Westecker
Aktuell

Bericht der Freiwilligen Janna Westecker aus Guatemala

Höhen und Tiefen, die sich lohnen

So, mittlerweile bin ich seit zehn Monaten hier im Kinderdorf von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN | nph guatemala. Und das Leben ist klasse!!!

 

Morgens muss ich früh aufstehen, die Kinder wecken, sie duschen und frisieren. Dann geht es zum Frühstück in den Comedor, den Speisesaal. Danach gehen die Kinder um 7.30 Uhr zur Schule und wir, die Tias, haben frei bis die Kinder um 13.00 Uhr aus der Schule kommen. Dann sorgen wir dafür, dass sie ihre Schuluniformen ausziehen, die gewaschen werden. Das ist nicht einfach, weil alles andere wichtiger für die Kleinen ist, als sich umzuziehen. Um 14.00 Uhr geht es wieder in den Comedor zum Mittagessen. Danach stehen oft Aktivitäten wie Religionsunterricht, Hausaufgaben oder Aufräumen an. Zweimal in der Woche probt unser Orchester und einige Kinder haben Karateunterricht. Wenn es einen freien Mittag gibt, wird mit allem was die Kinder so finden gespielt. Um 18.00 Uhr gibt es Abendessen und dann ist auch schon bald Zeit fürs Bett.

 

An den Wochenenden arbeitet eine Tia alleine pro Kindergruppe. ?Wochenende? heißt natürlich ausschlafen. Ausschlafen bis um 8.00 Uhr! Nach dem Frühstück gibt es jeden Samstag den ?Aseo general?, den Großputz in den Kinderhäusern. Danach blitzt und blinkt es. Nach der Arbeit kommt dann das Vergnügen. Bis zum Mittagessen um 13.30 Uhr ist Spiel und Spaß angesagt. Danach ist es Zeit, die Kinder unter die Dusche zu schicken und sie für die Messe fertig zu machen. Jeden Samstagabend ist in Parramos Messe, die das ganze Heim besucht. Sonntags ist wieder ausschlafen angesagt. Meistens gibt es Aktivitäten, die im Voraus geplant sind. Entweder von den Tios, die an diesem Wochenende Dienst haben oder von den Freiwilligen, die alle sechs Wochen eine ?Kermes? organisieren. Das ist eine Spiele-Rallye für alle Kinder, an deren Ende es eine Siegerehrung mit leckeren Preisen gibt.

 

Seit Anfang Oktober sind hier im Kinderdorf und in Guatemala die ?großen Sommerferien?! Die Kinder haben Ferien bis Januar. Das ist eine lange Zeit, aber dafür haben sie danach keine unterrichtsfreie Zeit mehr im Jahr. Ferien für die Kinder ist auch eine entspannte Zeit für uns Tias. Wir unternehmen zwar viel mit den Kindern, aber genau das macht riesigen Spaß. Wir machen Ausflüge, verbringen Bastelmittage zusammen oder gehen Schwimmen. Den Kindern macht es riesigen Spaß raus zu kommen und nicht immer im Heim zu sein. In den ?Cursos Veranos?, den Sommerkursen, gibt es viele verschiedene Angebote, die die Kinder drei Stunden täglich wahrnehmen können. Sie können Armbänder knüpfen, Kochen lernen, Nähen oder Stricken, Zeichnen und Malen, Kerzen für Weihnachten gestalten, Technik für die Jungs ? natürlich auch für die Mädchen, die wollen ? mit Holz, Elektronik und Metall. Es ist kein richtiger Unterricht mehr und somit haben die Kinder viel Spaß und gehen auf einmal sogar gerne in die ?Schule?! Die Kinder genießen die Zeit genauso wie ich, weil es viele schöne Momente gibt, die wir zusammen haben.

 

Die Arbeit als Tia ist sehr anstrengend, zehrt an den Nerven und man braucht viel Geduld mit den Kleinen. Aber nichtsdestotrotz würde ich mit keinem anderen Job tauschen wollen. In keinem anderen Job kann man so eine Beziehung zu den Kindern aufbauen und ein Teil von ihrem Leben sein, so wie ich es mittlerweile bin. Man kommt hier an seine Grenzen, aber lernt auch durchzuhalten. Und für mich hat es sich wirklich gelohnt und lohnt es sich immer noch!!!

 

Es ist auch wichtig, sein eigenes Gleichgewicht zu finden. Deswegen tut es immer besonders gut, nach einer harten Arbeitswoche am Wochenende mit den anderen Freiwilligen und mit ein paar Einheimischen auszugehen oder einfach nur einen schönen Nachmittag in Antigua zu verbringen. Nicht nur das Ausgehen macht Spaß, auch das Verreisen. Und das ist hier nicht teuer. Guatemala ist ein super schönes Land und es gibt so viel zu sehen!

 

Dass in drei Monaten schon wieder ?alles vorbei? ist, kann und will ich eigentlich noch gar nicht glauben. Es ist ein komisches Gefühl, einerseits freue ich mich schon riesig auf zu Hause, andererseits fühle ich mich auch hier in Guatemala super wohl. Ich habe viele neue Dinge gelernt und erlebt und Sachen gesehen, die es nur hier gibt. Ich habe viele neue Menschen kennen gelernt und bis jetzt ein super schönes Jahr hier verbracht, mit all seinen Höhen und Tiefen. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles so erleben konnte und freue mich auf meine noch verbleibende Zeit. Ein Jahr, mein Jahr, bei UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN | nph guatemala, das ich sicher nie vergessen werde!!!

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