Letting Go Of Loss
Aktuell

Den Schmerz loslassen, um sich auf die neue Familie im Heim einlassen zu können

Unsere Psychologen versuchen unseren Kindern bei der Verarbeitung ihrer Trauer zu helfen.

Eine der größten Herausforderungen für unsere Kinder, besonders für die Neuankömmlinge, ist es, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Zu viele unserer Kinder werden viel zu früh in ihrem Leben mit solch einer schmerzlichen Erfahrung konfrontiert. Wie gut oder wie schlecht sie damit zurecht kommen, hat einen großen Einfluss auf ihr weiteres Leben.

 

Ein bewegendes Beispiel für einen solchen Verlust sind die Paz-Kinder, die vor kurzem zu uns gekommen sind. Ihre alleinerziehende Mutter starb an einem Krebsleiden. Wenige Tage nach ihrem Tod kamen die fünf Geschwister zu uns und wurden von unseren Psychologen und Sozialarbeiterinnen sofort liebevoll betreut. Aber bereits einen Monat später erwartete die Kinder neues Herzeleid. Ihr ältester Bruder kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. So verloren sie zwei nahe Angehörige innerhalb nur eines Monats.

 

Unsere Psychologen stellten fest, dass viele unserer Kinder, egal ob sie sofort nach dem Tod ihrer Eltern oder erst Jahre danach zu uns gekommen sind, keinen oder nur einen unvollständigen Prozess der Trauerverarbeitung vollzogen haben. Diese unbewältigte Trauer hindert sie daran, sich von den Schatten ihrer Vergangenheit zu lösen und sich ganz auf ihre neue Heimfamilie einzulassen. Bei vielen Kindern äußert sich dieser Schmerz in Verbitterung und Groll und hindert sie daran, zu vergeben - ihren Eltern, der Gesellschaft und vielleicht noch wichtiger, sich selbst.

 

Als Antwort auf dieses Problem haben unsere Psychologen damit begonnen, mit den Kindern die Gräber ihrer Eltern zu besuchen. Ende Juli nahmen 38 unserer Kinder an diesem besonderen Ausflug teil. In Begleitung unserer Psychologen fuhren die Kinder mit dem Bus zu einem Friedhof am Rande von Tegucigalpa, auf dem die Eltern von zwei Geschwistergruppen begraben sind.

 

Die Kinder schrieben Briefe und Gedichte, die an den Grabstätten vorgelesen wurden. Sie malten Bilder zum Ausschmücken der Gräber und durften Bibelverse und Gebete zum Gedächtnis der Verstorbenen vorlesen. Es war sehr bewegend für die Kinder, einige brachen in Tränen aus und klammerten sich an die Grabsteine, andere standen still daneben, mit zum Schutz verschränkten Armen und mit traurigen, nachdenklichen Mienen. Die älteren Geschwister nahmen die kleineren in den Arm, um sie zu trösten, und wischten ihnen die Tränen ab.

 

Die Familienangehörigen der anderen Kinder sind auf Friedhöfen beerdigt, die in Gegenden liegen, die wegen der hohen Kriminalität zu gefährlich sind, um sie zu besuchen. Für diese Kinder hatten die Psychologen eine symbolische Zeremonie zur Erinnerung an ihre Verstorbenen vorbereitet. Zum Abschluss dieses besonderen Nachmittages gingen sie dann noch mit allen Kindern zusammen essen.

 

Durch solche Erfahrungen möchten die Psychologen unseren Kindern dabei helfen, ihren Schmerz in der Gruppe auszudrücken und zu lernen, anderen ihr Mitgefühl zu zeigen. So haben die Kinder die Gelegenheit, sich als Geschwister gegenseitig zu unterstützen, und machen die Erfahrung, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine stehen. Da sich diese Ausflüge als sehr hilfreich erwiesen haben, sollen sie im Lauf der Zeit mit allen unseren Kindern durchgeführt werden.

 

Sechs Monate nach der Ankunft der Paz-Kinder hier auf der Ranch zeigt sich an ihnen beispielhaft und ermutigend, wie die Trauer neuer Hoffnung weichen kann. Sie haben den Schmerz über ihren Verlust ein Stück weit loslassen können und sind dadurch frei geworden, sich auf den neuen Lebensabschnitt hier bei uns einzulassen. Das Lächeln auf ihren Gesichtern zeigt uns tagtäglich, welche Kraft in ihnen steckt, vor allem wenn man weiß, welche Tragödie hinter ihnen liegt.

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