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Der Hunger fordert seinen Tribut

Hungernde Menschen auf dem Land und in Port-au-Prince werden immer verzweifelter.

Heute fuhren wir wieder in die Überschwemmungsgebiete, mit VIER Lastwagen voller Lebensmittel und Kleidung. Über 600 Beutel mit Bohnen und Reis und 100 Säcke mit Kleidern, eine Menge Seife, Zahnbürsten und Zahnpasta... und Kekse für die Kinder. Zwei Schwestern von Mutter Theresa begleiteten uns, und außerdem vier Kinder aus dem Waisenhaus (sie durften die Kekse verteilen!)

 

Es gibt so viele bitterarme Menschen, die alles verloren haben. Wie sie hinter unseren Lastwagen herlaufen, vor lauter Hunger. Wie sie die Hügel herab gelaufen kommen, wenn sie uns sehen. Besonders alte Menschen und kleine Kinder.

 

Meine Geschwister und ich mussten nie in Lumpen zu einem Lastwagen rennen, in der Hoffnung auf einen Beutel Reis. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist. Meine Großeltern mussten nie hinter einem Lastwagen herrennen, barfuß über steinigen Boden, auf einen Stock gestützt, nur um etwas Essbares zu ergattern. Man könnte weinen, wenn man das sieht. Der Hunger hat etwas Schreckliches an sich.

 

Wir fuhren nacheinander zu acht kleinen Dörfern, redeten mit den Menschen und versuchten es so einzurichten, dass wir die Sachen verteilen konnten, ohne ein Chaos anzurichten. Nach dem achten Dorf stießen wir auf ein neues Problem. Banditen. Mittlerweile streifen Banden umher, die Hilfslieferungen abzufangen versuchen. Wir konnten ihnen ein Schnippchen schlagen. Aber von jetzt an brauchen wir wohl militärischen Schutz, was jedoch nicht unmöglich ist.

 

Große Sorgen machen mir allerdings die Banditen. Letzten Samstag fand ich in den Straßen von Port-au-Prince einen fünfzehnjährigen Jungen mit schweren Machete-Verletzungen am Kopf. Ich brachte ihn so schnell es ging zu einem Chirurgen, aber ich weiß nicht, ob er noch lebt. Er hatte etwas auf dem Markt gestohlen und den Zorn von Menschen auf sich gezogen, die das Stehlen und die Korruption leid sind ebenso wie eine Polizei, die nichts dagegen unternimmt. Jetzt nehmen sie das Gesetz in die eigenen Hände, und das endet oft schrecklich. Das ist nicht der erste Junge, den ich so aufgefunden habe. Ich fürchte, die hungrigen Menschen werden nicht mehr länger zusehen, wie solche kleinen Straßendiebe ihnen das Essen wegnehmen. Hoffentlich kommen die Plünderer zur Vernunft, bevor sie ein Ende ereilt, das so vernichtend ist wie die Flut, von der sie zu profitieren versuchen.

 

Am Donnerstag oder Freitag werden wir mit dem Hubschrauber in die überfluteten Gebiete fliegen. Das ermöglichen uns die US-Marines und ihre Kontakte zur kanadischen Airforce. Ferel, De Neptune und ich werden mitfliegen. Wir werden Ausschau halten, welche Gebiete den größten Schäden erlitten haben, welche Orte am meisten abgeschnitten sind und über welche Wege man sie erreichen könnte.

 

Nur drei von uns dürfen mit. Schwester Philomena möchte auch so gern dabeisein, Ich habe den Soldaten erklärt, dass sie mit ihren 80 Jahren so leicht wie eine Feder ist und überhaupt keinen Platz in Anspruch nimmt. Aber sie lassen sich noch nicht überreden. Nun werde ich schwerere Geschütze auffahren: ein paar ihrer selbst gebackenen Plätzchen, von ihr selbst überbracht. Wenn ihr das keinen Platz im Hubschrauber einbringt!

 

De wird all diese Gebiete auf einer ausgedehnten Fahrt besuchen, um einzuschätzen, wo und wie wir beim Wiederaufbau helfen können.

 

Viele Grüße und vielen Dank für Gebete, Ermutigung und Hilfe.

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