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Die Kinder kehren zunächst einmal zurück auf die Insel

Die Verantwortlichen hatten eine schwierige Entscheidung zu treffen zwischen einer möglichen Gefährdung auf der Insel und der unzureichenden Unterbringung der Kinder auf dem Festland.

Im Namen aller Kinder von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN Nicaragua möchte ich Ihnen danken für Ihre Unterstützung und Ihre Gebete in den vergangenen Monaten, als wir uns mit der Gefahr eines ausbrechenden Vulkans nur wenige Kilometer von unserem Kinderheim konfrontiert sahen. Mein besonderer Dank gilt auch den Mitarbeitern, die sich unter oft schwierigsten äußeren Bedingungen weiter für unsere Kinder eingesetzt haben. Ob die Betreuer, die für einen Schlafsaal mit 40 kleinen Jungen und nur einer Toilette zuständig waren, oder die Mitarbeiter im Büro, die ständig von Kindern belagert waren, die aus ihren Zelten ins Büro kamen, um sich ein Bonbon oder auch nur ein bisschen Aufmerksamkeit zu holen, jeder hat großartige Arbeit geleistet unter sehr viel Streß und schlechtesten Bedingungen.

 

Im Interesse ihrer Sicherheit bat ich alle ausländischen freiwilligen Mitarbeiter, auf unsere Kosten nach Hause zurückzukehren oder ihren Einsatz in einem anderen Heim von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN fortzusetzten. Das war ein bewegender Augenblick - einer von vielen im Verlauf dieser schwierigen Zeit -, als man mir sagte, dass keiner meiner Bitte gefolgt sei. Mein herzlicher Dank an Euch alle!

 

Bei der gestrigen Vorstandssitzung von NPH International wurde nach Beratungen mit den Mitarbeitern und Freiwilligen in Nicaragua einstimmig der Beschluss gefasst, dass die Kinder wieder auf die Insel zurückkehren sollen, aber dass gleichzeitig an einem Plan für eine dauerhafte Umsiedlung gearbeitet wird. Das geschieht als folgenden Gründen:

Als ich Anfang Dezember nach Nicaragua kam, um mir ein Bild von der Lage zu machen, war offensichtlich, dass die Kinder unter unzumutbaren Bedingungen lebten, auch wenn das zum damaligen Zeitpunkt unumgänglich war. Es war klar, dass Mitarbeiter und Kinder sehnlichst darauf warteten, entweder in ein neues dauerhaftes Heim umzuziehen oder auf die Insel zurückzukehren, sobald es die Umstände erlaubten.

In dieser Zeit holten wir die Auskunft der Nicaraguanischen Behörde für Geologische Untersuchungen (INETER) ein, um herauszufinden, wie die "normale" grundlegende Aktivität des Vulkans in der Vergangenheit aussah. Als wir die Kurven dieser Messungen sahen, beschlossen wir, auf die Insel zurückzukehren, sobald die Aktivität des Vulkans einen Monat lang auf dieser Grundlinie von Null verblieb. Dann würden wir auch von INETER grünes Licht für eine sichere Rückkehr auf die Insel erhalten. Nun ist diese Grundlinie schon über einen Monat gehalten; bei einem Treffen mit dem Direktor von INETER letzten Dienstag wurde uns dieses grüne Licht nun gegeben.

 

Das heißt jedoch nicht, dass keine Gefahr mehr besteht. Wir haben es mit einem aktiven Vulkan zu tun, und wenn er seinem Muster der vergangenen 150 Jahre folgt, wird er wieder ausbrechen. Außerdem ist die Gefahr von Erdrutschen aufgrund der Struktur des Vulkans sehr real; solch ein Erdrutsch könnte jederzeit stattfinden.

 

Aus diesen Gründen wird ein Ausschuss bald mit der Umsetzung des Beschlusses von der September-Sitzung des gesamten Vorstandes von Nuestros Pequeños Hermanos International beginnen: nämlich der schnellstmöglichen dauerhaften Umsiedlung der Kinder auf das Festland.

 

Zu diesem Zweck und im Interesse der Sicherheit in der Zwischenzeit sind den Mitarbeitern von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN Nicaragua verschiedene Aufgaben zugewiesen worden. Pater Ron Hicks, der Regionalleiter für UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN in Zentralamerika, wird ihnen dabei helfen, diese Aufgaben umzusetzen. In groben Zügen ist folgendes geplant:

- INETER hat eine Kamera im Kegel des Vulkans plaziert, mit einem Monitor in unserem Büro, wodurch wir bei vulkanische Aktivitäten sofort gewarnt werden.

- Bei heftigen Regenfällen wird jemand von der Insel zur Beobachtung der Erdrutschgefahr angestellt.

- In Casa Santiago wird eine Warnsirene installiert.

- Vorräte für den Fall einer erneuten Evakuierung werden in den Büroräumen von NPH auf dem Festland gelagert.

- Der Heimleiter Ismael Leon sucht nach weiteren und besser geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten, als bei dieser Evakuierung zur Verfügung standen, für einen erneuten Notfall oder für den Fall, dass wir unser Gelände auf der Insel verkaufen können und die Kinder zeitweilig unterbringen müssen, während das neue Heim gebaut wird.

- Unser Mitarbeiter in der Hauptstadt Managua, Jose Luis Mejia, beobachtet die Website von INETER auf Anzeichen irgendwelcher seismischer Aktivitäten hin.

- Der Hausvater Francisco Manzanares führt mit den Kindern weiterhin Übungen zur Evakuierung durch und erarbeitet einen Notfallplan für den Fall eines Erdrutsches aus, mit dem die Kinder ebenfalls in Übungen vertraut gemacht werden.

- Alle Mitarbeiter suchen nach Kontakten, die ein Boot zur Verfügung stellen können, das groß genug ist, um die Kinder vom Pier in der Stadt aus zu evakuieren, das von uns aus in zehn Minuten zu Fuß erreichbar ist. Bei einer notfallmäßigen Evakuierung der gesamten Inselbevölkerung kommt es bei den existierenden Transportmöglichkeiten zu Engpässen.

- Der Leiter unseres Heimes für verhaltensauffällige Jungen, Raul Duran, wird weiterhin seine Kontakte nutzen, um mögliche Käufer für unseren Grundbesitz auf der Insel zu finden. Alles durch den Verkauf erzielte Geld wird in den Neubau eines permanenten Hauses auf dem Festland fließen.

- Wenn das Grundstück nicht verkauft werden kann, werden wir mit dem Neubau auf dem Festland beginnen, sobald genug Geld dafür zur Verfügung steht. Die Kapelle auf der Insel soll dem örtlichen Bischof als Geschenk überlassen werden, und auf dem Rest des Geländes eine Bananenplantage angelegt werden, die Arbeitskräfte von der Insel bewirtschaften können. Auf diese Weise erhielten wir zumindest einen kleinen Ertrag von dem Geld, das wir auf der Insel investiert haben.

- Unsere Mitarbeiter erarbeiten Kostenvoranschläge für den Erwerb von Bauland und die Baukosten auf dem Festland.

 

 

Wir wissen zwar, dass das bei weitem keine prefekte Lösung ist, aber der Ausschuss und die Mitarbeiter vor Ort sind sich einig, dass es für den Augenblick die beste Vorgehensweise ist, wenn man unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten realistisch einschätzt. Noch einmal ganz herzlichen Dank an die Kinder und Mitarbeiter von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN Nicaragua für ihre Geduld und die Bereitschaft, das Ganze als Heimfamilie gemeinsam durchzustehen.

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