenk baten oder ihnen sonst etwas mitteilten. Am Bett dieses Jungen - er war damals in der zweiten oder dritten Klasse - hing auch ein Brief, mit Buntstiften geschrieben. Aber anders als die der anderen Kinder war er nicht an die Drei Könige gerichtet, sondern an mich: "Lieber Pater, danke für alles, was du für mich und die anderen Kinder hier tust." Diese Geschichte möchte ich später gern zum Besten geben, wenn ich einmal zur Hochzeit dieses jungen Mannes eingeladen bin.

 

Während der ganzen Zeit betete ich als Priester und Vater der Kinder, dass Gott jedes einzelne von ihnen beschützen möge und dass ich immer auf sie stolz sein kann, wenn sie zu den besten Christen werden, die sie sein können."

 

Vielen Dank, Pater Phil!

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