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Aktuell

Eine Geschichte von Verzweiflung und Hoffnung

Schwester Gena bringt Hoffnung in das Leben einer verzweifelten Mutter

Als ich ihr zum ersten Mal mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm begegnete, spürte ich sofort, dass diese Frau müde war. Ihre Augen sahen müde aus, ihr Gesicht sah müde aus, ja selbst ihre Stimme klang müde. Das Mädchen auf ihrem Arm wirkte kräftig und gesund trotz seiner Behinderungen. Es war Donnerstag, und ich war gerade mit den Kindern von der Reittherapie zurückgekommen. Normalerweise nehme ich donnerstags keine neuen Fälle auf, weil ich einfach keine Zeit dazu habe. Ich sagte ihr, sie solle in der nächsten Woche wiederkommen, dann hätte ich Zeit zum Reden und könnte eine Akte für ihr kleines Mädchen anlegen.

 

Ich konnte an ihrem müden Gesicht ablesen, dass das, was ich gesagt hatte, für sie eine Enttäuschung war. "Ich kann einfach nicht mehr", sagte sie. Sie hatte gedacht, ich würde das Kind sofort dabehalten. "Ich habe Probleme, ich kann sie nicht mehr bei mir behalten. Ich brauche jemand, der sie mir abnimmt. Ich habe zu viele Schwierigkeiten, und wegen ihr kann ich nicht arbeiten und für meine anderen Kinder sorgen. Es geht einfach nicht mehr." Es war ihre Stimme, die mich am meisten beunruhigte - nicht so sehr das, was sie sagte, denn solch traurige Geschichten habe ich schon oft gehört, seit wir mit dieser Arbeit begonnen haben. Aber die Stimme - die war anders, denn sie war so voller Verzweiflung. Eine Stimme ohne Energie und ohne Hoffnung. Sie tat mir unendlich leid, während ich ihr sagte, sie müsse sich weiter um ihr Kind kümmern. Ich hatte leicht reden, und das war mir bewusst, aber schließlich überzeugte ich die Frau, in der nächsten Woche wiederzukommen. Das Mädchen war ihre Enkelin, seine Mutter war gestorben, und wie es hier so oft der Fall ist, wollte der Vater mit dem Kind nichts zu tun haben.

 

Nun, sie kam in der folgenden Woche wieder, und ich führte sie in das Zimmer, in dem ich die Elterngespräche führe. Wieder rührte mich ihre Stimme an. Eine sanfte, leise Stimme ohne Hoffnung und voller Verzweiflung. Sie erzählte mir die ganze Geschichte. Sie hat selbst noch Kinder, die sich nun darüber beklagen, dass sie nicht arbeiten kann, um sie zu versorgen. Immer wieder bekommt sie von allen Seiten gesagt, dass sie das kleine Mädchen einfach irgendwohin wegbringen soll, weil sie nie 'zu etwas nütze sein' werde. Die Mutter des Kindes hatte das Kind in einem Krankenhaus ausgesetzt, aber diese Frau, die Großmutter, hatte das nicht ertragen können und das Kind zu sich geholt. "Ich brauche einen Platz, wo man sich um sie kümmert und ich sie besuchen kann. Ich kann so einfach nicht weiter machen. Ich weiß nicht mehr weiter. Schwester Gena, ich verstehe, was Sie sagen, aber ich weiß nicht, was ich machen soll. Wegen dieses Kindes kann ich nirgendwo hingehen und ich habe niemand, der sie mir abnimmt. Deshalb kann ich nicht arbeiten und habe kein Geld mehr. Was soll ich machen?" Ich schrieb alles auf, und als sie mir ihren Ausweis gab, war ich sehr schockiert. Diese Großmutter, die sich wie eine alte Frau anhörte und verhielt, ist erst 45 Jahre alt. Während ich sie anschaute, verfluchte ich das Elend in einem Land, das eine schöne Frau so schnell so fertig macht. Ich verfluchte das Elend, das ein Leben aller Hoffnung beraubt und in permanenter Verzweiflung belässt.

 

Das ist Haiti, und das ist die Realität, der wir Tag für Tag ins Auge blicken. Ich kenne eine andere Großmutter, wohl etwas über fünfzig, die jeden Tag in der Sonnenhitze ein großes Mädchen im Rollstuhl die lange staubige Straße entlang schiebt, damit wir sie behandeln können. Als ich sie kennen lernte ihr und sie mir ihre Geschichte erzählte, flossen ihre Tränen in Strömen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie nicht einmal einen Rollstuhl und musste Dina jeden Tag auf dem Rücken zu uns tragen. Wenn Sie Dina und ihre Großmutter sehen könnten, würde es Ihnen schwerfallen, die Tränen zurückzuhalten. Vielleicht würden Sie es wie ich machen und die Tränen in sich behalten, wohl wissend, dass sie ihnen eines Tages freien Lauf lassen werden.

 

Jetzt ist Fastenzeit, die Zeit, sich auf Ostern vorzubereiten. Die Zeit zum Nachdenken und zur Buße. Wie Pater Rick erklärte, ist es die Zeit, wenn uns die Natur mehr Licht bringt und uns an unsere Aufgabe erinnert, mehr Licht zu den Menschen in Dunkelheit zu bringen. Die Menschen, denen ich täglich bei meiner Arbeit begegne, brauchen das ganz dringend. Sie brauchen jemanden, der ihnen zeigt, dass sie nicht allein mit all ihren Nöten sind. Sie brauchen jemanden, der sagt "Du bist nicht allein". Für viele von ihnen bin ich dieser jemand, und unsere Organisation ist das einzige, was ihnen etwas Licht in ihr Dunkel bringt. Was diese Menschen allerdings nicht merken ist, dass sie ebenfalls viel Licht in mein Leben bringen. Sie ermutigen mich durch ihre Entschlossenheit, ihren Mut und ihre Willenkraft. Ich staune über sie, denn wie schlimm es für sie auch kommen mag, sie geben nicht auf. Sie suchen und bitten beharrlich um Hilfe für ihre Kinder. Immer wieder müssen sie Verzicht leisten, um ihren Kindern etwas geben zu können. Ihr ganzes Leben ist ein Opfer für ihr behindertes Kind. In Haiti ist das besonders bemerkenswert, weil die Menschen hier es schon so schwer genug haben, sich durchs Leben zu schlagen, und da ist ein behindertes Kind eine riesige Belastung. Wenn ich ihnen begegne, weiß ich genau, dass ich mich zu ihrer Stimme machen muss. Ich weiß, dass ich ihre Stimme sein kann, wenn ich ihre Geschichte weitererzähle. Ich kann es und ich muss es tun.

 

Das ist Haiti, und es ist Fastenzeit. Die meisten von uns hier in Haiti würden sagen, dass in Haiti das ganze Jahr über Fastenzeit ist. Wir warten immer noch auf die Freude der Auferstehung! Bei meiner Arbeit erlebe ich aber täglich ein klein wenig von der Auferstehung. Peterson kam vor vier oder fünf Monaten zu uns. Früher war er ein gesundes Kind gewesen, dann wurde er schwer krank und nach dieser Krankheit konnte er nicht mehr gehen und sprechen. Als ich ihn sah, hatte ich gleich das Gefühl, dass wir ihn wieder zum Laufen und Sprechen bringen könnten, weil er sich so sehr darum bemühte. Ich sagte seiner Mutter, dass wir ihn innerhalb von sechs Monaten wieder auf die Füße bekommen würden und dass er wieder sprechen lernen werde. Ich hatte einfach dieses Gefühl, weil es ihm direkt nach seiner Krankheit wesentlich schlechter gegangen war und seine Mutter sagte, es habe sich schon so viel gebessert, seit er im Krankenhaus war. In dieser Woche kam er in unsere Krankenstation gelaufen - zwar noch ein bisschen wackelig auf den Füßen, aber immerhin! Er redet auch wieder, und seine Mutter ist unbeschreiblich glücklich. Wir arbeiten noch weiter mit ihm, um sein Gehen zu verbessern, aber es ist ein tolles Gefühl, ihn so zu sehen.

 

Alle Eltern teilen unsere Freude und bringen regelmäßig ihre Kinder zu uns. Wir alle brauchen kleine Erfahrungen der Auferstehung in unserem Leben, die uns den Mut geben, weiterzumachen, die uns zeigen, dass wir so viel tun können trotz aller Schwierigkeiten. Und wie ging es mit meinen beiden Großmüttern weiter? Dinas Großmutter kommt dreimal in der Woche und freut sich über die Fortschritte, die Dina macht. Ab und zu gebe ich ihr etwas Geld, damit sie Essen kaufen kann, und nächste Woche werden wir uns zusammensetzen und überlegen, wie sie ein wenig Geld verdienen kann. Edsons Großmutter sucht nach einem anderen kleinen Haus, das wir für sie mieten können. Wo sie zur Zeit wohnt, ist nicht so günstig, denn selbst wenn sie etwas Geld hätte, um ein kleines Geschäft zu führen, könnte sie dort nichts verkaufen, weil kein Markt in der Nähe ist. Sie braucht ein Haus in besserer Lage, einen Rollstuhl und etwas Geld für den Anfang, dann kann sie die kleine Edson bei sich behalten und trotzdem den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen. Was sie zum Beispiel machen könnte ist einen kleinen Stand unterhalten, an dem sie Süßigkeiten, Kekse oder andere Dinge verkaufen kann. Auf diese Art finden viele Frauen in Haiti ihr bescheidenes Auskommen. Nächste Woche kommt sie wieder zu mir und ich händige ihr das Startkapital aus. Ich habe beiden Großmüttern versprochen, dass wir sie und ihre Enkel unterstützen werden. Wir lassen sie mit ihren Problemen nicht allein.

 

They come to us with their children,

They share with us their pain,

Their stories speak of hardship,

and the hope they strive to gain.

Their lives are one of struggle,

a fight to survive each day,

In a country steeped in misery,

they seek to find their way.

 

They come to us with their children,

Their eyes fill up with tears,

Lives that have known so much suffering,

faces aged beyond their years.

How to help their children,

when the life is such a fight,

How can they keep their children,

when there is no hope in sight.

 

They come to us with their children

now we must give them hope,

we must shine a light on their darkness

we must assure them that yes they can cope.

It is clear we cannot solve all their problems,

All their troubles we cannot erase,

But for sure we can make life a bit better,

Give some encouragement to each tired face.

 

We can walk with them together,

on the road that is often uphill,

We can help them carry their children,

when fatigue it threatens the will.

We can give the hope of a Resurrection,

when Holy Week goes on too long,

We can show that after a night of much darkness,

Lies a dawn that will burst forth with a song.

 

I sit with each single parent,

I listen to each story I'm told,

I wonder at a world of such corruption,

where human dignity is bartered and sold.

I look at these mothers of such courage,

see the pride shining in their eyes,

Forced to beg for their children,

Their country deaf to their cries.

 

I frequently feel overwhelmed,

There's only so much I can do,

I fight with the forces of darkness,

that would like to engulf me too.

I look at the smiling children,

see how they blossom and bloom,

They are my strength and my power,

they conquer the forces of doom.

And thus my life it continues,

Is this land that has stolen my heart,

As I share my life with a people,

that I have loved right from the start.

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