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Abfallrecycling in der Dominikanischen Republik

Ein nph-Kinderdorf zeigt Wege auf, um die einheimische Bevölkerung für das Thema Müll zu sensibilisieren.

Seit Eröffnung des nph-Kinderdorfes in der Dominikanischen Republik 2003 achten die Verantwortlichen darauf, dass Müll nicht zu einem großen Problem wird. Aber nicht nur im Kinderdorf selbst wird Müll getrennt und recycelt. Die Nachbarschaft ist in das Projekt integriert. Welche Erfolge bereits erzielt wurden und wie man versucht, alle auf das Problem Müll aufmerksam zu machen, erklärt die Projektleiterin Kirsten Henschel-Rolla.

Als 2003 Kirsten Henschel-Rolla als Freiwillige in die Dominikanische Republik kam, befand sich das nph-Kinderdorf gerade im Aufbau. Sie betreute von Anfang an Projekte. Heute ist sie Leiterin der Nachbarschaftshilfe und Koordinatorin der Projekte innerhalb des Kinderdorfes.

Die Projektleiterin Kirsten Henschel-Rolla zusammen mit Kindern aus dem nph-Kinderdorf.

nph: Glasklares Wasser, Traumstrände und Palmen verbindet man mit der Dominikanischen Republik. Im nph-Kinderdorf wurde das Projekt Green aus der Taufe gehoben. Zu Beginn ging es um ökologische Landwirtschaft und Selbstversorgung. Heute gehören auch Mülltrennung und Umwelterziehung dazu. Ist das karibische Paradies in Gefahr?

Kirsten Henschel-Rolla: Das Umweltbewusstsein in der Dominikanischen Republik entwickelte sich erst in den letzten Jahren. Zuvor gab es Natur, und die war schön. Mit zunehmendem Tourismus und einer steigenden Zahl veralteter Fahrzeuge mit erhöhtem Schadstoffausstoß, steigen Umwelt- und Luftverschmutzung. Diese Probleme sind neu und stellen die Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Langsam werden erste Stimmen laut, dass der CO2-Ausstoß aufgrund der alten Autos so hoch ist. Zusätzlich existieren Müllberge, die nicht recycelt werden. Sie werden nur verbrannt. Augenblicklich erlebt das Land eine Welle von Umweltskandalen. Unter anderem wird Fabrikationsmüll ungefiltert in die Lagunen und Naturschutzgebiete geleitet. Die Dominikanische Republik hat inzwischen ein Umweltproblem.

nph: Wie sieht Ihr Umgang mit dem produzierten Müll im Kinderdorf aus?

Kirsten Henschel-Rolla: Wir versuchen, in unseren Bereichen es besser zu machen. Bereits seit der Kinderdorfgründung im Jahr 2003 setzen wir auf Selbstversorgung in der landwirtschaftlichen Produktion. Zusätzlich wird das benutzte Wasser recycelt. Unsere Vision ist ein geschlossener Wasserkreislauf im Kinderdorf.

In der Küche werden die selbstgeernteten Bohnen und Papayas sofort verarbeitet.

Des Weiteren ist Mülltrennung ein wichtiger Aspekt. Naturabfälle werden wieder in das Ökosystem zurückgeführt. Ungekochter Ökomüll kommt auf den Kompost und wird zu Dünger für die ausgelaugten Böden, auf denen seit Jahrhunderten Zuckerrohr angebaut wurde. Wir produzieren unseren eigenen Kompost. So werden die Nährstoffe erneut dem Kreislauf zugefügt. Essensreste werden an die Schweine verfüttert.

Der Verpackungsmüll aus den 15 Kinderhäusern, der Großküche, den Angestelltenhäusern und der Schule wird nach Papier, Plastik, Glas sowie Metall sortiert. Die Glasflaschen und das Plastik werden abgeholt und von dem Entsorger verwertet. Dafür bekommen wir eine geringe Aufwandsentschädigung. Die Müllabfuhr entsorgt den geringen Restmüll.

Daneben versuchen wir, das Umweltbewusstsein bei den Kindern zu schärfen. Zum einen wird ein anderer Umgang mit dem Müll im Dorf vorgelebt, was auch die Schüler mitbekommen, die nicht bei uns leben. Des Weiteren gehen wir an andere Schulen. Wir versuchen von Kindern für Kinder die Nachricht weiterzugeben. Immer mit der Frage: Was kann man besser machen?

Die Begrünung der Anlage war ein Teil, um als Eco-Schule ausgezeichnet zu werden.

nph: nph ist eine Eco-Schule. Was verbirgt sich dahinter?

Kirsten Henschel-Rolla:  Die Eco-Schule ist ein staatliches Zertifikat, das die nph-Schule erlangt hat. Ausschlaggebend waren der umweltbewusste Umgang in der Schule, das Anlegen von Gemüsegärten, die Einführung der Mülltrennung, eine grüne Bepflanzung und das Wasserrecycling. In diesem Rahmen entwickelten wir zudem ein Theaterstück, um die Nachricht, was man mit dem Müll machen kann, in andere Schulen und Ausbildungsstätten zu tragen.

nph: Ein Theaterstück über Mülltrennung?

Kirsten Henschel-Rolla: Es ist viel mehr. Das Umweltthema sollte generell gestärkt werden.
Eine Freiwillige aus Deutschland schrieb das Stück: "Rettet die Welt!" Es ist ein Kindertheaterstück, das aber auch immer mehr Erwachsene begeistert.

Folgendes passiert: Ein Kind steht als personifizierte Mutter Erde auf der Bühne. Bekleidet mit einem riesengroßen Rock symbolisiert es die Welt. Durch eine Vielzahl von Naturkatastrophen, wie zum Beispiel ein Hurrikan oder eine Überschwemmung, ebenfalls dargestellt durch Kindern, erwacht Mutter Erde. Der Hurrikan pustet sie an, durch die Überschwemmung wird sie nass, und die Hitzewelle verbrennt alles, und es ist ihr heiß. Mutter Erde leidet sehr darunter. Aber erst das Müllmonster rüttelt sie endgültig wach, und Mutter Erde versucht sich bei den Menschen Hilfe zu holen. Alle, ob Alt, ob Jung, haben anderes zu tun, als sich um die leidende Mutter Erde zu kümmern. Nur bei den Kindern erfährt sie Hilfe. Sie sammeln den Müll von ihr ab, sortieren ihn und zeigen, wie erneut eine saubere Natur entsteht.

Bislang wurde das Stück im Kinderdorf und in einer Nachbarschule aufgeführt. Nach den Ferien soll es an weiteren Schulen gezeigt werden, um die Kinder für dieses Thema zu sensibilisieren.

Eine Schülerin spielt mit einem Riesenrock die geschundene Erde.

nph: Neben den Kindern werden auch die benachbarten Armensiedlungen in das Projekt Green einbezogen. Wie sieht das aus?

Kirsten Henschel-Rolla: Fast alle Arbeiter des landwirtschaftlichen Bereiches kommen aus den umliegenden Siedlungen. Die meisten von ihnen sind Analphabeten, die nur sehr schwer woanders einen Arbeitsplatz gefunden hätten. Sie sind in das Projekt Green eingebunden und übernehmen erste Teile davon auch für sich selbst. Einige von ihnen züchten Schweine. Bei nph sehen sie, welche Erfolge durch die Verwertung von Essensresten bei der Zucht erzielt werden kann. Inzwischen füttern sie ihre Tiere ebenfalls mit Essensresten. Außerdem sammeln sie Glasflaschen. Die Bewusstseinsschaffung ist der allererste Schritt und extrem wichtig.

nph: Was wünschen Sie sich an Unterstützung bei dem Kampf gegen die Müllhalden in der Dominikanischen Republik?

Kirsten Henschel-Rolla: Dass noch mehr Menschen ein Bewusstsein für die Umweltbelastung bekommen. Ihnen sollte klar werden, was sie tun können und was sie vor allem besser machen können. Es ist wichtig, sein eigenes Konsumverhalten zu überdenken. Zusätzlich benötigt die Dominikanische Republik tatkräftige finanzielle Unterstützung. Wenn man eine Familie zu versorgen hat, kann man nicht ehrenamtlich Müll sammeln. Da müssen Arbeitsplätze geschaffen werden und die kosten Geld.

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