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Eine glückliche Heimkehr

Nach einer erfolgreichen orthopädischen Operation in Holland kehrt ein kleiner Junge nach Guatemala zurück.

"Da da brrr" brabbelt Javier und dreht begeistert am Lenkrad des kleinen roten Bobbycars. Er ist sein Lieblingsspielzeug, und es scheint ihn nicht zu stören, dass ihm die Vorderräder fehlen. Der lebhafte kleine Junge spielt im Garten unseres Babyhauses, so als wäre das gar nichts Besonderes. Nur die Schienen an seinen Beinen erinnern an seine lange, bewegende Geschichte.

 

José Javier wurde uns im März 2003 als Neugeborener von Sozialamt Guatemalas übergeben. Direkt nach seiner Geburt war er bei einem Krankenhaus anonym abgegeben worden. Er wog damals weniger als 6 Pfund. Er hatte Klumpfüße und anscheinend eine Mißbildung an Armen und Beinen, die steif und krumm waren.

Als wir Javier zum ersten Mal im Krankenhaus besuchten, zogen seine Mißbildungen die Aufmerksamkeit unserer Freiwilligen Jan auf sich, einer Physiotherapeutin aus Amerika. Sie stellte spontan die Diagnose auf "Arthrogrypose". Später wurde von einem anderen Arzt außerhalb des Krankenhauses dieses seltene Krankheitsbild bestätigt, bei dem die Gelenke und Muskeln des Patienten so verkrampft sind, das ihre Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt ist.

 

Diese traurige Diagnose schien zunächst zu bedeuten, dass Javier sein Leben lang vollkommen auf die Hilfe anderer angewiesen sein würde. Da er seine Arme nicht beugen konnte, würde er die meisten alltäglichen Dinge nicht tun können, vielleicht nicht einmal essen. Aber während die hiesigen Ärzte kaum etwas zu seiner Behandlung vorschlugen, nur Schienen für seine Klumpfüße, wollte Jan die Hoffnung nicht so schnell aufgeben. Im Internet suchte sie nach weiteren Informationen über Arthrogrypose und mögliche Behandlungsmethoden. Sie fand heraus, dass in der Tat eine gute Chance auf eine weitgehende Behebung der Behinderung bestand, wenn Javier innerhalb des ersten Lebensjahres die entsprechenden Operationen und anschließende Physiotherapie erhielt.

 

José Javier hatte viele Schutzengel. Seine Ankunft bei uns fiel mit dem Besuch von Joke zusammen, einer holländischen Freiwilligen, die jedes Jahr für drei Monate zu uns kommt, um im Babyhaus mitzuarbeiten. Von dem Augenblick an, als sie ihn zum ersten Mal im Krankenhaus sah, rührte sie das Schicksal des kleinen Jungen, und als sie von der Möglichkeit einer Behandlung erfuhr, traf sie einen spontanen, aber festen Entschluß, der Javiers Leben dramatisch verändern sollte.

 

Joke bot an, Javier nach Holland mitzunehmen und dafür zu sorgen, dass die notwendigen Operationen so schnell wie möglich durchgeführt wurden. So machte sich Javier Ende März, nachdem der notwendige Papierkrieg abgeschlossen war, auf seine große Reise nach Europa. Zurück in Holland begann Joke, das nötige Geld zu sammeln, bei Freunden und Verwandten, aber auch unterstützt von dem holländischen Büro von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN "Wereld Ouders". Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihr, den benötigten Betrag aufzutreiben. Im Juni erhielt Javier seine erste Operation im Universitätskrankenhaus in Amsterdam. Durch die acht Monate dauernde medizinische Behandlung, Schienen und Physiotherapie ließen sich die meisten von Javiers schweren Beeinträchtigungen beheben.

 

Als Javier Ende März mit Joke nach Guatemala zurückkehrte, konnten diejenigen, die ihn selbst oder alte Fotos von ihm aus dem Krankenhaus gesehen hatten, ihren Augen kaum trauen. Dieser lebhafte kleine Junge, der allein essen und spielen konnte, der auf eigenen Füßen stand und seine Arme und Beine fast normal beugen konnte, hatte wenig gemein mit dem armen, hilflosen Javier, der uns vor einem Jahr verlassen hatte.

 

Natürlich konnte seine Behinderung nicht vollkommen geheilt werden, aber zweifellos haben sich Javiers Zukunftsperspektiven deutlich verbessert! Die Spezialisten machten uns Hoffnung, dass er durch weitere Physiotherapie später in der Lage sein wird, die meisten Tätigkeiten des alltäglichen Lebens selbständig durchzuführen und auch alleine zu laufen, zumindest auf ebenem Gelände.

 

Dank der Großzügigkeit der holländischen Spender sind noch ausreichende Mittel für die langfristige Weiterbehandlung von Javier vorhanden. Als Joke Ende Mai abfuhr, fiel der Abschied schwer. Aber zugleich war sie froh, Javier wieder glücklich und zufrieden in seiner Heimat zu sehen und dass alles so gut geklappt hatte. Die beiden werden sich spätestens im nächsten Jahr wiedersehen, wenn Joke uns wieder besuchen kommt. Darauf freuen wir uns schon, und in der Zwischenzeit schicken wir ihr viele Fotos.

 

Nochmals vielen Dank, Joke! Und herzlichen Dank an alle Spender im Namen von Javier!

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