look back at 2003
Aktuell

Das Jahr 2003 im Rückblick

Reinhart Köhler berichtet über neue Entwicklungen des vergangenen Jahres.

Wieder ist ein Jahr vergangen. Ein Jahr voller Herausforderungen, Freude, Trauer, harter Arbeit, angenehmer Überraschungen, Enttäuschungen - und doch vor allem anderen das Wunder unseres Kinderdorfes, die zahllosen Segnungen, die Gott uns schenkt.

 

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass wenn Menschen das ihnen Mögliche tun, Gott das Unmögliche tun und ein Wunder geschehen lassen wird. Angela Berganza Rapalo ist ein Beispiel, an dem uns die Gnade Gottes als wirkende Kraft in unserem Leben besonders deutlich wird. In unserem UKBS Rundbriefen habe ich bereits von Angela und ihren deformierten Beinen berichtet. Während sich das Wunder an ihr vollzieht, kann ich all den guten Willen, die Liebe und die Hingabe der Menschen kaum angemessen beschreiben, die sich um Angela kümmerten, ihr die komplizierte medizinische Behandlung angedeihen ließen, sie in ihren Schmerzen begleiteten und ihre ersten Schritte bejubelten. Ich bin Euch allen sehr dankbar, die Ihr dieses Wunder möglich gemacht habt. Viele von Euch haben so viel gegeben, dass unsere Arbeit hier dagegen wie ein Kinderspiel wirkt.

 

Unsere Arbeit hier besteht weiter darin, Kindern Schutz zu bieten vor Armut, Hunger, Krankheit und Missbrauch. Viele neue Kinder kamen zu uns ins Kinderdorf Rancho Santa Fe, während andere es verließen, um ein selbständiges Leben zu beginnen, ausgerüstet mit der guten Erziehung und der soliden Ausbildung, die UKBS ihnen vermittelt hat. Je älter unsere Heimfamilie wird, desto größer wird die Gruppe derjenigen, die diesen entscheidenden Schritt tun. Den meisten von ihnen wird er gelingen, aber einige werden wieder in die Armut geraten. Es ist wie in jeder Familie - nicht immer sind sich Eltern und Kinder über den richtigen Zeitpunkt einig, wann ein Kind in die Unabhängigkeit entlassen werden sollte. Einige Kinder wollen zu früh weg, andere bleiben lieber noch, obwohl sie längst auf eigenen Füßen stehen sollten.

 

Um unseren Ehemaligen wirkungsvoll bei der Ablösung zu helfen, haben wir ein spezielles Programm entwickelt, das von unserer Mitarbeiterin Patty Gamez betreut wird. Pattys Aufgabe besteht darin, die jungen Leute in der Übergangszeit zu begleiten, ihnen dabei zu helfen, eine Wohnung und eine Arbeitsstelle zu finden, Bewerbungen zu schreiben, sie auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten usw. Patty ist auch die Ansprechpartnerin, falls unsere Ehemaligen Probleme haben. Wir haben eine Datenbank eingerichtet, in der wir Informationen über das Ergehen unserer Ehemaligen sammeln. Wir hoffen, dass wir bis zum Ende des Jahres erste greifbare Ergebnisse aufzeigen können.

 

Ein Schwerpunkt des vergangenen Jahres war die Verbesserung der Programme zur Kinderbetreuung. Wir haben unsere Mitarbeiter weiter ausgebildet, wobei die Wichtigkeit jedes einzelnen Kindes besonders betont wurde, ihre schulische Ausbildung und die Vermittlung von Werten. Gleichzeitig haben wir den Bereich der geistlichen Bildung und Entwicklung weiter ausgebaut. Wir haben eine Arbeit mit Kleingruppen für die Kinder und Jugendlichen begonnen, die ganz verschiedene Bereiche abdecken wie soziale Hilfsprojekte, die Vorbereitung auf die Erstkommunion, Firmung, Taufe und Jugendgruppen.

 

Wir möchten diese Programme gern mit der Arbeit der psychologischen Abteilung vernetzen, die zuständig ist für Orientierungsprogramme über Sexualität, Gesundheit, die Entwicklung positiver Einstellungen, Eignungstests und vieles mehr.

 

Wir haben nun schon drei Jahre lang drei Programme durchgeführt, die sich sehr positiv auf die Kinder ausgewirkt haben. Das eine ist ein Programm zur Suche nach Familienangehörigen für Kinder, die den Kontakt zu ihnen verloren haben. Im letzten Jahr konnten wir verschiedene Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkel aufspüren, und in zwei Fällen gelang es uns sogar, die Mutter wiederzufinden. Wenn wir sicher sind, dass die Verwandten an den Kindern interessiert sind, stellen wir den Kontakt wieder her und arrangieren Besuche. Manchmal führt das sogar dazu, dass die Kinder wieder in ihre Ursprungsfamilie aufgenommen werden.

 

Unsere Sozialarbeiterinnen führten weiterhin Gespräche mit den einzelnen Familien durch, erkundigten sich nach dem Befinden der Kinder, danach, wie sie sich mit ihren Geschwistern vertragen, wie es ihnen in ihrer Gruppe im Kinderheim ergeht, wie sie in der Schule zurechtkommen oder ob es besondere Probleme gibt. Am wichtigsten aber ist es, den Kindern klar zu machen, warum sie im Kinderheim sind. Sonst fangen die Kinder leicht davon zu träumen an, dass die Mutter, die noch am Leben ist, oder der Vater, der sie vor Jahren im Stich gelassen hat, plötzlich zum Tor hereinspaziert und sie aus dem Heim herausholt.

 

Eine Sache, die wir in diesen Gesprächen herausfanden ist, dass die Beziehung der Geschwister untereinander manchmal leidet, wenn sie zu uns kommen, weil wir im Heim die einzelnen Gruppen nach Alter und Geschlecht trennen. So gewöhnen sich unsere Kinder schnell daran, dass sie die meiste Zeit mit ihren Freunden verbringen, und die Älteren suchen immer seltener den Kontakt zu ihren jüngeren Geschwistern. Deshalb begannen unsere Freiwilligen mit einem sogenannten "Familienprojekt". Zu einer bestimmten Zeit am Nachmittag sammelt ein Freiwilliger alle Geschwisterkinder einer Familie, um mit ihnen ein paar Stunden gemeinsam etwas zu unternehmen. Zusätzlich gibt es an den Wochenenden manchmal "Familienessen". Bei diesen Mahlzeiten gibt es ein Picknick ingendwo auf der Ranch, bei dem die Kinder ebenfalls die Gelegenheit haben, mit ihren Geschwistern zusammen zu sein.

 

Ein Jahr ist eine lange Zeit, und ich könnte noch so viel mehr darüber schreiben, was in 2003 hier alles passiert ist. Sie haben uns dabei geholfen, dass wir diese Arbeit tun konnten. Immer wieder kommen Menschen auf uns zu und fragen, was wir brauchen. Und wir können noch so vieles brauchen. Das Wichtigste ist immer noch, dass wir den täglichen Betrieb aufrecht erhalten können. Manchmal ist es schwieriger, Unterstützung für Essen und Kleidung zu erhalten als für ein Klassenzimmer oder ein Auto, nicht nur hier in Honduras, sondern in allen Heimen von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN.

 

Über Geldspenden hinaus sind wir angewiesen auf Ihre Zuwendung, Gebete und Zeit für den freiwilligen Einsatz für unsere Kinder. In der Vergangenheit haben Sie uns damit in sehr großzügiger Weise unterstützt, und Ihre Freundlichkeit und Treue ermutigt uns immer wieder bei unserer Arbeit, gerade wenn wir uns großen Schwierigkeiten gegenüber sehen. Vielen Dank an Sie im Namen aller, die zur Familie von UKBS Honduras gehören.

 

Mit herzlichen Grüßen,

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