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Gedanken zu Weihnachten

Hoffnung, die sich auch in der Dunkelheit finden lässt - das ist Pater Ricks Weihnachtsbotschaft

Kurz nachdem ich vor siebzehn Jahren meine Arbeit in Haiti begonnen hatte, wurde ich gefragt, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Ich weiß noch, dass ich darauf antwortete, ohne viel nachzudenken. Ich sagte, ich würde gern einen Wasserhahn aufdrehen, aus dem wirklich Wasser heraus käme. Ich würde gern einen Lichtschalter betätigen, und das Licht ginge wirklich an. Ich würde gern Kinder sehen, die nicht fürchterlich unterernährt wären. Ich würde gern abends ins Bett gehen, ohne draußen vor dem Fenster Schüsse zu hören. Ich würde gern morgens aufwachen und Vogelgezwitscher hören anstatt der Wehklagen einer Mutter, deren Kind in der Nacht gestorben war.

 

Heute, siebzehn Jahre später, habe ich noch die gleichen Wünsche zu Weihnachten. Die Welt hat sich nicht sehr verändert.

 

Aber jeder von uns hat die Möglichkeit, sich im Laufe eines Jahres zu verändern. Wir verändern uns durch die Freuden und Leiden, die das Leben mit sich bringt, durch die Freunde, mit denen wir unsere Tage verbringen, durch die Herausforderungen, vor die uns unsere Feinde stellen, und durch die Lasten, die wir für andere Menschen zu tragen wagen. Diese Veränderungen helfen uns dabei, entschiedener aus der Hoffnung heraus zu leben und überzeugter von der Macht des Guten, der Liebe und des Gebetes zu sein. Wir werden etwas weiser in der Einsicht darin, was Gottes Traum für die Menschen ist, und ein bisschen klüger darin, wie wir Gott bei der Verwirklichung dieses Traumes helfen können.

 

Christus wurde nicht in eine Traumwelt geboren. Ganz im Gegenteil. Er wurde in die Armut hineingeboren. Er war ein Flüchtlingskind. Der eifersüchtige Hass, der ihm nach dem Leben trachtete, hinterließ eine Spur dahingemetzelter Unschuldiger in Bethlehem. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in einem fremden Land. Er wuchs auf in dem Wissen was es heißt, im Exil zu leben, ein Fremder zu sein, am Rande zu stehen. Alle diese Szenen sind keine Nebensächlichkeiten in seiner Lebensgeschichte, sondern ihnen wird von den Evangelisten eine zentrale Bedeutung beigemessen. Gott wählte als seinen Weg in unsere Welt hinein den Weg der Armen, der Erniedrigten, der Ohnmächtigen, der Missverstandenen, der Ausgebeuteten, der an den Rand Gedrängten. Die Botschaft ist klar. Christus kam, um das Leben zu bringen, das Leben in Fülle, das Leben zur Ewigkeit hin, und er kam, um es gerade den Verlorensten der Verlorenen, den Ärmsten der Armen, den Totesten der Toten zu bringen. Die wunderbare Botschaft von Weihnachten ist, dass wir vor schwierigen und schrecklichen Situationen weder Angst zu haben noch wegzulaufen brauchen. Gott ist gerade dort gegenwärtig, auf ganz besondere und wunderbare Weise .. und vorzugsweise dort. Wenn man den Herzschlag Gottes hören möchte, dann sollte man sich einem leidenden Menschen zuwenden und den Mut haben, ihm beim Tragen seiner Last zu helfen. Gott hat Herzen erwählt, die die dunkle, harte Ungemütlichkeit einer Höhle kennengelernt haben, das kalte, klamme Stroh, die einsamen Nächte auf Wanderschaft, damit von ihnen die strahlende und rettende Liebe ausgehen solle. Eine Liebe, die sogar die Sterne erleuchten kann.

 

An diesem Weihnachtsfest danken wir Ihnen für Ihr großes Mitgefühl, dass Sie den notleidenden Kindern dieser Welt entgegen bringen. Und wir beten für Sie, dass das heilige Licht des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe auch Sie sicher durch manch eine dunkle, aber wundersame Nacht leiten möge.

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