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Ein Baby, das ohne Mutter aufwächst

Die Geschichte der jungen Mutter Guerdie und ihrem Baby.

Nervös zupft Guerdie an ihren Haaren. Sie hat eine Perücke mit Locken aufgesetzt, denn sie wollte heute besonders hübsch aussehen. Es ist Besuchertag im nph-Kinderdorf St. Anne in Haiti. Die junge Frau ist hier, um ihre Tochter Cassandra* zu besuchen. Sie wurde vor zwei Jahren im nph-Kinderkrankenhaus St. Damien geboren. Da war Guerdie geschätzte 16 Jahre alt - zu jung, um selbst für ihr Kind zu sorgen.

Guerdie dürfte heute 18 oder 19 Jahre alt sein, ihr genaues Alter kennt sie nicht, doch die Ärzte schätzen, dass sie bei der Geburt ihrer Tochter 16 war. Als sie Cassandra im nph-Kinderkrankenhaus zur Welt brachte, war die junge Mutter stark unterernährt und hatte Tuberkulose. Doch das Baby kam zum Glück gesund auf die Welt. Schon bald nach der Geburt stand fest, dass Guerdie sich nicht um ihr Baby kümmern kann. Sie leidet an Entwicklungsstörungen und kann kaum selbst für sich sorgen. Ihr Zuhause ist ein Zelt, ohne Wasser und Strom, sie hat kein festes Einkommen und damit keine Möglichkeit, ein Kind großzuziehen.

„Um Guerdie zu helfen, bräuchten wir einen langfristigen Sponsor, wir müssten eine richtige Unterkunft für sie finden und ihr ein Startkapital zur Verfügung stellen. Doch dafür haben wir leider keine Ressourcen. Wir konnten der jungen Mutter nur anbieten, Cassandra im nph-Kinderdorf St. Anne aufzunehmen“, so Joanne Schipper, Mitarbeiterin von nph haiti.



Cassandra ist der Liebling der anderen Kinder. © nph

Im Kinderdorf entwickelt Cassandra sich prächtig. Sie ist ein fröhliches, gesundes Baby und der Liebling der älteren Kinder. Oft versammeln sie sich um die Kleine und versuchen sie mit lustigen Grimassen zum Lachen zu bringen. Mittlerweile wurden noch andere Babys im Kinderdorf aufgenommen, sodass Cassandra nicht mehr die jüngste ist. Anfangs fiel ihr das ein bisschen schwer, denn sie war gerne das Nesthäkchen, doch mittlerweile hat sie sich an ihre neue Rolle gewöhnt und ist die Beschützerin der anderen Babys.

Aufregung beim Besuchertag

Derzeit besucht Guerdie ihre Tochter jeden ersten Samstag im Monat, wenn Besuchertag im Kinderdorf ist. Ein bisschen unbeholfen wirkt die junge Mutter wenn Cassandra im ersten Moment nicht auf sie eingeht, weint oder nicht hören will. Doch die Unsicherheit verfliegt bald und die beiden werden wieder ein Herz und eine Seele. Wenn man sie beobachtet, merkt man, wie sehr Guerdie ihre Tochter liebt. Doch sie weiß auch, dass sie nicht bereit ist, für sie zu sorgen. Trotzdem möchte sie eines Tages mit ihrer Tochter zusammenleben.

„Das wünschen wir ihr sehr. Vielleicht, wenn Cassandra 12 oder 14 ist und Guerdie auf eigenen Beinen steht. Wenn die Tochter den Wunsch verspürt, bei ihrer Mutter zu leben, wird ihr niemand im Weg stehen“, erklärt Joanne weiter.

Derzeit ist die Situation von Guerdie noch sehr schwierig. Sie wechselt oft ihren Aufenthaltsort und kann sich noch nicht so richtig um sich selbst kümmern. Sie gibt auch nicht viel von sich preis, sodass unsere Mitarbeiter in Haiti nicht immer genau wissen, was sie tut, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.


Cassandra, als sie acht Monate alt war. © nph

Kein Einzelschicksal

Die Geschichte von Guerdie und Cassandra ist kein Einzelfall. Vor allem sehr junge Mütter sind oft nicht in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern. Unreife, Armut oder Krankheit hindern sie daran, ihren Babys ein kindgerechtes Zuhause zu bieten. Was nph in diesen Fällen für die Mütter tun kann, ist, ihre Kinder aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass sie in einem gesunden Umfeld aufwachsen. Ein Zuhause, gesunde Ernährung, pädagogische Betreuung und Schulbildung – all das, was die Mütter aufgrund ihrer schwierigen Lage nicht bieten können.

Doch Mutterliebe ist etwas Besonderes. Deshalb ist es für die Entwicklung der Kinder so wichtig, dass sie in Kontakt mit ihren Müttern bleiben, dass diese sie besuchen und eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Manchmal schafft eine Mutter es, auf eigene Beine zu kommen und kann das Kind wieder bei sich aufnehmen. Vielleicht wird eines Tages auch die Geschichte von Guerdie und Cassandra so enden. Doch bis dahin bekommt Cassandra so viel Liebe und Fürsorge wie nur möglich im nph-Kinderdorf St. Anne.

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* Alle Kindernamen sind aus Datenschutzgründen geändert.

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